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AMC auflegen in der Schweiz: Schritt für Schritt

Blog
von Francesco Piovesan
Stahlträger-Konstruktion eines Gebäudes im Bau gegen hellen Himmel

Ein eigenes Actively Managed Certificate aufzulegen, verwandelt eine Anlagestrategie in ein handelbares, über eine ISIN zeichenbares Zertifikat. Wir zeigen den Weg von der Idee über die Emittentin bis zur Zeichnung, inklusive der regulatorischen Pflichten.

Eine überzeugende Anlagestrategie ist das eine, sie in ein zeichenbares Produkt zu überführen das andere. Ein Actively Managed Certificate (AMC) ist für Vermögensverwalter und Finanzintermediäre der pragmatische Weg dahin: ohne den Aufwand einer eigenen Fondsauflage, aber mit einem handelbaren, über eine ISIN abbildbaren Zertifikat. Dieser Beitrag zeigt, wie die Auflage in der Schweiz abläuft und welche regulatorischen Pflichten dazugehören.

Ein AMC aufzulegen bedeutet, eine definierte Anlagestrategie über eine beaufsichtigte Emittentin als strukturiertes Produkt zu verbriefen. Rechtlich entsteht eine Schuldverschreibung: Anlegerinnen und Anleger halten eine Forderung gegen die Emittentin, keinen Anteil an einem separaten Vermögen. Der Basiswert wird während der Laufzeit diskretionär nach der festgelegten Strategie verwaltet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Emittentin ist Pflicht: In der Schweiz darf ein AMC nur von einem beaufsichtigten Institut emittiert werden, in der Regel einer Bank (etwa UBS oder Goldman Sachs).
  • AMC Advisor bringt die Strategie: Der Vermögensverwalter entwickelt die Strategie und begleitet den Basiswert laufend; die Emission liegt bei der Emittentin.
  • Rechtsrahmen: Ein AMC fällt unter FIDLEG und FINIG, ist aber keine kollektive Kapitalanlage nach KAG. Massgebend ist zudem das FINMA-Rundschreiben 2025/2 (in Kraft seit 1. Januar 2025).
  • Dokumentation je nach Zielmarkt: Öffentliches Angebot an Private verlangt Prospekt und Basisinformationsblatt (BIB); ein Private Placement an professionelle Anleger nicht.
  • Zeitrahmen: Bei Everon in der Regel rund drei Wochen bis zur Zeichenbarkeit.

Lesetipp: Actively Managed Certificates (AMCs): Erklärung und Einblicke

Welche Schritte umfasst die Auflage eines AMC?

Die Auflage eines AMC verläuft in der Regel in fünf Schritten: die Anlagestrategie definieren, eine beaufsichtigte Emittentin auswählen, die Rolle des AMC Advisors festlegen, die Produktdokumentation erstellen und die Zeichnung eröffnen. Danach beginnt die laufende Bewirtschaftung des Basiswerts. Jeder Schritt hat eigene fachliche und regulatorische Anforderungen.

Am Anfang steht die Anlagestrategie: Basiswerte, Anlageuniversum, Zielmarkt und Umschichtungsregeln werden festgelegt. Darauf folgt die Wahl der Emittentin, deren Bonität unmittelbar das Emittentenrisiko bestimmt. Sind Strategie und Emittentin geklärt, werden die Rollen zwischen Emittentin, AMC Advisor und weiteren Dienstleistern sauber getrennt, die Dokumentation erstellt und eine ISIN beantragt. Mit der Zeichnung wird das Zertifikat handelbar.

Welche Rolle spielt die Emittentin?

Die Emittentin ist das rechtliche und regulatorische Rückgrat der Auflage. Nur ein beaufsichtigtes Institut, in der Regel eine Bank, darf ein AMC in der Schweiz rechtssicher ausgeben. Emittenten wie UBS oder Goldman Sachs verfügen über die nötige Zulassung und Infrastruktur. Die Emittentin setzt die Strategie synthetisch um und trägt die rechtliche Verantwortung für das Zertifikat.

Aus der Konstruktion folgt das zentrale Risiko. Weil das AMC eine Forderung gegen die Emittentin ist, hängt die Rückzahlung von deren Zahlungsfähigkeit ab. Die Emittentenqualität ist deshalb kein Nebenaspekt, sondern ein Kernkriterium der Auflage. Eine Pfandbesicherung (COSI) kann das Emittentenrisiko reduzieren; Voraussetzungen und Reichweite richten sich nach den Empfehlungen der Swiss Structured Products Association (SSPA).

Welche Rolle übernimmt ein AMC Advisor wie Everon?

Der AMC Advisor bringt die Anlagekompetenz in die Auflage ein. Everon entwickelt in dieser Rolle die Anlagestrategie und übernimmt die laufende Portfoliobegleitung: Innerhalb der definierten Strategie passt der Advisor die Zusammensetzung des Basiswerts an und schichtet um. Die Emission und die rechtliche Verantwortung bleiben bei der Emittentin. Diese Funktionstrennung ist gewollt.

Die klare Trennung zwischen Emittentin, Advisor und weiteren Dienstleistern minimiert Interessenkonflikte und schafft nachvollziehbare Verantwortlichkeiten. Seit Juni 2026 hat die FINMA mit der Aufsichtsmitteilung 03/2026 zu Produktrisiken in der individuellen Vermögensverwaltung den Umgang mit Interessenkonflikten beim Einsatz von Produkten, insbesondere hauseigener AMCs, zusätzlich in den Fokus gerückt: gefordert sind Transparenz über das berücksichtigte Produktuniversum, objektive Auswahlkriterien und die Offenlegung unvermeidbarer Konflikte. Für den Finanzintermediär bedeutet die Zusammenarbeit mit einem AMC Advisor, dass er seine Strategie umsetzen kann, ohne die regulatorische Infrastruktur einer Emittentin selbst aufzubauen.

Welche regulatorischen Pflichten gelten bei der Auflage?

Ein AMC ist ein strukturiertes Produkt und fällt unter FIDLEG und FINIG, nicht unter das KAG. Die Abgrenzung folgt dem Grundsatz «form over substance»; in Grenzfällen empfiehlt sich eine vorgängige rechtliche Einschätzung oder eine Klärung mit der FINMA. Der Dokumentationsumfang richtet sich nach dem Zielmarkt.

Bei einem öffentlichen Angebot an Privatkunden sind ein Prospekt und ein Basisinformationsblatt (BIB) zu erstellen, und das Produkt darf nur von oder mit Garantie eines beaufsichtigten Instituts vertrieben werden. Bei einem Private Placement ausschliesslich an professionelle oder institutionelle Anleger entfallen Prospekt- und BIB-Pflicht. Massgebend ist zudem das FINMA-Rundschreiben 2025/2 «Verhaltenspflichten nach FIDLEG/FIDLEV» (in Kraft seit 1. Januar 2025): Es behandelt AMCs ausdrücklich als eigene Finanzinstrumente, sofern der Vermögensverwalter die Basiswerte in nicht unerheblichem Umfang mitgestaltet, und verlangt entsprechende Informations- und Interessenkonflikt-Offenlegungen. Dies stellt keine Rechtsberatung dar und ersetzt keine Einzelfallprüfung.

Wie lange dauert es, ein AMC aufzulegen?

Ein massgeschneidertes AMC lässt sich bei Everon in der Regel innerhalb von rund drei Wochen aufsetzen. Damit lässt sich eine Anlageidee vergleichsweise rasch in ein handelbares Instrument überführen. Die tatsächliche Dauer hängt von der Komplexität der Strategie, der gewählten Emittentin und dem Dokumentationsumfang ab.

Ein Private Placement an professionelle Anleger ist wegen der entfallenden Prospekt- und BIB-Pflicht meist schneller umsetzbar als ein öffentliches Angebot an Privatkunden. Der Zeitrahmen bleibt in beiden Fällen überschaubar, gerade im Vergleich zur Auflage eines eigenen Fonds.

Häufige Fragen zum Auflegen eines AMC

Wer darf in der Schweiz ein AMC auflegen?

Emittieren darf ein AMC nur ein beaufsichtigtes Institut, in der Regel eine Bank. Der Vermögensverwalter oder Finanzintermediär bringt die Anlagestrategie ein und begleitet als AMC Advisor die laufende Bewirtschaftung des Basiswerts, während die rechtliche Ausgabe des Zertifikats bei der Emittentin liegt. Dies stellt keine Anlageberatung dar.

Wie lange dauert es, ein AMC aufzulegen?

Ein massgeschneidertes AMC lässt sich bei Everon in der Regel innerhalb von rund drei Wochen aufsetzen. Die tatsächliche Dauer hängt von der Komplexität der Strategie, der gewählten Emittentin und dem Dokumentationsumfang ab, insbesondere davon, ob sich das Produkt an professionelle oder auch an private Anleger richtet.

Welche Dokumentation braucht ein AMC?

Bei einem öffentlichen Angebot an Privatkunden sind nach FIDLEG ein Prospekt und ein Basisinformationsblatt (BIB) zu erstellen. Bei einem Private Placement ausschliesslich an professionelle oder institutionelle Anleger entfallen Prospekt- und BIB-Pflicht. In beiden Fällen erhält das Zertifikat eine ISIN und wird über die Emittentin handelbar gemacht.

Welches Risiko trägt ein AMC strukturell?

Ein AMC ist rechtlich eine Schuldverschreibung, also eine Forderung gegen die Emittentin, kein Anteil an einem separaten Fondsvermögen. Fällt die Emittentin aus, droht ein Teil- bis Totalverlust, unabhängig von der Wertentwicklung des Basiswerts. Eine Pfandbesicherung (COSI) kann dieses Emittentenrisiko reduzieren. Dies stellt keine Anlageberatung dar.

Möchten Sie als Finanzintermediär ein AMC auflegen? Sprechen Sie mit uns.

Francesco Piovesan
Über den Autor

Francesco Piovesan

Chief Commercial Officer bei Everon
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.

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