Aktiv verwaltete Zertifikate (AMCs): Arten und Abgrenzung
Aktiv verwaltete Zertifikate gibt es in mehreren Ausprägungen. Der Vergleich zeigt, wie sich die AMC-Typen bei Liquidität, Risiko, Transparenz und Diversifikation unterscheiden.
Aktiv verwaltete Zertifikate (AMCs) unterscheiden sich je nach Struktur deutlich in Liquidität, Risiko und Transparenz. Der Beitrag vergleicht die fünf wichtigsten Unterscheidungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- AMCs existieren in verschiedenen Ausprägungen: offen/geschlossen, indexgebunden/strategiegebunden, mit oder ohne Hebelwirkung
- Der AMC-Typ bestimmt wesentlich das Risiko-Rendite-Profil und die typischen Anwendungen
- Die Wahl zwischen diskretionärem und regelbasiertem Management beeinflusst die Flexibilität und Transparenz des Produkts
- Single-Asset- vs. Multi-Asset-AMCs unterscheiden sich fundamental in Diversifikation und Komplexität
- Delta-1- und Hebel-AMCs unterscheiden sich im Risikoprofil, weil der Hebel Gewinne wie Verluste verstärkt
Lesetipp: AMCs - Erklärung und Einblicke in aktiv verwaltete Zertifikate

Offene vs. geschlossene AMCs
Eines der grundlegendsten Unterscheidungsmerkmale bei AMCs ist ihre Zugänglichkeit für Anleger über die Zeit hinweg.
Was kennzeichnet offene AMCs?
Offene AMCs lassen Ein- und Ausstiege fortlaufend zu. Der Emittent bietet in der Regel tägliche oder wöchentliche Handelstage an, an denen Anleger eine Position aufstocken oder abbauen können.
Die Vorteile offener AMCs liegen in ihrer Flexibilität und der fortlaufenden Anpassungsfähigkeit an Marktentwicklungen. Eine feste Laufzeit gibt es in der Regel nicht.
Was sind geschlossene AMCs?
Im Gegensatz dazu haben geschlossene AMCs eine festgelegte Laufzeit oder ein definiertes Platzierungsvolumen. Nach Abschluss der Zeichnungsphase sind keine weiteren Investments möglich, und die Rückgabe vor Laufzeitende kann eingeschränkt oder mit Kosten verbunden sein.
Diese Struktur eignet sich besonders für Strategien mit illiquiden Basiswerten oder wenn eine längerfristige Kapitalbindung für die Umsetzung der Anlagestrategie erforderlich ist.
Vergleich: Offene vs. geschlossene AMCs
| Merkmal | Offene AMCs | Geschlossene AMCs |
|---|---|---|
| Handelbarkeit | Fortlaufend (täglich/wöchentlich) | Limitiert oder nur am Sekundärmarkt |
| Liquidität | Hoch | Eingeschränkt |
| Anlagehorizont | Flexibel | Fest definiert |
| Typische Anwendung | Liquide Märkte, flexible Strategien | Illiquide Assets, langfristige Strategien |
Offene AMCs sind laufend handelbar und erlauben flexible Anlagehorizonte. Geschlossene AMCs haben einen festen Horizont und eingeschränkte Liquidität.
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Indexgebundene vs. strategiegebundene AMCs
Bei der Umsetzung der Anlagestrategie gibt es zwei grundlegend verschiedene Ansätze für AMCs.
| Aspekt | Indexgebundene AMCs | Strategiegebundene AMCs |
|---|---|---|
| Transparenz | Hoch (definierte Indexregeln) | Geringer (abhängig von Berichterstattung) |
| Flexibilität | Durch Indexregeln eingeschränkt | Hoch (direkte Anpassungen möglich) |
| Nachvollziehbarkeit | Indexzusammensetzung nachvollziehbar | Abhängig von Kommunikation des Managers |
| Entscheidungsprozess | Systematisch, regelbasiert | Individuell, oft diskretionär |
Wie funktionieren indexgebundene AMCs?
Indexgebundene AMCs verfolgen einen aktiv verwalteten Index als Referenz. Dieser Index wird vom Vermögensverwalter zusammengestellt und regelmässig angepasst. Die Performance des AMCs ist direkt an die Entwicklung dieses Index gekoppelt.
Der Vorteil dieser Struktur liegt in ihrer Transparenz: die Zusammensetzung des Index und seine Änderungen können regelmässig publiziert werden. Die Anleger haben dadurch eine klare Vorstellung davon, in welche Vermögenswerte sie investiert sind.
Was zeichnet strategiegebundene AMCs aus?
Bei strategiegebundenen AMCs trifft der Portfolio Manager direkte Anlageentscheidungen, ohne an einen spezifischen Index gebunden zu sein. Diese Struktur ermöglicht eine unmittelbarere und flexiblere Reaktion auf Marktveränderungen.
Die Anpassungsfähigkeit ist hier der zentrale Vorteil, da der Manager seine Strategie ohne die Einschränkungen eines vordefinierten Index umsetzen kann. Allerdings geht dies oft mit einer geringeren Transparenz für den Anleger einher.
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Delta-1-AMCs vs. Hebel-AMCs
Das Risiko-Rendite-Profil eines AMCs wird massgeblich durch den Einsatz von Hebeln bestimmt.
| Eigenschaft | Delta-1-AMCs | Hebel-AMCs |
|---|---|---|
| Risikoprofil | Bestimmt durch die Basiswerte | Erhöht durch Hebelwirkung |
| Renditepotenzial | Direkt proportional zu Basiswerten | Überproportional (verstärkt) |
| Verlustpotenzial | Bis zum eingesetzten Kapital (Totalverlust möglich) | Stark erhöhte Verlustrisiken, bis hin zum Totalverlust, je nach Hebelstruktur. |
| Volatilität | Entspricht Basiswerten | Erhöht durch Hebeleffekt |
| Komplexität | Geringer | Höher (Hebelstruktur) |
| Typische Anwendung | Kernanlage, langfristige Strategien | Taktische Positionen, Marktmeinungen |
Bei beiden Typen trägt der Anleger das Marktrisiko der Basiswerte und das Emittentenrisiko.
Was sind Delta-1-AMCs?
Delta-1-AMCs bilden die zugrunde liegende Anlagestrategie im Verhältnis 1:1 ab. Das bedeutet, dass die Wertentwicklung des Zertifikats direkt der Performance der Basiswerte entspricht, ohne zusätzliche Verstärkung oder Absicherung.
Wie stark ein Delta-1-AMC schwankt, bestimmen die Basiswerte und deren Risiko. Delta-1-AMCs bieten eine direkte Beteiligung an einer aktiv verwalteten Strategie.
Wie funktionieren Hebel-AMCs?
Hebel-AMCs nutzen Derivate oder strukturierte Produkte innerhalb der Strategie, um die Rendite zu verstärken (oder in manchen Fällen abzusichern). Eine Wertveränderung der Basiswerte führt zu einer überproportionalen Bewegung im Zertifikatswert.
Diese Struktur ermöglicht höhere Renditepotenziale, ist jedoch mit entsprechend höheren Risiken verbunden. Bereits kleine Marktbewegungen können zu signifikanten Wertschwankungen führen.
Single-Asset vs. Multi-Asset-AMCs
Die Breite der Anlageklassen innerhalb eines AMCs bestimmt wesentlich seine Diversifikation und Komplexität.
| Merkmal | Single-Asset-AMCs | Multi-Asset-AMCs |
|---|---|---|
| Diversifikation | Begrenzt (innerhalb einer Klasse) | Umfassend (über Klassen hinweg) |
| Komplexität | Geringer | Höher |
| Management | Fokussiert, spezialisiert | Breiter, erfordert vielfältige Expertise |
| Anlageziel | Spezialisierte Exposition | Ausgewogene Gesamtlösung |
| Rolle im Portfolio | Ergänzende Beimischung | Kann als Kernanlage dienen |
Ein Single-Asset-AMC deckt eine Anlageklasse ab und dient als Baustein. Ein Multi-Asset-AMC verteilt das Vermögen auf mehrere Anlageklassen, deren Gewichte sich anpassen lassen.
Was kennzeichnet Single-Asset-AMCs?
Single-Asset-AMCs konzentrieren sich auf eine einzige Anlageklasse, wie beispielsweise Aktien, Anleihen, Währungen oder Kryptowährungen. Innerhalb dieser Klasse kann durchaus eine Diversifikation stattfinden (z.B. verschiedene Aktien), jedoch bleibt der Fokus auf einer Kategorie von Vermögenswerten.
Der Vorteil dieser AMCs liegt in ihrer Klarheit und Fokussierung. Weil jeder dieser AMCs nur eine Anlageklasse abdeckt, entscheidet der Anleger oder sein Wealth Manager, wie mehrere davon im Portfolio gewichtet werden.
Was bieten Multi-Asset-AMCs?
Multi-Asset-AMCs investieren über verschiedene Anlageklassen hinweg, typischerweise eine Kombination aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen und alternativen Anlagen. Der Portfolio Manager kann die Gewichtung zwischen diesen Klassen aktiv anpassen.
Diese AMCs bieten eine integrierte Diversifikation und ermöglichen es dem Manager, auf Marktveränderungen nicht nur innerhalb einer Anlageklasse, sondern auch durch Umschichtungen zwischen den Klassen zu reagieren.
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Diskretionäre vs. regelbasierte AMCs
Die Art der Entscheidungsfindung bei der Portfolioverwaltung ist ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal.
| Aspekt | Diskretionäre AMCs | Regelbasierte AMCs |
|---|---|---|
| Entscheidungsprozess | Basierend auf Erfahrung und Einschätzung | Systematisch nach definierten Regeln |
| Flexibilität | Hoch (kann schnell anpassen) | Geringer (gebunden an Regelwerk) |
| Transparenz | Oft geringer | * Höher (definierte Prozesse) |
| Personenabhängigkeit | Stark (abhängig vom Manager) | Geringer (systembasiert) |
| Verhalten in Krisen | Kann von Erfahrung profitieren | Schränkt emotionale Entscheidungen ein |
*Regelbasierte AMCs bieten potenziell höhere Transparenz, insbesondere bei offengelegten, standardisierten Modellen
Was bedeutet diskretionäres Management?
Bei diskretionären AMCs trifft der Portfolio Manager Anlageentscheidungen nach seinem eigenen Ermessen, basierend auf seiner Markteinschätzung, Erfahrung und Analyse. Er hat die Freiheit, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und seine Strategie entsprechend anzupassen.
Der Vorteil liegt in der Anpassungsfähigkeit und der Möglichkeit, nicht quantifizierbare Faktoren wie geopolitische Ereignisse oder Marktpsychologie in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Wie funktionieren regelbasierte AMCs?
Regelbasierte AMCs folgen einem systematischen, oft quantitativen Ansatz. Die Anlageentscheidungen werden auf Basis vorher definierter Regeln und Algorithmen getroffen, die bestimmte Marktindikatoren, Faktoren oder andere objektive Kriterien berücksichtigen.
Diese AMCs zeichnen sich durch eine hohe Konsistenz und Disziplin in der Strategieumsetzung aus und sind weniger anfällig für emotionale Entscheidungen oder Verhaltensverzerrungen.

AMCs im Vergleich zu anderen Anlageprodukten
Um die Besonderheiten von AMCs vollständig zu verstehen, ist ein Vergleich mit verwandten Finanzprodukten hilfreich.
| Merkmal | AMCs | Traditionelle Fonds | ETFs | Klassische strukturierte Produkte |
|---|---|---|---|---|
| Regulierung | Strukturiertes Produkt | KAG/UCITS | KAG/UCITS | Strukturiertes Produkt |
| Management | Aktiv | Aktiv | Passiv | Statisch (keine Verwaltung) |
| Time-to-Market | 2-3 Wochen | 3-6 Monate | 3-6 Monate | 1-2 Wochen |
| Anlegerschutz | Emittentenrisiko | Sondervermögen | Sondervermögen | Emittentenrisiko |
| Flexibilität für Manager | Hoch | Eingeschränkt | Minimal | Nicht vorhanden |
| Liquidität | Täglich/wöchentlich | Täglich | Während Börsenzeiten | Je nach Produkt |
AMCs vs. traditionelle Investmentfonds
Im Gegensatz zu traditionellen Investmentfonds sind AMCs in der Schweiz nicht dem Kollektivanlagengesetz (KAG) unterstellt, sondern werden als strukturierte Produkte klassifiziert. Dies bringt weniger regulatorische Einschränkungen, aber auch geringeren Anlegerschutz mit sich.
AMCs bieten kürzere Lancierdauern (2-3 Wochen vs. 3-6 Monate bei Fonds) und mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Anlagestrategie. Anleger tragen dabei das Emittentenrisiko. Bei einem vertraglichen Anlagefonds wird das Fondsvermögen im Konkurs der Fondsleitung zugunsten der Anleger abgesondert (Sondervermögen). Vor Marktverlusten schützt diese Trennung nicht.
AMCs vs. ETFs
Im Vergleich zu Exchange Traded Funds (ETFs) sind AMCs aktiv verwaltet statt passiv einen Index abzubilden. Dies führt zu höheren Verwaltungsgebühren, bietet aber das Potenzial für Überrenditen durch aktives Management. Ob aktives Management die höheren Kosten wieder einspielt, hängt von Strategie und Zeitraum ab.
AMCs weisen in der Regel eine geringere Liquidität als börsengehandelte ETFs auf, bieten dafür aber eine breitere Palette an Anlagestrategien, darunter auch solche, die in ETF-Form nicht verfügbar sind.
AMCs vs. klassische strukturierte Produkte
Anders als traditionelle strukturierte Produkte haben AMCs keine feste Laufzeit (bei offenen Strukturen) und bieten eine fortlaufende aktive Verwaltung. Klassische strukturierte Produkte haben dagegen oft einen festgelegten Auszahlungsmechanismus und eine definierte Laufzeit.
AMCs ermöglichen eine flexible Anpassung der Strategie über die Zeit, während klassische strukturierte Produkte eine fixe Payoff-Struktur aufweisen.
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Die fünf Unterscheidungen im Überblick
Die fünf Unterscheidungen lassen sich in vielen Varianten kombinieren, etwa zu einem offenen, strategiegebundenen Multi-Asset-AMC.
| Unterscheidung | Betroffene Eigenschaften | Relevante Produktangaben |
|---|---|---|
| Offen oder geschlossen | Liquidität, Anlagehorizont | Handelsrhythmus, Laufzeit, vorzeitige Rückgabe |
| Index- oder strategiegebunden | Transparenz, Flexibilität | Indexregeln, Berichterstattung des Managers |
| Delta-1 oder Hebel | Risiko, Verlustpotenzial | Hebelstruktur, eingesetzte Derivate |
| Single- oder Multi-Asset | Diversifikation | Zulässige Anlageklassen |
| Diskretionär oder regelbasiert | Flexibilität, Transparenz, Personenabhängigkeit | Anlagerichtlinien, Regelwerk |
Mindestbetrag, Gebühren und die genaue Ausgestaltung eines AMCs stehen im Termsheet des Emittenten. Wird ein AMC Privatkunden ausserhalb eines Vermögensverwaltungsmandats angeboten, braucht es zusätzlich ein Basisinformationsblatt.
Fazit
Die fünf Unterscheidungen betreffen Liquidität, Risiko, Transparenz, Diversifikation und die Frage, wer die Anlageentscheide trifft. Gegenüber traditionellen Fonds sind AMCs schneller lanciert und in der Strategie flexibler, dafür trägt der Anleger das Emittentenrisiko. Als strukturierte Produkte sind AMCs nicht dem Kollektivanlagengesetz (KAG) unterstellt, für ihr Angebot gilt das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG).
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.