Single oder Multi Family Office: Unterschiede und Governance
Single oder Multi Family Office: worin sie sich bei Familienzahl, Kosten und FINMA-Aufsicht unterscheiden und was Family Governance in einer Familie regelt.
Ein Family Office koordiniert das Vermögen einer oder mehrerer Familien an einer Stelle: Anlagen, Steuer- und Rechtsfragen, Nachfolge, Reporting und Administration. Ein Single Family Office (SFO) dient genau einer Familie, ein Multi Family Office (MFO) mehreren unabhängigen Familien. In der Schweiz ist der Begriff gesetzlich nicht definiert. Für die Aufsicht zählt, wessen Vermögen verwaltet wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Verbreitung: Die Universität St.Gallen schätzt die Zahl der Single Family Offices in der Schweiz auf rund 300 und das von ihnen verwaltete Vermögen auf rund CHF 785 Milliarden (Stand 2025). Grundlage ist eine Befragung von 82 Offices (Studie in Zusammenarbeit mit der Swiss Single Family Office Association (SFOA) und der UBS, Juni 2026).
- Grösse: Die 307 Family Offices im UBS Global Family Office Report 2026 verwalten im Durchschnitt 1,3 Milliarden US-Dollar (weltweite Befragung von Januar bis März 2026).
- Aufsicht: Nach dem Finanzinstitutsgesetz (FINIG, SR 954.1, in Kraft seit 1. Januar 2020) braucht ein Vermögensverwalter in der Schweiz eine FINMA-Bewilligung. Ein SFO, das nur Vermögen der eigenen Familie verwaltet, ist in der Regel nicht bewilligungspflichtig, ein MFO, das Vermögen unabhängiger Familien verwaltet, in der Regel schon.
- Nachfolge: 35 Prozent der im UBS-Report befragten Family Offices haben einen definierten Nachfolgeplan für das Family Office selbst, 27 Prozent einen strukturierten Prozess, der die nächste Generation vorbereitet (UBS, Mai 2026).
- Führung: In 65 Prozent der 82 befragten Schweizer SFOs sind Familienmitglieder aktiv in Führung oder Steuerung eingebunden, rund 35 Prozent werden vollständig von einem externen Managementteam geführt (Studie der Universität St.Gallen, wiedergegeben von finews.ch, Juni 2026).
Was ist ein Family Office und welche Leistungen gehören dazu?
Ein Family Office betreut das Vermögen einer Familie als Ganzes statt Depot für Depot. Es legt gemeinsam mit der Familie die Anlagestrategie fest, konsolidiert Konten und Beteiligungen, koordiniert Steuer- und Rechtsfragen und begleitet die Nachfolge. Es handelt im Auftrag der Familie.
Welche Aufgaben ein Office übernimmt, richtet sich nach der Familie. Typische Aufgabenfelder sind:
- Anlagestrategie und deren Umsetzung, etwa über Vermögensverwaltungsmandate
- Konsolidierung und Reporting über alle Vermögensteile
- Koordination von Steuer- und Rechtsfragen mit externen Fachleuten
- Nachfolge- und Nachlassplanung, wobei das Office auf Wunsch zwischen den Beteiligten vermittelt
- Begleitung bei Familienstiftungen und anderen Strukturen
- Festlegung und Überwachung der Risikoparameter
- Buchhaltung und Administration
- Immobilien und Unternehmensbeteiligungen
- Persönliche Anliegen wie Vorsorgeaufträge oder gemeinnütziges Engagement
Einzelne Teilaufgaben lassen sich auch extern vergeben.

Worin unterscheiden sich Single und Multi Family Office?
Der zentrale Unterschied ist die Zahl der Familien. Ein Single Family Office arbeitet für genau eine Familie und wird von ihr getragen. Ein Multi Family Office betreut mehrere voneinander unabhängige Familien und verteilt Personal, Infrastruktur und Fachwissen auf diese Mandate. Daraus ergeben sich Unterschiede bei Kostenstruktur, Aufsicht und Führung.
| Merkmal | Single Family Office | Multi Family Office |
|---|---|---|
| Betreute Familien | eine | mehrere, voneinander unabhängige |
| Organisationsform | eigene Gesellschaft der Familie oder eingebettet in ein Familienunternehmen | Dienstleister für mehrere Familien |
| Personal und Infrastruktur | trägt die Familie allein | verteilt sich auf mehrere Mandate |
| Bewilligung nach FINIG | in der Regel nicht nötig, solange nur Vermögen der eigenen Familie verwaltet wird | in der Regel nötig, wenn es Vermögen unabhängiger Familien verwaltet |
| Führung und Entscheide | die Familie legt Strategie und Rahmen fest, das eigene Team setzt um, oft mit Familienmitgliedern in der Leitung | die Familie legt Strategie und Rahmen fest, das Office koordiniert und setzt um |
Single Family Office
Ein Single Family Office ist entweder in ein Familienunternehmen eingebettet (embedded SFO) oder eine eigenständige Gesellschaft der Familie. Es beschäftigt eigene Fachleute für Vermögen, Recht, Steuern und Administration. Die Familie behält die volle Kontrolle und trägt dafür die gesamten Fixkosten.
Multi Family Office
Ein Multi Family Office bietet Fachwissen in Anlage, Steuern und Recht, das sich mehrere Familien teilen, und verteilt die Strukturkosten auf mehrere Mandate. Manche Multi Family Offices sind aus einem Single Family Office hervorgegangen, das seine Organisation für externe Familien geöffnet hat, andere wurden von Vermögensverwaltern gegründet. Das Vermögen liegt in der Regel bei einer Depotbank, das Office verwaltet und koordiniert.
Ab welchem Vermögen trägt sich ein Single Family Office?
Eine gesetzliche oder branchenweit gültige Schwelle gibt es nicht. Ein Single Family Office trägt Personal, Räume, Systeme und Compliance allein, deshalb rechnet es sich erst bei sehr grossen Vermögen. Ein Rechenbeispiel, keine Marktangabe: Angenommen, die Struktur kostet eine Million Franken im Jahr. Das sind bei 100 Millionen Vermögen 1 Prozent, bei 20 Millionen 5 Prozent.
Zur Einordnung: Die im UBS-Report befragten Family Offices verwalten im Durchschnitt 1,3 Milliarden US-Dollar. Die Stichprobe ist weltweit und keine Marktstatistik, die Erhebungen unterscheiden sich in Auswahl und Definition. Das Spektrum ist breit. Ein Multi Family Office teilt die Strukturkosten auf mehrere Familien, auch hier gibt es keine feste Eintrittsschwelle. Jeder Anbieter legt sein Mindestvolumen selbst fest. Wie tragfähig eine Struktur ist, hängt ausserdem von der Komplexität ab: mehrere Länder, Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und mehrere Generationen.
Was bedeutet die FINMA-Aufsicht für ein Family Office?
Das Family Office ist in der Schweiz keine eigene regulierte Kategorie. Massgeblich ist das Finanzinstitutsgesetz: Wer gewerbsmässig Vermögen Dritter verwaltet, braucht als Vermögensverwalter eine Bewilligung der FINMA. Ein Single Family Office, das nur Vermögen der eigenen Familie verwaltet, ist davon in der Regel ausgenommen, ein Multi Family Office für unabhängige Familien in der Regel nicht.
Das FINIG ist seit dem 1. Januar 2020 in Kraft. Eine Aufsichtsorganisation beaufsichtigt den Verwalter laufend. Sie selbst wird von der FINMA bewilligt und überwacht. Ein Vermögensverwalter untersteht zudem dem Geldwäschereigesetz und muss die entsprechenden Sorgfaltspflichten erfüllen.
Die Ausnahme für das Single Family Office ist eng gefasst. Verwaltet ein Office auch für Personen ausserhalb der Familie, kann die Bewilligungspflicht greifen. Die konkrete Einordnung sollte rechtlich geklärt werden.

Was ist Family Governance und welchen Nutzen hat sie?
Family Governance ist das Regelwerk, mit dem eine Familie festlegt, wer über das gemeinsame Vermögen wie entscheidet. Dazu gehören Gremien wie ein Familienrat, Entscheidungs- und Ausschüttungsregeln und Grundsätze zur Nachfolge. Eine Familienverfassung hält diese Regeln schriftlich fest. Sie ist eine interne Vereinbarung, kein öffentliches Rechtsdokument.
Der Nutzen liegt in klaren Zuständigkeiten, bevor ein Streit entsteht. Ab welchem Betrag muss der Familienrat eine Anlage freigeben, wie werden Ausschüttungen berechnet, unter welchen Bedingungen tritt ein Nachfolger in die Leitung ein: Solche Fragen sind einfacher zu beantworten, solange die Familie noch geschlossen auftritt. Zur Einordnung: Laut der weltweiten UBS-Befragung haben 35 Prozent der befragten Family Offices einen definierten Nachfolgeplan für das Office selbst.
Family Governance hängt nicht von der Form des Family Office ab. Beim Single Family Office gestaltet die Familie sie in der Regel selbst und besetzt die Leitung teilweise mit eigenen Mitgliedern. Beim Multi Family Office bleiben die Grundsatzentscheide bei der Familie, das Office begleitet Aufbau und Umsetzung und stimmt sich mit Familienrat sowie Steuer- und Rechtsfachleuten ab. Mehr dazu im Beitrag Family Governance als Vermögensschutz und in Next Generation Wealth.
Wie arbeitet Everon als Multi Family Office?
Everon ist ein bankunabhängiges Multi Family Office und als Vermögensverwalter von der FINMA bewilligt. Ein eigenes Portfolio-Management-Team verwaltet die Mandate, eine Depotbank verwahrt die Vermögen. Verwaltung und Verwahrung liegen damit in verschiedenen Händen. Bei Nachfolge und Governance begleitet Everon die Familie und stimmt sich mit ihren Steuer- und Rechtsfachleuten ab, die Grundsatzentscheide bleiben bei der Familie. Einen Überblick gibt die Seite zur Vermögensverwaltung, das Themenfeld bündelt der Wissens-Hub zu Multi Family Office und Nachfolge.
Diese Fragen lassen sich jedem Anbieter stellen, Everon eingeschlossen, und klären Aufsicht, Verwahrung, Vergütung, Interessenkonflikte und Zuständigkeiten eines Mandats:
- Ist der Anbieter von der FINMA bewilligt und einer Aufsichtsorganisation angeschlossen?
- Liegt das Vermögen bei einer Depotbank, getrennt vom Verwalter?
- Wie wird honoriert, und werden Entschädigungen Dritter offengelegt?
- Wie geht der Anbieter mit Interessenkonflikten um?
- Was entscheidet die Familie, was der Verwalter, was externe Fachleute?
Häufige Fragen zum Family Office
Was ist ein Family Office?
Ein Family Office koordiniert das Vermögen einer oder mehrerer Familien an einer Stelle: Anlagestrategie, Reporting, Steuer- und Rechtsfragen, Nachfolge und Administration. Es handelt im Auftrag der Familie. In der Schweiz ist der Begriff gesetzlich nicht definiert, für die Aufsicht zählt, wessen Vermögen verwaltet wird.
Worin unterscheiden sich Single und Multi Family Office?
Ein Single Family Office (SFO) arbeitet für genau eine Familie und wird von ihr getragen. Ein Multi Family Office (MFO) betreut mehrere voneinander unabhängige Familien und verteilt Personal, Infrastruktur und Fachwissen auf diese Mandate. Daraus ergeben sich Unterschiede bei der Kostenstruktur, bei der Aufsicht nach FINIG und bei der Frage, wer das Office führt.
Braucht ein Family Office in der Schweiz eine FINMA-Bewilligung?
Das hängt davon ab, wessen Vermögen verwaltet wird. Ein reines Single Family Office, das nur Vermögen der eigenen Familie verwaltet, ist in der Regel von der Bewilligungspflicht nach dem Finanzinstitutsgesetz (FINIG) ausgenommen. Ein Multi Family Office, das Vermögen unabhängiger Familien verwaltet, gilt in der Regel als Vermögensverwalter und braucht eine Bewilligung der FINMA.
Was ist Family Governance und was regelt eine Familienverfassung?
Family Governance ist das Regelwerk, mit dem eine Familie festlegt, wer über das gemeinsame Vermögen wie entscheidet. Dazu gehören Gremien wie ein Familienrat, Entscheidungs- und Ausschüttungsregeln und Grundsätze zur Nachfolge. Eine Familienverfassung hält diese Regeln schriftlich fest. Sie ist eine interne Vereinbarung und kein öffentliches Rechtsdokument.
Ab welchem Vermögen trägt sich ein eigenes Single Family Office?
Eine gesetzliche oder branchenweit gültige Schwelle gibt es nicht. Ein Single Family Office trägt Personal, Systeme und Compliance allein, weshalb es sich erst bei sehr grossen Vermögen im Verhältnis zu den Fixkosten rechnet. Ein Rechenbeispiel: Bei angenommenen Kosten von einer Million Franken im Jahr sind das bei 100 Millionen Vermögen 1 Prozent, bei 20 Millionen 5 Prozent.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.