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Demografischer Wandel: Herausforderungen für Pensionskassen

Blog
von Brice Zanetti, CFA
Demografischer Wandel: Herausforderungen für Pensionskassen

Die Schweiz steht vor einer beispiellosen Herausforderung: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer erreichen das Rentenalter. Gleichzeitig leben wir länger denn je.

Die Schweiz steht vor einer beispiellosen Herausforderung: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer erreichen das Rentenalter. Gleichzeitig leben wir länger denn je. Was auf den ersten Blick erfreulich klingt, bringt unser Vorsorgesystem massiv unter Druck. Denn während die Zahl der Rentenbeziehenden explodiert, schrumpft die Basis derjenigen, die diese Renten finanzieren. Besonders betroffen: die Pensionskassen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Verhältnis kippt: 1948 finanzierten 6,5 Erwerbstätige einen Rentner, 2050 werden es nur noch 2,2 sein
  • Die Renten sinken dramatisch. BVG-Renten liegen heute 40 Prozent unter dem Niveau von 2002
  • Umwandlungssatz im Fall: Von 7,2 Prozent (1990er) auf durchschnittlich 5,30 Prozent (Stand 2024)
  • Ersatzquote bricht ein: Statt 62 Prozent des letzten Lohns gibt es heute nur noch 51 Prozent
  • Finanzierungsdruck steigt: Ohne Reformen wachsen allein die AHV-Umlagedefizite bis 2040 auf mehrere Milliarden Franken pro Jahr
  • Eigenverantwortung nimmt zu: Die dritte Säule wird zur unverzichtbaren Stütze der Altersvorsorge

Die Schweiz wird älter, mit massiven Folgen

Die demografische Entwicklung lässt sich nicht mehr ignorieren. Ein 65-jähriger Mann lebt heute durchschnittlich weitere 20,5 Jahre , eine gleichaltrige Frau sogar weitere 23 Jahre (Stand 2024). 1948, bei Einführung der AHV, waren es gerade einmal 12 beziehungsweise 14 Jahre. Bis 2050 wird die Lebenserwartung bei Geburt laut BFS-Referenzszenario weiter auf 87,2 Jahre (Männer) und 89,6 Jahre (Frauen) steigen.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Die Geburtenrate liegt seit den 1970er-Jahren unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau und fiel 2024 mit 1,29 auf einen historischen Tiefstand. Weniger Geburten bedeuten perspektivisch weniger Erwerbstätige. Hinzu kommt die Babyboomer-Welle: Zwischen 1955 und 1970 verzeichnete die Schweiz ein aussergewöhnliches Bevölkerungswachstum. Diese Generation erreicht jetzt das Pensionsalter.

Die Rechnung ist simpel : Immer mehr Menschen beziehen Rente, immer länger. Immer weniger Menschen zahlen ein. Das Bundesamt für Statistik prognostiziert, dass bis 2050 auf jeden Rentenbezieher nur noch 2,2 Erwerbstätige kommen werden. 1948 waren es noch 6,5.

Old person sitting in the city street

Pensionskassen im Zangengriff

Diese demografische Alterung trifft die berufliche Vorsorge mit voller Wucht. Anders als die AHV, die im Umlageverfahren funktioniert, basieren Pensionskassen auf dem Kapitaldeckungsverfahren : Jeder spart für seine eigene Rente an. Doch dieses System gerät aus zwei Richtungen unter Druck.

  1. Diesteigende Lebenserwartung bedeutet, dass die Pensionskassen die Renten über einen deutlich längeren Zeitraum auszahlen müssen. Was früher für 12 Jahre reichen musste, muss heute für 22 Jahre ausreichen, bei gleichem Kapital. Das ist mathematisch nicht darstellbar.
  2. Die Phase der Tiefzinsen zwischen 2008 und 2022 hat die Renditen auf den Kapitalmärkten dramatisch reduziert. Der sogenannte «dritte Beitragszahler», die Erträge aus den angelegten Vorsorgegeldern, schwächelte jahrelang. Zwar brachte die Zinswende 2022 wieder höheres Renditepotenzial, doch zunächst entstanden massive Bewertungsverluste bei den Anleihen.

Diese Kombination aus längerer Auszahlungsdauer und geringeren Erträgen wird als Zangengriff bezeichnet. Die Folge: Pensionskassen müssen ihre Leistungsversprechen anpassen.

Der Umwandlungssatz sinkt und Ihre Rente auch

Nirgends zeigt sich die Krise deutlicher als beim Umwandlungssatz. Dieser bestimmt, wie viel Rente Sie aus Ihrem angesparten Kapital erhalten.

Ein Beispiel: Wer CHF 750’000 angespart hat und 2015 mit einem Umwandlungssatz von 6,25 Prozent in Rente ging, erhielt jährlich CHF 47’000. Wer heute mit dem durchschnittlichen Satz von 5,30 Prozent pensioniert wird, bekommt nur noch rund CHF 40’000, über CHF 7’000 weniger pro Jahr.

Der gesetzliche Mindestumwandlungssatz im obligatorischen BVG-Teil liegt zwar noch bei 6,8 Prozent. Doch in der Praxis wenden die meisten Pensionskassen längst tiefere Sätze an. Bei sogenannten umhüllenden Kassen , die obligatorischen und überobligatorischen Teil kombinieren, liegt der effektive Umwandlungssatz oft deutlich unter sechs Prozent. Eine Schattenrechnung stellt dabei sicher, dass die gesetzlichen Mindestleistungen eingehalten werden.

Anfang der 1990er-Jahre lag der Umwandlungssatz noch bei 7,2 Prozent. Bei Marktzinsen von über sechs Prozent war das problemlos finanzierbar. Heute sprechen Experten von einem technisch korrekten Umwandlungssatz von etwa 5,2 Prozent, basierend auf einer kalkulatorischen Anlagerendite von 2,5 Prozent und der aktuellen Lebenserwartung.

Lesetipp : Rentenalter in der Schweiz: Pensionierung optimal planen

Person sorting coins

Was bedeutet das konkret für Ihr Portemonnaie?

Die Konsequenzen sind dramatisch. Die Ersatzquote , also das Verhältnis zwischen Rente und letztem Lohn, ist gemäss aktuellen Vorsorgestudien von rund 62 Prozent (2002) auf etwa 51 Prozent gesunken. Bei höheren Einkommen liegt sie noch tiefer. Das Ziel des Gesetzgebers, dass AHV und BVG zusammen 60 Prozent des letzten Erwerbseinkommens erreichen sollten, wird immer öfter verfehlt.

BVG-Renten liegen gemäss Berechnungen von Vorsorgeexperten heute durchschnittlich rund 40 Prozent unter dem Niveau von 2002 (bei kombinierter Betrachtung von AHV und Pensionskasse fällt der Rückgang geringer aus). Dieser Rückgang hat mehrere Ursachen: sinkende Umwandlungssätze, tiefere Verzinsung der Altersguthaben und die systemische Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Pensionierten.

Denn hier liegt ein weiteres Problem: Viele Pensionskassen zahlen heute höhere Renten aus, als die Versicherten während ihrer Erwerbstätigkeit angespart haben. Diese Differenz wird durch die Altersguthaben der aktiv Versicherten querfinanziert. Umverteilung von Jung zu Alt , ein Thema, das zunehmend die Akzeptanz der beruflichen Vorsorge bei jüngeren Generationen untergräbt.

Politische Reformen: Fortschritte und Rückschläge

Die Politik versucht gegenzusteuern. Mit der Reform AHV 21 , die 2024 in Kraft trat, wird das Referenzalter für Frauen schrittweise auf 65 Jahre angehoben. Zudem wurde der Rentenbezug flexibilisiert: Sie können Ihre AHV-Rente nun zwischen 63 und 70 Jahren beziehen. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent soll zusätzliche Einnahmen generieren. Erstmals im Dezember 2026 wird ausserdem die 13. AHV-Rente ausbezahlt, ein zusätzlicher jährlicher Rentenzuschlag, der die Kaufkraft der Rentnerinnen und Rentner stützen soll.

Doch bei der beruflichen Vorsorge stockt es. Die Reform BVG 21 scheiterte 2024 vor dem Volk. Geplant war eine Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6,0 Prozent, verbunden mit einem Rentenzuschlag für die Übergangsgeneration. Das Nein an der Urne bedeutet: Die Pensionskassen müssen die Anpassungen weiterhin im überobligatorischen Bereich vornehmen, mit allen Problemen der Intransparenz und Umverteilung.

Internationale Experten fordern schon länger weitergehende Massnahmen: Die OECD empfiehlt eine schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre sowie eine automatische Anpassung an die Lebenserwartung. In vielen europäischen Ländern ist dies längst Realität.

Lesetipp : Freizügigkeitskonto: Grundlagen & Tipps zu Auszahlung, Zinsen und Anlagestrategien

Ausblick

Die Finanzierungslücke klafft immer weiter

Die Finanzierung der Altersvorsorge bleibt angespannt. Bei der AHV rechnet das Bundesamt für Sozialversicherungen ab Ende der 2020er-Jahre mit wachsenden Umlagedefiziten, die bis 2040 auf mehrere Milliarden Franken pro Jahr anwachsen, und auch die Pensionskassen stehen strukturell unter Druck. Diese Entwicklung zeigt das Ausmass der Herausforderung. Ohne weitere Reformen droht eine gefährliche Schieflage: Entweder müssen die Beiträge steigen, oder die Leistungen sinken weiter.

Die Entwicklung betrifft nicht alle gleich. Besonders hart trifft es Teilzeitbeschäftigte, mehrheitlich Frauen. Durch den Koordinationsabzug und die Eintrittsschwelle bleiben viele Teilzeitlöhne ganz oder teilweise unversichert. Die Reform BVG 21 hätte hier Verbesserungen gebracht, doch nach deren Scheitern bleibt die Situation ungelöst.

Auch die Konsolidierung in der Branche schreitet voran. Von einst über 15’000 Vorsorgeeinrichtungen sind heute noch rund 1’300 übrig (2024: 1’292). Dieser Trend dürfte weitergehen, was Vor- und Nachteile mit sich bringt: mehr Effizienz und Professionalität auf der einen Seite, weniger massgeschneiderte Lösungen auf der anderen.

Was Sie jetzt tun können

Angesichts dieser Entwicklung wird die Eigenverantwortung immer wichtiger. Die dritte Säule entwickelt sich vom Nice-to-have zur Notwendigkeit. Hier einige konkrete Ansatzpunkte:

  • Nutzen Sie die Säule 3a konsequent. Die steuerlichen Vorteile sind erheblich. Für 2026 können Erwerbstätige mit Pensionskasse bis zu CHF 7’258 einzahlen und vom steuerbaren Einkommen abziehen. Wer keine Pensionskasse hat, darf bis zu 20 Prozent des Erwerbseinkommens und höchstens CHF 36’288 einzahlen. Neu können seit 2026 zudem verpasste 3a-Beiträge nachträglich eingezahlt werden, rückwirkend für bis zu zehn Jahre.
  • Setzen Sie auf Wertschriftenanlagen statt auf reine Sparkonten. Die Renditeunterschiede sind über die Jahre beträchtlich. FINMA-regulierte Anbieter wie Everon bieten verschiedene Anlagestrategien, von konservativ bis dynamisch, von nachhaltig bis Private Markets. Ein systematischer, quantitativer Ansatz kann helfen, emotionale Anlageentscheidungen zu vermeiden.
  • Prüfen Sie Einkäufe in die Pensionskasse. Wer Beitragslücken hat, kann diese durch freiwillige Einzahlungen schliessen. Das senkt nicht nur Ihre Steuern, sondern erhöht auch die spätere Rente. Allerdings sollten Sie dabei die Entwicklung des Umwandlungssatzes Ihrer Kasse im Auge behalten.
  • Lassen Sie sich professionell begleiten. Die Vorsorgeplanung ist komplex geworden. Eine ganzheitliche Finanzplanung berücksichtigt alle drei Säulen, Ihre Lebensumstände und Ihre Ziele. Transparente, digitale Vorsorgelösungen machen es heute einfacher, den Überblick zu behalten.
  • Erwägen Sie flexibles Arbeiten im Alter. Die AHV 21 setzt Anreize für längeres Arbeiten. Wer nach dem Referenzalter weiterarbeitet, muss auf einem Freibetrag von CHF 16’800 pro Jahr und Arbeitsverhältnis keine AHV-Beiträge zahlen; das darüber liegende Einkommen bleibt beitragspflichtig. Seit AHV 21 können Sie auf diesen Freibetrag verzichten und mit den zusätzlichen Beiträgen Lücken schliessen, was Ihre spätere AHV-Rente erhöhen kann. In der Pensionskasse bleiben Einzahlungsmöglichkeiten und Steuervorteile erhalten.

Lesetipp : Private Finanzplanung: so erreichen Sie Ihre individuellen Ziele

Financial advice

Professionelle Vermögensverwaltung als Baustein Ihrer Vorsorge

Die sinkenden Leistungen aus der ersten und zweiten Säule machen die private Vorsorge unverzichtbar. Doch allein mit einem Sparkonto in der Säule 3a lassen sich die entstehenden Lücken kaum schliessen. Bei einem Leitzins von null Prozent verzinsen sich Kontoguthaben kaum, während schon eine geringe Teuerung die Kaufkraft schleichend aufzehrt. Wertschriftenanlagen bieten hier bessere Renditechancen, vorausgesetzt, sie werden professionell umgesetzt.

Everon verbindet Schweizer Tradition mit innovativen Anlagestrategien. Als FINMA-regulierte Vermögensverwaltung bietet Everon systematische, quantitativ fundierte Anlagestrategien , die emotionale Fehlentscheidungen vermeiden. Statt auf Bauchgefühl setzt Everon auf wissenschaftlich belegte Faktoren und nutzt die hauseigene «Everon Portfolio Engine» für die Titelauswahl.

Die verschiedenen Strategien sind auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten: Die Multifactor-Strategie kombiniert mehrere Bewertungskriterien für eine ausgewogene Portfoliostruktur. Die Income-Strategie fokussiert auf regelmässige Erträge durch Dividenden und ist besonders für Personen interessant, die bereits im Ruhestand sind oder diesen planen. Wer kostengünstig in globale Märkte investieren möchte, findet mit der Smart Global Markets-Strategie eine ETF-basierte Lösung. Und für Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus bietet die Sustainability-Strategie ausschliesslich ESG-konforme Investments.

Fortgeschrittene Anleger können auchin Private Markets investieren, eine Anlageklasse, die bisher institutionellen Investoren vorbehalten war. Private Equity, Private Debt und Private Real Estate bieten attraktive Möglichkeiten zur Diversifikation, allerdings bei höherem Risiko und längerer Kapitalbindung.

Neben derSäule 3a sollten Sie auch die freie Vorsorge (Säule 3b) nicht vernachlässigen. Während die gebundene Vorsorge steuerlich begünstigt ist, aber erst bei Pensionierung bezogen werden kann, bietet die Säule 3b maximale Flexibilität. Hier können Sie ohne Einschränkungen sparen und investieren, etwa in Wertschriften, Immobilien oder andere Vermögenswerte. Eine ausgewogene Mischung aus gebundener und freier Vorsorge gibt Ihnen sowohl Steuervorteile als auch finanziellen Handlungsspielraum.

Ausblick: Das System bleibt, muss aber angepasst werden

Das schweizerische Drei-Säulen-System geniesst international nach wie vor hohes Ansehen. Die Kombination aus Umlageverfahren (AHV), Kapitaldeckung (BVG) und privater Vorsorge bietet eine robuste Grundlage. Diese Diversifikation der Vorsorgerisiken zwischen Staat, Unternehmen und Individuum ist eine Stärke.

Doch die Parameter müssen dringend angepasst werden. Die demografische Entwicklung ist keine Überraschung, sie war seit Jahrzehnten absehbar. Andere Länder wie Schweden, die Niederlande oder Dänemark haben bereits Automatismen eingebaut: Das Rentenalter passt sich dort automatisch an die Lebenserwartung an. Die Schweiz hinkt hier hinterher.

Generationengerechtigkeit wird zum Schlüsselbegriff. Eine Generation darf nicht zu Lasten der nächsten leben. Die heutigen Rentner profitieren noch von historisch hohen Umwandlungssätzen, während junge Menschen mit deutlich tieferen Renten rechnen müssen, bei gleichzeitig höheren Beiträgen.

Die gute Nachricht: Das Bewusstsein für die Problematik wächst. Immer mehr Menschen erkennen, dass sie selbst aktiv werden müssen. Die Zinswende hat den Pensionskassen zudem wieder Handlungsspielraum verschafft. Und die technologische Entwicklung ermöglicht heute transparentere, individuellere Vorsorgelösungen als je zuvor.

Eines ist sicher: Der demografische Wandel wird unser Vorsorgesystem weiter prägen. Wer sich heute informiert und vorsorgt, steht morgen besser da.

Brice Zanetti, CFA
Über den Autor

Brice Zanetti, CFA

Chief Relationship Officer & Co-Founder bei Everon
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.

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