ESG und nachhaltige Investments: Ratings und Rechtslage
Grosse Gesellschaften des öffentlichen Interesses berichten seit dem Geschäftsjahr 2023 über nichtfinanzielle Belange, und seit 2025 müssen Klimaaussagen nach dem UWG belegbar sein.
Anleger, die wissen wollen, ob ihre Anlagen mit ihren Werten übereinstimmen, stossen schnell auf drei Buchstaben: ESG. Was steckt dahinter, und sind Unternehmen mit guten ESG-Ratings erfolgreicher?
ESG steht für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Nach diesen drei Kriterien beurteilen Rating-Agenturen, Indexanbieter und Vermögensverwalter, wie ein Unternehmen mit Emissionen und Ressourcen, mit Mitarbeitenden und Lieferanten sowie mit Kontrolle und Vergütung an der Spitze umgeht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- ESG steht für Environment, Social, Governance: die drei Säulen nachhaltiger Unternehmensführung
- Gesellschaften des öffentlichen Interesses, etwa börsenkotierte Unternehmen, berichten seit dem Geschäftsjahr 2023 über nichtfinanzielle Belange, wenn sie mindestens 500 Vollzeitstellen haben und entweder eine Bilanzsumme von CHF 20 Mio. oder einen Umsatz von CHF 40 Mio. überschreiten
- Meta-Studie über mehr als 2’000 Einzelstudien (Friede, Busch und Bassen, 2015): in rund 90 Prozent der Fälle kein negativer Zusammenhang zwischen ESG-Kriterien und Unternehmenserfolg; die grosse Mehrheit der Studien berichtet positive Befunde
- Anti-Greenwashing-Regeln gelten seit 2025: Klimaaussagen müssen sich belegen lassen
- Drei verbreitete Ansätze: Ausschlusskriterien, Best-in-Class und Impact Investing
Was bedeutet ESG?
- Environmental umfasst Klimaschutz, Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Unternehmen werden nach ihrem CO2-Fussabdruck und Umweltmanagement bewertet.
- Social betrifft Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und gesellschaftliches Engagement. Dazu gehören etwa faire Löhne und Diversität.
- Governance bewertet die Unternehmensführung. Transparenz, Ethik und Compliance stehen im Fokus.
ESG-Rating-Agenturen wie MSCI bewerten Unternehmen von AAA (beste Bewertung) bis CCC (schlechteste Bewertung). Dafür werten sie eine grosse Zahl von Kennzahlen aus, von Emissionsdaten bis zu Angaben über die Unternehmensführung. Indexanbieter nutzen solche Ratings, um Titel für ESG-Indizes auszuwählen oder zu gewichten.
Bei der ESG-Integration gehen Nachhaltigkeitskriterien zusätzlich zu den Finanzkennzahlen in die Analyse eines Unternehmens ein.
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Was gilt in der Schweiz?
Mit der Revision des Obligationenrechts (Art. 964a ff. OR) trat 2022 eine Pflicht zum Bericht über nichtfinanzielle Belange in Kraft. Sie gilt für Gesellschaften des öffentlichen Interesses, etwa börsenkotierte Unternehmen, die zusammen mit den von ihnen kontrollierten Unternehmen in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren mindestens 500 Vollzeitstellen haben und entweder eine Bilanzsumme von CHF 20 Mio. oder einen Umsatz von CHF 40 Mio. überschreiten. Der erste Bericht betraf das Geschäftsjahr 2023.
Diese Unternehmen legen ihre nichtfinanziellen Angaben damit jährlich offen.
- Geplantes Gesetz: Im April 2026 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zu einem Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung eröffnet, als Gegenvorschlag zur Volksinitiative für verantwortungsvolle Grossunternehmen. Der Entwurf sieht Sorgfaltspflichten für rund 30 Grossunternehmen vor und orientiert sich an den vereinfachten EU-Regeln (Omnibus-Richtlinie): Die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung träfe nur noch rund 100 statt heute rund 200 Unternehmen, und diese Berichte würden extern geprüft. Eine Botschaft ans Parlament lag Ende September 2026 noch nicht vor.
- Anti-Greenwashing: Seit dem 1. Januar 2025 handelt nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) unlauter, wer Angaben zur Klimabelastung seines Unternehmens oder seiner Leistungen macht, die er nicht objektiv und überprüfbar belegen kann.
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Nachhaltigkeit im Kundengespräch
Im Kundengespräch kann neben Risikofähigkeit, Risikobereitschaft und Anlagehorizont auch die Frage nach Nachhaltigkeitspräferenzen stehen.
Welche Nachhaltigkeitsthemen sind dem Kunden wichtig? Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit oder Unternehmensethik? Je nach Antwort steht ein anderer Ansatz im Vordergrund. Drei sind verbreitet:
- Ausschlusskriterien: Bestimmte Branchen oder Unternehmen werden gemieden
- Best-in-Class: Die nachhaltigsten Unternehmen jeder Branche werden bevorzugt
- Impact Investing: Gezielte Investments in Lösungen für gesellschaftliche Probleme

ESG-Produktlandschaft: Von ETFs bis Säule 3a
ESG-ETFs bilden meist einen Nachhaltigkeitsindex ab, den ein Indexanbieter aus einem herkömmlichen Index ableitet. Wie streng die Auswahl ausfällt, hängt von der Methodik des Index ab.
- Unterschiede verstehen: Manche ETFs schliessen problematische Branchen aus, andere gewichten ESG-Leaders stärker. Die Tracking-Differenz zur Benchmark variiert je nach ESG-Ansatz.
- Säule 3a nachhaltig gestalten: Mehrere Banken und Vorsorgestiftungen bieten 3a-Lösungen an, die ESG-Kriterien berücksichtigen.
- Fondskosten transparent machen: Manche ESG-Fonds verlangen höhere Gebühren als vergleichbare herkömmliche Fonds. Der Kostenvergleich gehört deshalb zu jeder Produktwahl.
- Alternative Investments: Private Markets, Green Bonds und Impact-Fonds erweitern das ESG-Spektrum für vermögende Kunden, oft mit hohen Mindestanlagen.
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Performance und Risiken
Die Meta-Analyse von Friede, Busch und Bassen (2015) wertet über 2’000 Einzelstudien aus: rund 90 Prozent davon finden keinen negativen Zusammenhang zwischen ESG-Kriterien und Unternehmenserfolg, und die grosse Mehrheit berichtet positive Befunde.
Dennoch existieren Risiken:
- ESG-Ratings verschiedener Agenturen unterscheiden sich teilweise erheblich. Ein Rating ist deshalb nur zusammen mit der Agentur und ihrer Methodik aussagekräftig.
- Liquiditätsrisiken bestehen bei Nischenprodukten. Impact-Investments in Schwellenländern oder neue Technologien können weniger liquide sein.
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Fazit
Nachhaltigkeit ist in der Schweiz inzwischen auch eine Rechtsfrage. Gesellschaften des öffentlichen Interesses ab einer bestimmten Grösse berichten über nichtfinanzielle Belange, und seit 2025 müssen Klimaaussagen belegbar sein. Wer Kunden bei ESG-Anlagen begleitet, braucht Grundwissen zu Ratings, Produktansätzen und Kosten.
ESG-Ratings verschiedener Agenturen weichen oft voneinander ab, und manche Produkte kosten mehr als herkömmliche. Beides gehört offen ins Kundengespräch.
Häufige Fragen zu ESG-Anlagen
Was unterscheidet Ausschluss, Best-in-Class und Impact Investing?
Beim Ausschluss fallen bestimmte Branchen oder Unternehmen ganz aus dem Anlageuniversum. Best-in-Class lässt alle Branchen zu und wählt in jeder die Unternehmen mit den besten ESG-Bewertungen. Impact Investing geht weiter: Es investiert gezielt in Unternehmen oder Projekte, deren Tätigkeit eine messbare ökologische oder soziale Wirkung haben soll.
Welche Unternehmen müssen in der Schweiz über Nachhaltigkeit berichten?
Berichtspflichtig sind Gesellschaften des öffentlichen Interesses ab einer bestimmten Grösse, etwa börsenkotierte Unternehmen. Massgebend sind zwei Geschäftsjahre in Folge mit mindestens 500 Vollzeitstellen und einer Bilanzsumme über CHF 20 Mio. oder einem Umsatz über CHF 40 Mio., kontrollierte Unternehmen eingerechnet (Art. 964a OR). Der Bericht erscheint jährlich und behandelt Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung, erstmals für das Geschäftsjahr 2023.
Was gilt in der Schweiz für Klimaaussagen von Unternehmen?
Seit dem 1. Januar 2025 gelten nach dem UWG Angaben zur Klimabelastung eines Unternehmens oder seiner Waren und Leistungen als unlauter, wenn sie sich nicht auf objektive und überprüfbare Grundlagen stützen (Art. 3 Abs. 1 lit. x UWG). Das betrifft Aussagen wie «klimaneutral» ebenso wie Angaben zu Emissionen.
Schneiden Unternehmen mit guten ESG-Ratings besser ab?
Die meisten Studien sehen keinen Nachteil. Von den über 2’000 Einzelstudien, die Friede, Busch und Bassen (2015) ausgewertet haben, finden rund 90 Prozent keinen negativen Zusammenhang zwischen ESG-Kriterien und Unternehmenserfolg, die grosse Mehrheit berichtet positive Befunde. Gemessen wird dabei der Erfolg der Unternehmen. Über die Rendite eines einzelnen Fonds sagt das nichts aus.
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