Zum Inhalt springen

Next Generation Wealth: Vermögenserben vorbereiten und begleiten

Blog
von Lilais Funk
Eine Kinderhand liegt auf den Händen zweier Erwachsener

Wie Familien ihr Vermögen für die Weitergabe gliedern, welche Instrumente das Schweizer Recht vorsieht, wo Pflichtteile und Steuern Grenzen setzen und wie die nächste Generation hineinwächst.

Wer Vermögen an die nächste Generation weitergeben will, braucht mehr als ein Testament. Dazu gehören ein gegliedertes Vermögen und die Wahl der rechtlichen Instrumente. Dazu gehören auch Erben, die wissen, was auf sie zukommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Struktur vor Übergabe: Unternehmens-, Familien- und Privatvermögen folgen bei der Weitergabe je eigenen Regeln.
  • Erbvorbezug, Schenkung, Darlehen: Die drei Instrumente unterscheiden sich darin, ob und wie die Zuwendung im Erbfall angerechnet wird.
  • Pflichtteile betragen seit dem 1. Januar 2023 die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs (Art. 471 ZGB). Wer Nachkommen hinterlässt, kann über die Hälfte des Nachlasses frei verfügen.
  • Steuern sind kantonal geregelt. Schenkungen an Kinder sind in den meisten Kantonen steuerfrei, nicht aber in Appenzell Innerrhoden, Neuenburg und Waadt (Quelle: ESTV, Stand der Gesetzgebung 1. Januar 2025).
  • Ergänzungsleistungen: Verschenktes Vermögen wird bei einem späteren EL-Antrag angerechnet, jährlich um 10’000 Franken vermindert (Art. 11a Abs. 2 ELG, Art. 17e ELV).

Warum die Planung über eine Generation hinausreicht

Die sogenannte 3-Generationen-Regel ist eine alte Faustformel: Die erste Generation baut das Vermögen auf, die zweite verwaltet es, die dritte verliert es. Als Gesetzmässigkeit taugt sie nicht. Sie beschreibt, was geschieht, wenn niemand über den eigenen Lebenshorizont hinaus plant.

Beim Vererben nach Gesetz geht das Vermögen erst mit dem Tod über, und die Erben übernehmen es unter Umständen unvorbereitet. Die gesetzliche Erbfolge erklärt der Leitfaden Erbschaft in der Schweiz. Eine geplante Weitergabe legt vorher fest, was wann an wen geht, und bezieht die nächste Generation früh ein.

Der Zeithorizont ist lang. Wer mit 60 plant, plant für die eigenen Jahrzehnte und für die der Kinder und Enkel mit. Über solche Zeiträume zehrt die Inflation an der Kaufkraft: Bei 1 Prozent Teuerung pro Jahr verliert ein Franken in 30 Jahren rund ein Viertel seiner Kaufkraft.

Die drei Vermögenskategorien

Für die Weitergabe hilft es, das Vermögen in drei Kategorien zu gliedern:

  • Unternehmensvermögen umfasst die operativen Beteiligungen, die eine Familie gemeinsam hält, etwa über eine Holding. Bleiben diese Werte zusammen, kann die Familie gegenüber dem Unternehmen mit einer Stimme sprechen.
  • Familienvermögen sind Werte, die ein Familienstamm gemeinsam besitzt: Minderheitsbeteiligungen, Immobilien, Land- und Forstwirtschaft oder Wertschriftendepots. Sie werden von einem Vermögensverwalter oder einem Family Office betreut oder von der Familie selbst.
  • Privatvermögen gehört den einzelnen Familienmitgliedern: das eigene Haus, persönliche Depots, Lebensversicherungen. Darüber entscheidet jede Person selbst, im Erbfall in den Grenzen der Pflichtteile.

Die Trennung kann private Entnahmen vom operativen Geschäft fernhalten und macht die Aufteilung unter mehreren Nachkommen übersichtlicher. Welche rechtliche Form eine Struktur erhält, hängt von den Zielen der Familie, ihrer Zusammensetzung und der Grösse des Vermögens ab.

Instrumente der Vermögensweitergabe

Zu Lebzeiten stehen drei Instrumente zur Wahl. Ausgleichung, Bewertung, Steuern und die Folgen für Ergänzungsleistungen behandelt der Beitrag Erbvorbezug in der Schweiz ausführlich.

Erbvorbezug

Ein Erbvorbezug ist eine unentgeltliche Zuwendung an einen künftigen gesetzlichen Erben, die später auf dessen Erbteil angerechnet wird (Art. 626 Abs. 1 ZGB). Bei Nachkommen unterstellt das Gesetz Heiratsgut, Ausstattung, Vermögensabtretung, Schulderlass und Ähnliches der Ausgleichung, sofern die Eltern nicht ausdrücklich etwas anderes verfügt haben (Art. 626 Abs. 2 ZGB). Massgebend ist in der Regel der Wert zur Zeit des Erbgangs, nicht der Wert bei der Übergabe (Art. 630 Abs. 1 ZGB).

Schenkung

Rechtlich ist ein Erbvorbezug in aller Regel eine Schenkung (Art. 239 Abs. 1 OR); entscheidend ist, ob die Zuwendung im Erbfall ausgeglichen wird. Befreien die Eltern eine Zuwendung ausdrücklich von der Ausgleichung, wird sie bei der Erbteilung nicht angerechnet. Verletzt sie die Pflichtteile der übrigen Erben, können diese die Herabsetzung verlangen (Art. 522 Abs. 1 ZGB und Art. 527 Ziff. 1 ZGB). Übliche Gelegenheitsgeschenke stehen nicht unter der Ausgleichungspflicht (Art. 632 ZGB), Erziehungs- und Ausbildungskosten nur, soweit sie das übliche Mass übersteigen, sofern kein anderer Wille der Eltern nachgewiesen ist (Art. 631 Abs. 1 ZGB).

Darlehen

Ein Darlehen verpflichtet das Kind zur Rückzahlung (Art. 312 OR). Das Geld bleibt als Forderung im Vermögen der Eltern und fällt im Erbfall in den Nachlass. Soll das Darlehen bei der Bank als Eigenmittel für ein Eigenheim zählen, verlangt sie eine Abtretung oder eine Nachrangvereinbarung. Bei selbstgenutztem Wohneigentum genügt für Darlehen aus dem engen Familienkreis auch die schriftliche Bestätigung des Darlehensgebers an die Bank, dass Rückzahlungen nur mit Zustimmung der Bank möglich sind (Quelle: Schweizerische Bankiervereinigung, Mindestanforderungen bei Hypothekarfinanzierungen, gültig seit 1. Januar 2025). Ein schriftlicher Vertrag hält Betrag, Zins, Rückzahlung und die Regelung für den Erbfall fest.

Zeitpunkt und Umfang der Übertragung

Wie viel Eltern zu Lebzeiten weitergeben, hängt zuerst vom eigenen Bedarf ab. Die Lebenserwartung ist hoch, die Kosten im Alter steigen, und ein Heimaufenthalt kann das verbleibende Vermögen stark beanspruchen. Eine vollzogene Schenkung können die Eltern nicht deshalb widerrufen, weil sie später selbst in Not geraten; Art. 249 OR nennt diesen Grund nicht.

Dazu kommen die Ergänzungsleistungen. Vermögen, auf das jemand ohne Rechtspflicht und ohne gleichwertige Gegenleistung verzichtet hat, wird bei einem EL-Antrag angerechnet, als wäre es noch vorhanden (Art. 11a Abs. 2 ELG). Der angerechnete Betrag sinkt um 10’000 Franken pro Jahr (Art. 17e ELV). Er zählt auch zur Vermögensschwelle von 100’000 Franken für Alleinstehende und 200’000 Franken für Ehepaare (Art. 9a Abs. 1 und 3 ELG); bei einer alleinstehenden Person kann eine Schenkung von 200’000 Franken den Anspruch damit mehr als zehn Jahre lang ganz ausschliessen.

Eine Schenkung oder ein Erbvorbezug senkt das steuerbare Vermögen der Eltern und damit ihre Vermögenssteuer. Das gilt nicht, wenn sie sich die Nutzniessung vorbehalten, denn Nutzniessungsvermögen wird dem Nutzniesser zugerechnet (Art. 13 Abs. 2 StHG). Beim Darlehen bleibt die Forderung bei den Eltern steuerbar. Eine Übertragung in Etappen hält die eigene Reserve offen und lässt Raum, die Übergabe anzupassen.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das Erbrecht begrenzt die Gestaltungsfreiheit durch die Pflichtteile. Pflichtteilsgeschützt sind die Nachkommen sowie der überlebende Ehegatte oder die überlebende eingetragene Partnerin oder der eingetragene Partner. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs (Art. 471 ZGB).

Zwei Beispiele. Hinterlässt eine verwitwete Person zwei Kinder, erbt jedes Kind nach Gesetz die Hälfte (Art. 457 ZGB), sein Pflichtteil ist ein Viertel. Hinterlässt eine verheiratete Person Ehegatten und zwei Kinder, erhält der Ehegatte nach Gesetz die Hälfte (Art. 462 Ziff. 1 ZGB), die Kinder teilen sich die andere Hälfte. Die Pflichtteile betragen dann ein Viertel für den Ehegatten und zusammen ein Viertel für die Kinder. In beiden Fällen ist die Hälfte des Nachlasses frei verfügbar. Bei verheirateten Paaren wird mit dem Tod zuerst der Güterstand aufgelöst (Art. 204 Abs. 1 ZGB) und güterrechtlich auseinandergesetzt; erst was danach in den Nachlass fällt, wird so geteilt.

Mit der verfügbaren Quote lassen sich einzelne Nachkommen begünstigen, der Partner besser absichern oder Dritte und gemeinnützige Organisationen bedenken. Verletzt eine Verfügung Pflichtteile, bleibt sie gültig; die Betroffenen können aber die Herabsetzung verlangen (Art. 522 Abs. 1 ZGB).

Ein Testament kann jederzeit in einer der Formen widerrufen werden, die für seine Errichtung vorgeschrieben sind (Art. 509 Abs. 1 ZGB). Ein Erbvertrag braucht die Form der öffentlichen letztwilligen Verfügung (Art. 512 Abs. 1 ZGB). Aufheben lässt er sich durch schriftliche Übereinkunft der Vertragsparteien (Art. 513 Abs. 1 ZGB), einseitig nur in gesetzlich genannten Fällen, etwa wenn sich der Bedachte danach eines Verhaltens schuldig macht, das einen Enterbungsgrund darstellt (Art. 513 Abs. 2 ZGB). Er bindet deshalb stärker, etwa bei der Übernahme eines Familienunternehmens. Eine Verfügung mit Formmangel kann auf Klage hin für ungültig erklärt werden (Art. 520 Abs. 1 ZGB).

Steuern bei der Vermögensübertragung

Erbschafts- und Schenkungssteuern erheben die Kantone, nicht der Bund. Schwyz und Obwalden kennen weder die eine noch die andere, Luzern keine Schenkungssteuer. Schenkungen an Kinder sind in fast allen übrigen Kantonen steuerfrei. Appenzell Innerrhoden und Waadt besteuern sie oberhalb eines Abzugs, Neuenburg die ganze Schenkung, sobald sie 10’000 Franken übersteigt (Quelle: ESTV, Dossier Erbschafts- und Schenkungssteuern, Stand der Gesetzgebung 1. Januar 2025).

Bewegliches Vermögen besteuert grundsätzlich der Kanton, in dem der Schenker bei der Schenkung oder der Erblasser zuletzt Wohnsitz hatte, Grundstücke der Kanton, in dem sie liegen (Quelle: ESTV, Dossier Erbschafts- und Schenkungssteuern, Abschnitt 2).

Geht eine Liegenschaft durch Erbgang, Erbvorbezug oder Schenkung über, wird die Grundstückgewinnsteuer aufgeschoben (Art. 12 Abs. 3 Bst. a StHG). Verkauft das Kind später, wird der Wertzuwachs aus der Besitzeszeit der Eltern mitbesteuert. Übernimmt es bei der Übertragung eine Hypothek oder zahlt es etwas, kann dieser Teil je nach Kanton schon als Verkauf gelten.

Die nächste Generation einbeziehen

Erben übernehmen mit dem Vermögen Entscheidungen: über Anlagen, Liegenschaften, Beteiligungen und manchmal über ein Unternehmen. Wer die Struktur, die Verträge und die Überlegungen dahinter früh kennt, übernimmt vorbereitet.

Familien gehen dabei unterschiedlich vor. Manche besprechen Vermögen und Pläne in regelmässigen Familiengesprächen, andere halten Grundsätze in einer Familienvereinbarung fest. Kinder können schrittweise Verantwortung übernehmen, etwa zuerst für einen Teil des Familienvermögens.

Vermögen über Generationen verwalten

Die Übergabe ist ein Schritt, die Verwaltung danach ein langer. Anleger unterliegen systematischen Denkfehlern, den sogenannten Behavioral Biases, etwa der Verlustaversion: Verluste wiegen schwerer als gleich hohe Gewinne (Kahneman und Tversky, Prospect Theory, 1979). Feste Regeln für die Strategie und das Rebalancing setzen dem eine Ordnung entgegen, die nicht von der Stimmung des Tages abhängt.

Die Generationen einer Familie haben unterschiedliche Anlagehorizonte. Vermögen, das die Eltern selbst noch benötigen, hat einen kürzeren Horizont als Vermögen, das Kinder über Jahrzehnte halten. Das beeinflusst, wie viel Schwankung ein Portfolio tragen kann. Diversifikation über Anlageklassen verteilt die Risiken, beseitigt sie aber nicht.

Über Jahrzehnte ändern sich Ziele, Gewichtung und Lebensumstände. Im Rahmen eines Mandats setzt eine Vermögensverwaltung die vereinbarte Strategie um und passt sie an veränderte Vorgaben an.

Fünf Schritte einer geplanten Weitergabe

1. Übersicht und eigener Bedarf

Am Anfang steht eine vollständige Übersicht: Konten, Depots, Immobilien, Beteiligungen, Versicherungen, Vorsorgeguthaben, jeweils mit aktuellem Wert und einer der drei Kategorien zugeordnet. Dazu kommt der eigene Finanzbedarf für die kommenden Jahrzehnte, mit Pflegekosten und einer Reserve. Was darüber hinausgeht, kommt für die Weitergabe in Frage.

2. Ziele der Familie

Soll das Vermögen zusammenbleiben oder aufgeteilt werden? Sollen die Kinder mitgestalten oder begünstigt werden? Soll das Elternhaus in der Familie bleiben? Die Antworten bestimmen, welche langfristige Strategie und welche Instrumente in Frage kommen. Anlageformen für lange Horizonte behandelt Langfristig investieren.

3. Instrumente und Form

Erbvorbezug, Schenkung und Darlehen lassen sich kombinieren. Ob eine Zuwendung ausgeglichen werden soll, halten die Eltern schriftlich fest. Eine Schenkung von Grundstücken braucht die öffentliche Beurkundung (Art. 243 Abs. 2 OR), ein Erbvertrag die Form der öffentlichen letztwilligen Verfügung. Ein Testament regelt die verfügbare Quote; greift es in Pflichtteile ein, ist es herabsetzbar.

4. Steuern und Kosten

Massgebend sind die Regeln des Wohnsitzkantons und, bei Liegenschaften, des Lagekantons. Bei einer Übertragung mit übernommener Hypothek stellt sich die Frage der Grundstückgewinnsteuer. Die Vermögenssteuer der Eltern sinkt nur, soweit sie Vermögen ohne Nutzniessungsvorbehalt und nicht als Darlehen abgeben.

5. Umsetzung und Dokumentation

Liegen Verträge, Übergabedokumente und Vereinbarungen an einem Ort, den die Erben kennen, finden sie im Erbfall, was sie brauchen. Regelmässige Gespräche in der Familie klären, wer was erhalten hat und warum. Das kann späterem Streit um die Auslegung vorbeugen.

Fazit

Die Grenzen der Weitergabe setzen vor allem die Pflichtteile und der eigene Bedarf der Eltern. Die kantonalen Steuern bestimmen eher das Wie als das Ob. Innerhalb dieser Grenzen entscheidet die Familie. Je früher sie das tut, desto eher lässt sich die Übergabe in Etappen gestalten und die nächste Generation einbeziehen.

Lilais Funk
Über den Autor

Lilais Funk

CMO & Co-Founder bei Everon
LinkedIn-Profil

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.

Sprechen wir über Ihr Vermögen.

Gespräch vereinbaren

Lernen wir uns kennen

Ein Family Office beginnt mit einem Gespräch.

Möchten Sie Vermögen anlegen oder neu ordnen, und in welcher Grössenordnung?

Merkblatt

Merkblatt anfordern

Erbschaft: was jetzt zu klären ist

Sie erhalten das Merkblatt als PDF per E-Mail, in der Regel innert weniger Minuten.