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Langfristig investieren: welche Anlageformen infrage kommen

Blog
von Jonas Bächinger
Bergmassiv, das sich in einem ruhigen See spiegelt

Aktien, ETFs, Immobilien und Obligationen im Vergleich: wie sich Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit zueinander verhalten und welche Fragen vor einer langfristigen Anlage zu klären sind.

Viele Menschen wollen Vermögen aufbauen und für das eigene Alter vorsorgen, ohne sich im Detail mit Geldanlage zu befassen. Häufig kommt die Sorge dazu, angelegtes Geld zu verlieren.

Dieser Artikel ordnet die gängigen Anlageformen für einen langen Horizont ein, benennt ihre Merkmale und die Fragen, die vor einer Anlageentscheidung zu klären sind. Er ersetzt keine auf Ihre Situation zugeschnittene Prüfung.

Was ist eine langfristige Investition?

Eine langfristige Investition ist eine Kapitalanlage mit einem Horizont von mehreren Jahren, üblicherweise ab fünf Jahren. Der lange Zeitraum gibt Kursschwankungen Gelegenheit, sich auszugleichen, und unterscheidet die Anlage vom Trading, bei dem Kauf und Verkauf oft nur Tage auseinanderliegen. Eine bestimmte Wertentwicklung ist mit der Dauer allein nicht verbunden.

Kurzfristige Geldanlagen haben demgegenüber eine Laufzeit von wenigen Wochen oder Monaten. Der Unterschied liegt nicht nur im Zeitraum, sondern auch darin, welche Rolle einzelne Kursbewegungen spielen: Wer über Jahre anlegt, muss auf eine einzelne schwache Phase nicht reagieren, solange das Kapital in dieser Zeit nicht gebraucht wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Säule 3a, Maximalbetrag 2026: 7’258 Franken mit Pensionskasse, bis zu 36’288 Franken ohne Pensionskasse (Quelle: BSV, Stand 2026).
  • Verrechnungssteuer: 35 Prozent auf Schweizer Zinsen und Dividenden, bei korrekter Deklaration in der Steuererklärung rückforderbar (Quelle: ESTV, Stand 2026).
  • Kapitalgewinne im Privatvermögen: für Privatanleger einkommenssteuerfrei. Wann die Grenze zum gewerbsmässigen Wertschriftenhandel überschritten ist, regelt das Kreisschreiben Nr. 36 (Quelle: ESTV, 2012).
  • Wertschriftensparen in Säule 3a und Freizügigkeit: Für Aktien gilt eine Richtgrösse von 50 Prozent. Über die Erweiterungsregelung der BVV 2 sind höhere Quoten bis zu 100 Prozent zulässig. Vorausgesetzt ist, dass Sie die Strategie selbst wählen und dass Ihre Risikofähigkeit geprüft und dokumentiert vorliegt (Quelle: BVV 2, OAK-BV-Kreisschreiben Wertschriftensparen, Stand 2026). Das Kursrisiko trägt in diesem Fall die begünstigte Person.

Langfristige Investitionen

Warum lassen sich Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit nicht gleichzeitig maximieren?

Verfügbarkeit, Renditechance und Sicherheit stehen in einem Zielkonflikt, der in der Anlagelehre als magisches Dreieck bezeichnet wird. Alle drei zugleich zu maximieren ist nicht möglich: Wer jederzeit über das Geld verfügen will und kein Schwankungsrisiko trägt, verzichtet auf Renditechancen. Eine längere Anlagedauer verschiebt diesen Zielkonflikt, sie hebt ihn nicht auf.

Praktisch heisst das: Jede Anlageentscheidung ist eine Gewichtung zwischen diesen drei Grössen. Welche Gewichtung angemessen ist, lässt sich nicht allgemein beantworten, sondern hängt davon ab, wann Sie das Kapital brauchen und welche Wertschwankung Sie finanziell und persönlich tragen können.

Welche Anlageformen kommen für einen langen Horizont infrage?

Für einen Horizont von mehreren Jahren werden vor allem vier Anlageformen genutzt: Aktien und Aktienfonds, börsengehandelte Fonds (ETFs), Immobilien und Immobilienfonds sowie Obligationen. Sie unterscheiden sich in Schwankungsbreite, Verfügbarkeit, Kostenstruktur und im nötigen Fachwissen. Welche davon passt, ergibt sich erst aus der jeweiligen Ausgangslage.

Anlageformen

Aktien und Aktienfonds

Aktien und Aktienfonds zählen zu den klassischen Formen der langfristigen Anlage. Für Aktien wird häufig ein Horizont von fünf bis zehn Jahren genannt, damit längere Rückgänge am Aktienmarkt ausgesessen werden können, ohne dass ein Verkauf nötig wird.

Ein Portfolio aus wenigen Einzeltiteln hängt stark vom Verlauf einzelner Unternehmen ab. Über mehrere Titel oder über einen Aktienfonds verteilt sich dieses Einzelwertrisiko, das allgemeine Marktrisiko bleibt bestehen.

Merkmale, die für Aktien und Aktienfonds sprechen:

  • Renditechancen über einen langen Zeitraum.
  • Ein Teil der Unternehmen schüttet Dividenden aus, verpflichtend ist das nicht.
  • Das Kapital ist börsentäglich handelbar.
  • Direkt gehaltene Aktien zählen zum Depotvermögen und fallen bei einer Insolvenz der Depotbank nicht in deren Konkursmasse.

Merkmale, die dagegen sprechen:

  • Die Kurse können kurzfristig deutlich schwanken.
  • Sie benötigen ein Wertschriftendepot und zahlen in der Regel Gebühren für Kauf und Verkauf.
  • Die Auswahl einzelner Aktien und Fonds setzt Fachwissen voraus.

ETFs

Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen Index ab, etwa einen breiten Aktienindex, und wird an der Börse gehandelt. Damit lässt sich langfristig Geld anlegen, ohne einzelne Titel auszuwählen. Die Wertentwicklung folgt dem Index, nach oben wie nach unten.

Merkmale, die für ETFs sprechen:

  • In der Regel niedrigere laufende Kosten als bei aktiv verwalteten Fonds.
  • Breite Streuung über viele Titel mit einem einzigen Instrument.
  • Das investierte Kapital ist börsentäglich handelbar.
  • Das Fondsvermögen ist Sondervermögen und bei einer Insolvenz des Anbieters geschützt.

Merkmale, die dagegen sprechen:

  • ETFs folgen den Kursschwankungen an der Börse in vollem Umfang.
  • Sie benötigen ein Depot.
  • Die Wahl des passenden Index und der Abbildungsmethode setzt Fachwissen voraus.
  • Sie kaufen den ganzen Index, einzelne Unternehmen lassen sich nicht abwählen.

Immobilien und Immobilienfonds

Der Kauf oder Bau einer Immobilie bindet Kapital über viele Jahre. Wer nicht direkt investieren will, kann Immobilienanlagen über Immobilienfonds abbilden und damit auch mit kleineren Beträgen an diesem Markt teilnehmen.

Merkmale, die für Immobilienanlagen sprechen:

  • Bei Vermietung fallen laufende Mieteinnahmen an.
  • Selbst genutztes Wohneigentum ersetzt im Alter die Miete.
  • Bei vermieteten Objekten sind Unterhalt und Schuldzinsen steuerlich abzugsfähig.
  • Als Sachwert kann eine Immobilie einen Teil der Teuerung abfedern, etwa über indexierte Mieten. Ein Inflationsschutz ist damit nicht verbunden, Immobilienpreise können auch fallen.
  • Über Immobilienfonds ist der Einstieg mit geringerem Kapital möglich.

Merkmale, die dagegen sprechen:

  • Direkte Immobilienanlagen setzen erhebliches Fachwissen voraus.
  • Es wird ausreichend Eigenkapital benötigt.
  • Fremdkapitalzinsen und Kaufnebenkosten fallen zusätzlich an.
  • Das Kapital ist gebunden, Immobilienfonds unterliegen teilweise Rückgabefristen.

Obligationen

Mit einer Obligation gewähren Sie einem Unternehmen oder einem Staat einen Kredit und erhalten dafür einen Zins. Am Ende der Laufzeit wird der Nennwert zurückgezahlt, sofern die Emittentin zahlungsfähig bleibt.

Merkmale, die für Obligationen sprechen:

  • Regelmässige Zinszahlungen.
  • Die Kurse schwanken in der Regel weniger stark als bei Aktien.
  • Wird die Obligation bis zur Fälligkeit gehalten und bleibt die Emittentin zahlungsfähig, erfolgt die Rückzahlung zum Nennwert. Das ist eine nominale Betrachtung: Kaufkraftverluste durch die Teuerung bleiben davon unberührt.
  • Obligationen sind während der Laufzeit handelbar.

Merkmale, die dagegen sprechen:

  • Je nach Bonität der Emittentin besteht ein Ausfallrisiko, bei Unternehmensanleihen teilweise erheblich.
  • Steigen die Marktzinsen, sinkt der Kurswert einer laufenden Obligation.
  • Je nach Bonität und Zinsniveau fällt der Ertrag gering aus.

Lesetipp: Die Entwicklung der Korrelation zwischen Aktien und Obligationen

Weitere Anlageformen

Daneben kommen Edelmetalle wie Gold und Silber, Kryptowährungen, Derivate und Private Equity infrage. Diese Anlagen unterscheiden sich stark in Schwankungsbreite, Verfügbarkeit und Zugangsvoraussetzungen, einzelne davon stehen nur qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern offen.

Eine Verteilung über mehrere Anlageklassen streut das Risiko einzelner Märkte. Wie eine solche Aufteilung konkret aussieht, hängt von Zielen, Horizont und Risikofähigkeit ab. Diversifikation verteilt Risiken, sie schliesst Verluste nicht aus.

Was sollten Sie vor einer langfristigen Anlage klären?

Vor der Wahl einer Anlageform stehen sechs Fragen: Welche Ziele verfolgen Sie und wie viel Zeit haben Sie, wie viel Liquidität halten Sie zurück, welche Wertschwankung können Sie tragen, wie gut kennen Sie die Anlageform, investieren Sie einmalig oder gestaffelt, und wollen Sie laufende Ausschüttungen oder Wiederanlage. Die Antworten grenzen den Kreis der passenden Anlagen ein.

Investment

Welche Ziele verfolgen Sie, und wie viel Zeit haben Sie?

Die Anlageentscheidung richtet sich zuerst nach dem Zweck: Vorsorge für die Zeit nach der Erwerbsarbeit, ein Immobilienkauf in zehn Jahren oder die Ausbildung der Kinder führen zu unterschiedlichen Horizonten. Der Horizont wiederum begrenzt, welche Schwankungsbreite tragbar ist. Steht die Pensionierung in zehn Jahren an, passt die Finanzierung einer Immobilie über die marktübliche Amortisationsdauer von rund 25 bis 30 Jahren zeitlich nicht mehr dazu.

Wie viel Liquidität halten Sie zurück?

Verbreitet ist die Faustregel, Mittel in Höhe von etwa drei Monatsausgaben jederzeit verfügbar zu halten. Sie ist keine Norm, sondern eine Orientierung. Der Zweck ist praktischer Natur: Ohne liquide Reserve zwingt ein unerwarteter Mittelbedarf zum Verkauf von Anlagen, unter Umständen zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Wie hoch ist Ihre Risikofähigkeit?

Risikofähigkeit und Risikobereitschaft sind zwei verschiedene Dinge. Die Risikofähigkeit beschreibt, welchen Wertverlust Sie finanziell verkraften, ohne Ihre Ziele zu gefährden. Die Risikobereitschaft beschreibt, welche Schwankung Sie persönlich aushalten. Massgebend ist die kleinere der beiden Grössen. Zu prüfen ist, ob Sie eine mehrjährige Verlustphase durchstehen könnten, ohne verkaufen zu müssen.

Wie gut kennen Sie die Anlageform?

Wer eine Anlageform nicht versteht, kann ihre Risiken nicht einschätzen. Das betrifft insbesondere strukturierte Produkte, Derivate und gehebelte Instrumente. Vor einer Anlage sollte klar sein, wodurch der Wert entsteht, welche Kosten anfallen, wie liquide die Anlage ist und in welchem Fall ein Totalverlust eintreten kann.

Einmalanlage oder gestaffelter Einstieg?

Ein Einmalbetrag ist ab dem Anlagezeitpunkt vollständig dem Marktverlauf ausgesetzt. Ein gestaffelter Einstieg über regelmässige Beträge verteilt den Einstiegszeitpunkt über die Zeit und glättet dadurch den Einstandskurs, er verhindert Verluste jedoch nicht. Welche Variante infrage kommt, hängt davon ab, ob das Kapital bereits vorhanden ist oder laufend aus dem Einkommen gebildet wird.

Ausschüttung oder Wiederanlage?

Ausschüttende Anlagen wie vermietete Immobilien, Dividendenaktien und Obligationen liefern laufende Erträge, die im Jahr des Zuflusses als Einkommen steuerbar sind. Thesaurierende Fonds legen die Erträge wieder an. Für die Besteuerung ist dabei nicht die Ausschüttung entscheidend, sondern der steuerbare Ertrag, den der Fonds ausweist.

Lesetipp: Anlagestrategie im Fokus: Die Macht der Einkommensstrategie

Wie wirken Steuern und Kosten auf das Ergebnis?

Über lange Zeiträume fallen laufende Kosten und Steuern stärker ins Gewicht als einzelne Kursbewegungen, weil sie jedes Jahr erneut anfallen. In der Schweiz sind Kapitalgewinne auf Wertschriften im Privatvermögen für Privatanleger einkommenssteuerfrei, während Zinsen und Dividenden als Einkommen steuerbar sind.

Auf Schweizer Zinsen und Dividenden wird die Verrechnungssteuer von 35 Prozent direkt an der Quelle abgezogen. Wer die Erträge korrekt deklariert, erhält sie zurück. Bei den Kosten ist die Gesamtbelastung über die geplante Anlagedauer aussagekräftiger als eine einzelne Position, also Depotgebühren, Produktkosten und Handelskosten zusammen. Eine Übersicht bietet der Beitrag zu den Gebühren beim Investieren.

Wer Wertschriften in der Säule 3a oder auf einem Freizügigkeitskonto hält, unterliegt einer eigenen Systematik: Diese Guthaben sind während der Laufzeit von der Einkommens- und Vermögenssteuer ausgenommen und werden bei der Auszahlung gesondert besteuert. Weiterführend dazu die Beiträge zum Freizügigkeitsprinzip und zum Freizügigkeitskonto.

Häufige Fragen zu langfristigen Investitionen

Ab welcher Dauer gilt eine Anlage als langfristig?

Als langfristig gilt üblicherweise ein Anlagehorizont ab etwa fünf Jahren, bei Aktien und Aktienfonds werden häufig fünf bis zehn Jahre genannt. Eine verbindliche Definition gibt es nicht. Entscheidend ist weniger die Jahreszahl als die Frage, ob Sie das Kapital in dieser Zeit tatsächlich entbehren können, ohne bei einem Kursrückgang verkaufen zu müssen.

Wo können Sie sich über Anlagemöglichkeiten informieren?

Banken, Vermögensverwalter und unabhängige Stellen bieten Gespräche zu Anlagemöglichkeiten an. Kundenberaterinnen und Kundenberater einer Bank werden teilweise über Provisionen entschädigt. Das heisst, die beratende Stelle verdient mit, wenn ein bestimmtes Produkt abgeschlossen wird. Solche Interessenkonflikte sind offenzulegen. Es lohnt sich, nach der Entschädigung zu fragen und mehrere Einschätzungen einzuholen.

Sollte jeder Anleger langfristige Investitionen tätigen?

Nein. Das hängt von der Risikofähigkeit, dem Liquiditätsbedarf und den Anlagezielen ab. Wer sein Kapital kurzfristig braucht, ist mit schwankungsanfälligen Anlagen schlecht bedient. Ein langer Horizont gibt Ihnen mehr Zeit, Kursschwankungen auszusitzen, eine bestimmte Wertentwicklung ist damit aber nicht verbunden. Welche Rolle die private Vorsorge dabei spielt, hängt ebenfalls von der individuellen Situation ab, etwa davon, wie Ihre Absicherung im Alter insgesamt aufgestellt ist. Vergangene Wertentwicklungen lassen keine Rückschlüsse auf die künftige zu.

Welche Anbieter gibt es für langfristige Investitionen?

Am Markt sind unter anderem tätig: klassische Banken, Online-Banken und Online-Broker, Vermögensverwaltungen und Vermögensverwalter, digitale Vermögensverwalter, Fondsgesellschaften und Versicherungen. Die Anbieter unterscheiden sich in Kostenstruktur, Mindestanlagesumme, Anlageuniversum und darin, wie viel Sie selbst entscheiden. Ein Vergleich der Gesamtkosten über die geplante Anlagedauer ist aussagekräftiger als der Blick auf eine einzelne Gebühr.

Jonas Bächinger
Über den Autor

Jonas Bächinger

CIO & Co-Founder bei Everon
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.

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