Private Equity: Definition, Zugang und Risiken für Privatanleger
Private Equity ist ausserbörsliches Beteiligungskapital mit langer Kapitalbindung. Wer in der Schweiz Zugang hat, wie ein Fonds Kapital abruft und zurückzahlt, wie Beteiligungen bewertet werden und wo semi-liquide Fonds an Grenzen stossen.
Private Equity ist privates Beteiligungskapital, das in nicht börsennotierte Unternehmen investiert wird, meist gebündelt in einem Fonds mit langem Anlagehorizont. In der Schweiz stehen die meisten Vehikel nur qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern offen. Wer als qualifiziert gilt, regelt Art. 10 des Kollektivanlagengesetzes (KAG).
Lange war diese Anlageklasse Pensionskassen, Stiftungen und sehr vermögenden Familien vorbehalten. Heute investieren auch vermögende Privatkundinnen und Privatkunden, etwa über ein Vermögensverwaltungsmandat oder über semi-liquide Fonds. In klassischen Fonds bleibt das Kapital oft zehn Jahre gebunden. 2026 hat zudem ein grosser Evergreen-Fonds von Partners Group die Rückgaben begrenzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Private Equity ist privates, ausserbörsliches Beteiligungskapital. Privatmärkte umfassen daneben Private Debt, Private Real Estate und Infrastructure.
- Das weltweite Transaktionsvolumen im Private Equity stieg 2025 um 19 Prozent auf rund 2,6 Billionen US-Dollar (McKinsey Global Private Markets Report 2026).
- Die Ausschüttungen von Buy-out-Fonds an ihre Anleger lagen 2025 bei 14 Prozent des Nettoinventarwerts und damit das vierte Jahr in Folge unter 15 Prozent (Bain Global Private Equity Report 2026).
- Die meisten Private-Equity-Fonds stehen nur qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern offen. Das Opting-out zum professionellen Kunden verlangt mindestens 500’000 Franken Vermögen plus Kenntnisse oder mindestens 2 Millionen Franken (Art. 5 Abs. 2 des Finanzdienstleistungsgesetzes, FIDLEG).
- Im Evergreen-Fonds Global Value SICAV von Partners Group lagen die Rücknahmeanträge im zweiten Quartal 2026 bei rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts. Der Fonds wandte seine Grenze von 5 Prozent pro Quartal an (Partners Group, 4. Juni 2026).
Definition: Was ist Private Equity?
Der Begriff Private Equity stammt aus dem Englischen und setzt sich aus Private (privat) und Equity (Eigenkapital) zusammen. Er beschreibt privates Beteiligungskapital oder ausserbörsliches Eigenkapital. Mit dem eingesammelten Geld investieren Private-Equity-Gesellschaften direkt in Beteiligungen an Unternehmen, mit dem Ziel der langfristigen Wertsteigerung.
Investitionen in Start-ups bezeichnet man im Private-Equity-Kontext als Venture Capital (Wagniskapital), das naturgemäss einem höheren Risiko ausgesetzt ist. Anders als die Aktionäre eines börsenkotierten Konzerns nimmt eine Private-Equity-Gesellschaft direkt Einfluss auf das operative Geschäft des Zielunternehmens, etwa über:
- Weiterentwicklung der bestehenden Unternehmensstrategie
- Bereitstellung von Know-how
- Optimierung von Arbeitsprozessen
- Expansion in neue Produkte und Märkte
Die Geschichte von Private Equity beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. 1946 wurde in Boston die American Research and Development Corporation (ARDC) gegründet, eine der ersten Gesellschaften, die Kapital von Institutionen für junge Unternehmen einsammelte.
Heute wird Private Equity im Kontext der Privatmärkte (Private Markets) betrachtet. Diese umfassen vier Hauptbereiche:
- Private Equity: Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen
- Private Debt: direkte Kreditvergabe an Unternehmen
- Private Real Estate: Investitionen in Immobilienprojekte
- Infrastructure: Beteiligungen an Infrastrukturanlagen
Wie gross ist der Private-Equity-Markt heute?
Nach dem McKinsey Global Private Markets Report 2026 stieg das weltweite Transaktionsvolumen im Private Equity 2025 um 19 Prozent auf rund 2,6 Billionen US-Dollar. Auch die Verkäufe (Exits) zogen an: Ihr Volumen erreichte 2025 rund 1,3 Billionen US-Dollar, den zweithöchsten je gemessenen Wert.
Laut dem Bain Global Private Equity Report 2026 lagen die Ausschüttungen von Buy-out-Fonds an ihre Investoren 2025 bei 14 Prozent des Nettoinventarwerts, das vierte Jahr in Folge unter 15 Prozent. Buy-out-Fonds halten nach derselben Quelle rund 32’000 noch nicht verkaufte Unternehmen im Wert von 3,8 Billionen US-Dollar. Die Haltedauer bis zum Verkauf liegt bei etwa sieben Jahren, von 2010 bis 2021 waren es im Schnitt fünf bis sechs.
Wie funktioniert Private Equity?
Ein Private-Equity-Fonds sammelt Kapitalzusagen von Anlegern ein, erwirbt damit Mehrheits- oder bedeutende Minderheitsbeteiligungen an nicht kotierten Unternehmen und verkauft sie nach einigen Jahren wieder. Die Rendite entsteht aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Dazwischen arbeitet der Fondsmanager mit dem Management am Unternehmen, etwa an Strategie, Kosten oder Zukäufen. Zusätzlich benötigte Mittel stellen Banken oder andere Kapitalgeber als Fremdkapital bereit.
Bei den Unternehmensphasen wird unterschieden zwischen:
- Venture Capital bei einer Unternehmensgründung mit einem erfolgversprechenden Geschäftsmodell
- Wachstumskapital bei der Expansion eines Unternehmens in neue Märkte oder Produktsparten
- Buy-out-Finanzierung bei der Übernahme eines etablierten Unternehmens
Junge Unternehmen erhalten von Banken selten Kredite, bevor sie am Markt Erfolg haben. Bei Buy-outs ist Fremdkapital dagegen fester Teil der Finanzierung. Zwei gängige Formen sind der Leveraged Buy-out (LBO) und der Management-Buy-out (MBO).
Leveraged Buy-out (LBO)
Bei einem LBO wird der Grossteil des Kaufpreises für das Zielunternehmen über Kredite fremdfinanziert. Die Schulden werden auf das Zielunternehmen übertragen. Die Rückführung der Darlehen erfolgt aus dem Cashflow des erworbenen Unternehmens.
Management-Buy-out (MBO)
Beim MBO ist der Initiator das Management des Unternehmens selbst. Auslöser kann eine Nachfolge oder eine Sanierung sein, welche die bisherigen Eigentümer nicht selbst tragen. Das Kapital stellen das Management und eine oder mehrere Private-Equity-Gesellschaften bereit.
Wie fliesst das Kapital in einem Private-Equity-Fonds?
Anleger zahlen bei einem klassischen Private-Equity-Fonds nicht den ganzen Betrag auf einmal ein. Sie geben eine Kapitalzusage ab, die der Fonds über mehrere Jahre abruft, sobald er investiert. Ausschüttungen fliessen erst zurück, wenn Beteiligungen verkauft werden. Der Anleger muss den zugesagten Betrag deshalb über Jahre bereithalten.
Der Ablauf hat drei Phasen:
- Investitionsphase: In den ersten Jahren ruft der Fonds die Zusagen in Tranchen ab (Capital Calls). Bezahlt der Anleger einen Abruf nicht fristgerecht, sehen die Fondsverträge in der Regel Sanktionen vor.
- Haltephase: Der Fonds entwickelt die Unternehmen weiter. Gebühren fallen bereits an, Erträge noch kaum.
- Verkaufsphase: Verkäufe und Börsengänge bringen Ausschüttungen an die Anleger zurück.
Weil in den ersten Jahren Kosten anfallen, bevor Gewinne realisiert werden, zeigt die Wertentwicklung eines jungen Fonds oft zuerst ein Minus. Dieser Verlauf heisst J-Kurve. Wer mehrere Fonds über verschiedene Auflagejahre (Vintages) zeichnet, verteilt Ein- und Auszahlungen über die Zeit. Wie Management Fee, Hurdle Rate und Gewinnbeteiligung (Carried Interest) zusammenspielen, erklärt unser Beitrag zu den Kosten von Private-Markets-Fonds.
Neben der Erstzeichnung eines neuen Fonds (Primary) gibt es zwei weitere Bausteine. Über Secondaries kauft ein Anleger bestehende Fondsanteile von anderen Investoren. Das Kapital ist dann schon investiert, und die J-Kurve fällt kürzer aus. Bei Co-Investments beteiligt er sich neben einem Fonds direkt an einem einzelnen Unternehmen. Das Risiko konzentriert sich dabei auf eine Firma.
Wie verdient Private Equity Geld?
Private Equity verdient Geld, wenn ein Unternehmen beim Verkauf mehr wert ist als beim Kauf. Der Mehrwert entsteht auf drei Wegen. Umsatz und Gewinn steigen während der Haltedauer. Der Käufer zahlt beim Verkauf ein höheres Bewertungsmultiple. Und Fremdkapital, mit dem ein Teil des Kaufpreises finanziert wurde, wird aus dem Cashflow des Unternehmens zurückgezahlt.
Wie gut ein Fonds diese Hebel nutzt, hängt stark vom Manager ab. Nach dem J.P. Morgan Guide to Alternatives (3. Quartal 2026) lag die Rendite von Private-Equity-Fonds über zehn Jahre (IRR) am 25. Perzentil bei 1,1 Prozent und am 75. Perzentil bei 20,4 Prozent, ein Abstand von 19,3 Prozentpunkten. Bei global anlegenden Aktienfonds grosser Unternehmen betrug derselbe Abstand 3,6 Prozentpunkte. Die beiden Werte sind unterschiedlich gemessen, bei Aktienfonds als jährliche Rendite, bei Private Equity als IRR.

Wie unterscheidet sich Private Equity von Aktien?
Private Equity ist wie eine Aktie eine Beteiligung am Eigenkapital eines Unternehmens. Die Unternehmen sind aber nicht an der Börse kotiert, die Anteile haben keinen täglichen Marktpreis und lassen sich während der Fondslaufzeit kaum verkaufen. Die Private-Equity-Gesellschaft nimmt zudem direkt Einfluss auf die Geschäftsführung, was die Aktionäre eines Konzerns in der Regel nicht können.
Ob eine Investition in Private Equity am Ende besser abschneidet als eine Anlage in kotierte Aktien, hängt von Fondsauswahl, Einstiegszeitpunkt und Haltedauer ab und lässt sich nicht vorhersagen.
Chancen und Risiken von Private Equity
Private Equity ist unter den Geldanlagen kein Basisinvestment und setzt einen langen Anlagehorizont voraus. Das finanzielle Risiko ist hoch und kann in Ausnahmefällen bis zum Totalverlust des angelegten Kapitals führen. Diese Risiken sind vor einer Investitionsentscheidung zu berücksichtigen:
- Liquiditätsrisiko: Das Kapital ist über die gesamte Laufzeit gebunden und nicht frei verfügbar.
- Bewertungsrisiko: Nicht börsennotierte Beteiligungen haben keinen täglichen Marktpreis.
- Kostenbelastung: Management Fee und Gewinnbeteiligung des Managers mindern die Nettorendite.
- Managerrisiko: Die Ergebnisse der Fonds liegen weit auseinander.
- Totalverlustrisiko: Zielunternehmen können insolvent werden. Bei einem Fonds mit wenigen Beteiligungen kann das einen grossen Teil des Kapitals kosten.
- Transparenzrisiko: Es besteht oft nur eingeschränkte Einsicht in die getätigten Transaktionen.
- Abhängigkeit: Anleger haben während der Laufzeit keinen Einfluss auf die Entscheidungen des Fonds.
- Währungsrisiko: Viele Fonds lauten auf US-Dollar oder Euro.
Die Chancen von Private Equity liegen im Zugang zu Unternehmen, die an der Börse nicht verfügbar sind, sowie in der aktiven Wertsteigerung durch die Beteiligungsgesellschaft. Wie stark Private Equity ein Portfolio diversifiziert, lässt sich wegen der geglätteten Bewertungen nur eingeschränkt an historischen Zahlen ablesen.
Wie wird Private Equity bewertet?
Private-Equity-Beteiligungen werden nicht an der Börse gehandelt, darum schätzt der Fondsmanager ihren Wert. Massstab ist der Fair Value nach den Richtlinien des International Private Equity and Venture Capital Valuation Board (IPEV), also der Preis, der bei einem geordneten Verkauf am Stichtag erzielt würde. Daraus ergibt sich der Nettoinventarwert (NAV) des Fonds, meist monatlich oder quartalsweise.
In der Praxis stützt sich diese Bewertung auf Vergleichswerte kotierter Unternehmen, auf Transaktionen und auf Cashflow-Modelle. Sie folgt dem Markt mit Verzögerung. Fallen die Börsen, sinkt der ausgewiesene NAV später und gedämpft. Die gemeldeten Renditen schwanken darum weniger als der wirtschaftliche Wert der Beteiligungen. Die tiefe Volatilität in Private-Equity-Statistiken ist zum Teil eine Folge dieser Glättung und kein Mass für ein geringeres Risiko.
Steigende Zinsen senken den Wert der Beteiligungen, weil Gewinne, die erst in einigen Jahren anfallen, heute weniger wert sind. Auch diese Wirkung kommt verzögert im NAV an. In semi-liquiden Fonds verteilt diese Verzögerung Werte zwischen den Anlegern um. Liegt der NAV nach einem Kursrückgang noch über dem wirtschaftlichen Wert, erhält ein Anleger, der zurückgibt, mehr, als seine Anteile gerade wert sind, und die verbleibenden Anleger tragen den Unterschied. Nach einem Kursanstieg ist es umgekehrt.

Wer kann in der Schweiz in Private Equity investieren?
In der Schweiz entscheidet vor allem der Anlegerstatus über den Zugang. Die meisten Private-Equity-Fonds stehen nur qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern offen, dazu zählen professionelle Kunden und Privatkunden mit einem dauerhaften Vermögensverwaltungs- oder Anlageberatungsverhältnis bei einem beaufsichtigten Finanzintermediär. Bei institutionellen Fonds, die sich vor allem an institutionelle Anleger und Family Offices richten, liegt die Mindestzeichnung zudem häufig bei 250’000 Franken oder mehr.
ETFs auf kotierte Private-Equity-Gesellschaften stehen allen Anlegern offen und sind täglich handelbar. Sie bilden die Anlageklasse aber nur indirekt ab, weil sie die Aktien der Gesellschaften enthalten und nicht deren Beteiligungen. Dachfonds, die in mehrere Private-Equity-Fonds investieren, fügen eine zweite Ebene von Gebühren hinzu.
Wer gilt in der Schweiz als qualifizierte Anlegerin oder qualifizierter Anleger?
Qualifiziert sind zum einen professionelle Kundinnen und Kunden. Zum anderen gelten nach Art. 10 Abs. 3ter KAG auch Privatkundinnen und Privatkunden als qualifiziert, für die ein beaufsichtigter Finanzintermediär im Rahmen eines auf Dauer angelegten Vermögensverwaltungs- oder Anlageberatungsverhältnisses tätig ist, sofern sie nicht erklärt haben, nicht als solche gelten zu wollen. Diese Erklärung, nicht als qualifiziert zu gelten, muss schriftlich oder in anderer durch Text nachweisbarer Form vorliegen.
Ohne ein solches Verhältnis führt der Weg über das Opting-out nach Art. 5 Abs. 2 FIDLEG. Dafür verlangt das Gesetz entweder die Kenntnisse, um die Risiken der Anlagen zu verstehen, zusammen mit einem Vermögen von mindestens 500’000 Franken, oder ein Vermögen von mindestens 2 Millionen Franken. Für die Opting-out-Erklärung gilt dieselbe Form.
Welche Fondsregeln gelten in der Schweiz?
Wer in der Schweiz welche Private-Equity-Fonds kaufen darf, regelt vor allem das KAG. Es verlangt eine Genehmigung der FINMA, wenn ein ausländischer Fonds nicht qualifizierten Anlegern angeboten wird. Zudem kennt es mit dem L-QIF eine Fondsform nur für qualifizierte Anleger. Für Pensionskassen setzt die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2) eigene Grenzen.
- Limited Qualified Investor Fund (L-QIF): Seit dem 1. März 2024 gibt es diese Schweizer Fondsform. Ein L-QIF steht nach Art. 118a KAG ausschliesslich qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern offen und braucht weder eine Bewilligung noch eine Genehmigung der FINMA. Verwaltet wird er von einer Fondsleitung oder einem Verwalter von Kollektivvermögen, die ihrerseits beaufsichtigt sind.
- Ausländische Fonds: Wird ein ausländischer Fonds, auch ein europäischer ELTIF, in der Schweiz Anlegerinnen und Anlegern ohne qualifizierten Status angeboten, braucht er eine Genehmigung der FINMA (Art. 120 KAG). Für ein Angebot nur an qualifizierte Anleger entfällt diese Genehmigung.
- Pensionskassen: Nach Art. 53 Abs. 1 BVV 2 zählt Private Equity zu den alternativen Anlagen, die nach Art. 55 BVV 2 auf 15 Prozent des Gesamtvermögens begrenzt sind. Seit dem 1. Januar 2022 gibt es zusätzlich eine eigene Kategorie für Private Equity und Private Debt nicht kotierter Schweizer Unternehmen mit einer Grenze von 5 Prozent.
Zugangswege für Schweizer Privatanleger
Der Zugang führt über verschiedene Fondstypen oder über den Anlegerstatus:
- Semi-liquide Fonds: Evergreen-Fonds nehmen laufend neues Geld an und erlauben Rückgaben in festen Abständen, mit tieferen Mindestbeträgen als klassische Fonds. Die Rückgaben sind begrenzt, mehr dazu im nächsten Abschnitt.
- Klassische geschlossene Fonds: Die Kapitalzusage gilt für die gesamte Laufzeit und wird in Tranchen abgerufen, oft ab 250’000 Franken.
- Secondaries und Co-Investments: meist über spezialisierte Fonds oder als Ergänzung zu bestehenden Fondsbeteiligungen.
- Über ein Vermögensverwaltungsmandat: Privatkundinnen und Privatkunden in einem auf Dauer angelegten Vermögensverwaltungsverhältnis mit einem beaufsichtigten Finanzintermediär gelten nach Art. 10 Abs. 3ter KAG als qualifizierte Anlegerinnen und Anleger, sofern sie nicht erklärt haben, nicht als solche gelten zu wollen. Everon führt ein eigenes Portfoliomanagement-Team und bietet Private Markets als eigene Dienstleistung an.
Was passiert, wenn viele Anleger gleichzeitig aus einem Evergreen-Fonds aussteigen wollen?
Evergreen-Fonds begrenzen die Rückgaben pro Periode auf einen festen Anteil des Nettoinventarwerts. Übersteigen die Anträge diese Grenze, werden sie anteilig gekürzt und je nach Fonds auf spätere Termine verschoben. Diesen Mechanismus nennt man Gating. Er schützt die verbleibenden Anleger davor, dass Beteiligungen unter Zeitdruck verkauft werden müssen.
Ein Beispiel ist die Global Value SICAV, ein Evergreen-Fonds von Partners Group nach Luxemburger Recht. Im zweiten Quartal 2026 erreichten die Rücknahmeanträge rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts. Laut Prospekt sind die Nettorücknahmen pro Kalenderquartal auf 5 Prozent des Nettoinventarwerts begrenzt, und Partners Group teilte am 4. Juni 2026 mit, diese Grenze anzuwenden. Anträge über diese Grenze hinaus wurden damit nicht im selben Quartal ausgeführt.
Am 2. Oktober 2026 kündigte Partners Group an, den Fonds in zwei Teilportfolios aufzuteilen: eines, das Erträge wieder anlegt, und eines, das Erlöse aus Verkäufen ausschüttet. Das Vorhaben steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre (Partners Group, Medienmitteilung vom 2. Oktober 2026).
Rückgabegrenze, Liquiditätsreserve, Kreditlinie und den Umgang mit gekürzten Anträgen legt jeder Evergreen-Fonds in seinem Prospekt fest.
Wie unterscheiden sich Private-Equity-Fonds?
Private-Equity-Fonds unterscheiden sich vor allem nach Unternehmensphase, Branche, Region und Grösse der Zielunternehmen. Venture-Capital-Fonds finanzieren junge Firmen mit hohem Ausfallrisiko, Wachstumsfonds die Expansion etablierter Unternehmen und Buy-out-Fonds die Übernahme ganzer Firmen. Diese Schwerpunkte legt jeder Fonds vor der Zeichnung in seinen Unterlagen fest.

Checkliste vor der ersten Private-Equity-Investition
Die Unterlagen eines Private-Equity-Fonds beantworten die meisten Fragen, die vor einer Zeichnung offen sind. Diese Punkte stehen dort oder lassen sich beim Anbieter erfragen:
- Laufzeit des Fonds und frühester Zeitpunkt, zu dem Kapital zurückfliessen kann
- Höhe und zeitlicher Ablauf der Kapitalabrufe
- Erfahrung des Managers und Ergebnisse seiner früheren Fonds
- Strategie, Branchen und Regionen, in die der Fonds investiert
- sämtliche Gebühren, einschliesslich der Gewinnbeteiligung des Managers
- bei Evergreen-Fonds die Rückgabegrenze, die Liquiditätsreserve und der Umgang mit gekürzten Anträgen
- Fondswährung und Sitz des Fonds
Fazit zu Private Equity
Private Equity bedeutet ausserbörsliches Beteiligungskapital für Investitionen in Unternehmen. Ein Fonds sammelt Kapitalzusagen ein, ruft sie über Jahre ab und zahlt erst nach Verkäufen zurück. In der Schweiz entscheidet vor allem der Status als qualifizierte Anlegerin oder qualifizierter Anleger über den Zugang. Privatkunden erreichen ihn auch über ein dauerhaftes Vermögensverwaltungsverhältnis mit einem beaufsichtigten Finanzintermediär.
2025 lagen die Ausschüttungen von Buy-out-Fonds das vierte Jahr in Folge unter 15 Prozent des Nettoinventarwerts. 2026 hat ein Evergreen-Fonds von Partners Group die Rückgaben auf 5 Prozent pro Quartal begrenzt, als Anträge über rund 9,8 Prozent vorlagen.
Lesen Sie weiter in unserem Journal:
Häufige Fragen zu Private Equity
Was ist Private Equity einfach erklärt?
Private Equity ist privates Beteiligungskapital, das in Unternehmen investiert wird, die nicht an der Börse notiert sind. Anleger bündeln ihr Kapital meist in einem Fonds. Dieser erwirbt Anteile an Zielunternehmen, steigert ihren Wert über mehrere Jahre und verkauft die Beteiligung danach wieder. Private Equity ist neben Private Debt, Private Real Estate und Infrastructure eine der vier Säulen der Privatmärkte.
Wer kann in der Schweiz in Private Equity investieren?
Die meisten Private-Equity-Fonds stehen nur qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern offen. Dazu gehören nach Art. 10 Abs. 3ter KAG auch Privatkundinnen und Privatkunden, für die ein beaufsichtigter Finanzintermediär im Rahmen eines auf Dauer angelegten Vermögensverwaltungs- oder Anlageberatungsverhältnisses tätig ist, sofern sie nicht erklärt haben, nicht als solche gelten zu wollen. Ohne ein solches Verhältnis führt der Weg über das Opting-out nach Art. 5 Abs. 2 FIDLEG.
Wie hoch ist die Mindestanlage bei Private Equity?
Bei klassischen institutionellen Private-Equity-Fonds liegt die Mindestzeichnung in der Schweiz häufig bei 250’000 Franken oder mehr. Semi-liquide Evergreen-Fonds und Dachfonds haben tiefere Mindestbeträge, die je nach Anbieter verschieden hoch sind. Börsengehandelte ETFs auf kotierte Private-Equity-Gesellschaften bilden die Anlageklasse nur indirekt ab und kennen keine Mindestzeichnung.
Welche Risiken hat Private Equity?
Die wichtigsten Risiken sind fehlende Liquidität über viele Jahre, eingeschränkte Transparenz, hohe Gebühren, Bewertungen, die dem Markt hinterherlaufen, und grosse Unterschiede zwischen den Fondsmanagern. Im Extremfall ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Das gebundene Kapital steht während der gesamten Laufzeit nicht zur Verfügung.
Wie lange ist Kapital bei Private Equity gebunden?
Klassische Private-Equity-Fonds laufen typischerweise rund zehn Jahre, und in dieser Zeit lassen sich die Anteile nicht an der Börse verkaufen. Evergreen-Fonds erlauben Rückgaben in festen Abständen, begrenzen sie aber meist auf einen Anteil des Fondsvermögens pro Quartal. Übersteigen die Anträge diese Grenze, werden sie gekürzt und je nach Fonds auf spätere Termine verschoben.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.