Internationale Diversifikation: Chancen und Risiken
Im weltweit investierbaren Aktienmarkt entfallen auf die USA allein 62,5 Prozent. Was internationale Diversifikation bewirkt, was Währungsabsicherung kostet und welche Steuerfolgen ausländische Erträge haben.
Schweizer Anlegerportfolios gewichten den Heimatmarkt regelmässig höher, als es seinem Anteil am weltweiten Aktienmarkt entspricht. Im MSCI ACWI IMI, der rund 99 Prozent des investierbaren Aktienmarkts abbildet, entfallen auf die USA allein 62,5 Prozent; die Schweiz erreicht nicht einmal den Anteil Kanadas von 3,1 Prozent (Stand August 2026). Internationale Diversifikation verteilt ein Vermögen auf verschiedene Länder und Währungsräume.
Damit verbunden sind zwei Themen, die der Heimatmarkt nicht kennt: das Wechselkursrisiko und die Besteuerung ausländischer Erträge.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Risikostreuung über Grenzen hinweg verteilt ein Portfolio auf Märkte mit unterschiedlichen Wirtschaftszyklen. Regionenspezifische Risiken wirken dadurch auf einen kleineren Teil des Vermögens.
- Währungsschwankungen von 10 bis 20 Prozent innerhalb weniger Jahre sind normal: sie können Ihre Rendite steigern oder schmälern.
- Absicherung kostet in der Regel Geld. Wie viel, bestimmt die Zinsdifferenz zwischen den Währungen.
- Deklarationspflicht gilt für alle Wertschriften und Guthaben, in- wie ausländische. Ausländische Quellensteuer kann unter Bedingungen angerechnet oder zurückgefordert werden.
- Ein Vermögensverwaltungsmandat übernimmt Titelauswahl, Absicherungsquote und Rebalancing.
Was geografische Streuung im Portfolio bewirkt
Die Übergewichtung des Heimatmarkts trägt den Namen Home Bias. Sie konzentriert das Vermögen auf einen Wirtschaftsraum und eine Währung und betrifft nicht nur Schweizer Portfolios.
Die Schweiz verfügt über global tätige Unternehmen wie Nestlé, Novartis oder Roche. Ein Portfolio aus Schweizer Titeln bleibt aber an einen Markt und eine Währung gebunden, auch wenn die Umsätze dieser Konzerne weltweit anfallen.
Während der europäische Markt stagniert, können asiatische Märkte boomen. Amerikanische Technologiewerte entwickeln sich oft unabhängig von Schweizer Bankaktien. Je niedriger die Korrelation zwischen zwei Märkten, desto weniger bewegen sie sich im Gleichschritt.
Darin liegt die Wirkung der geografischen Streuung: Ein Ereignis, das einen Markt trifft, erfasst nur den Teil des Vermögens, der dort liegt. Der MSCI World Index etwa bildet 1’280 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab (Stand August 2026); Schwellenländer enthält er nicht. Solche Indizes verteilen das Vermögen über viele Märkte, gewichten sie aber nach Marktkapitalisierung.
Zinsniveaus, Bewertungen und Wachstumsraten unterscheiden sich zwischen den Regionen. Ein global gestreutes Portfolio ist diesen Unterschieden ausgesetzt, ein national konzentriertes nicht.
Lesetipp: Diversifizierung als Schlüssel zur Minimierung von Risiken im Portfolio

Währungsrisiken verstehen und einordnen
Fremdwährungsanlagen bringen eine zusätzliche Dimension ins Portfolio: das Wechselkursrisiko.
Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie investieren 100’000 CHF in amerikanische Aktien. Der Wechselkurs steht bei 1.00 USD/CHF. Sie erhalten also Wertpapiere im Gegenwert von 100’000 USD. Nach einem Jahr steigen Ihre Aktien um zehn Prozent, ein erfreulicher Gewinn. Doch gleichzeitig wertet der Schweizer Franken auf 0.90 USD/CHF auf. In Franken gerechnet sind Ihre 110’000 USD noch 99’000 CHF wert. Aus dem Kursgewinn von zehn Prozent wird damit ein Verlust von 1’000 CHF gegenüber Ihrem Einsatz.
Währungsschwankungen von zehn bis zwanzig Prozent innerhalb weniger Jahre sind keine Seltenheit. Sie werden durch zahlreiche Faktoren beeinflusst: volkswirtschaftliche Entwicklungen, Zentralbankpolitik, geopolitische Ereignisse und Marktstimmungen.
Der Schweizer Franken gilt traditionell als sicherer Hafen. In Krisenzeiten flüchten Anleger in die Stabilität der Schweiz. Der Franken wertet auf. Diese Aufwertung mindert die Rendite Ihrer Auslandsinvestitionen. Umgekehrt erhöht eine Abschwächung des Frankens den Frankenwert von Fremdwährungsanlagen.
Drei Arten von Devisenrisiken wirken unterschiedlich:
- Transaktionsrisiko entsteht bei konkreten Zahlungsströmen. Sie kaufen heute eine Anleihe, die in zwei Jahren fällig wird. Der Rückzahlungsbetrag steht fest, aber nicht der Wechselkurs zum Rückzahlungszeitpunkt.
- Bewertungsrisiko betrifft den Wert, der im Depot steht. Halten Sie einen Fonds oder eine Anleihe, die auf Dollar lauten, schwankt deren Frankenwert mit dem Kurs, auch wenn Sie nichts kaufen oder verkaufen.
- Ökonomisches Risiko wirkt über das Geschäft. Wertet der Franken stark auf, werden Schweizer Unternehmen im Export weniger wettbewerbsfähig. Auch bei Konzernen mit Töchtern im Ausland wirkt der Wechselkurs über Kosten, Preise und Margen des Geschäfts, nicht über eine Umrechnung des Aktienkurses.
Währungsabsicherung: Wirkung, Kosten und Strategien
Eine Währungsabsicherung bewegt sich zwischen drei Grössen, die zusammenhängen:
- Absicherungswirkung beschreibt, wie vollständig Sie sich vor Wechselkursschwankungen schützen. Sie reicht von keiner Absicherung bis zu einer weitgehenden.
- Kosten richten sich im Kern nach der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen. Ist die Fremdwährung höher verzinst, kostet die Absicherung, bei grosser Differenz mehrere Prozent pro Jahr. Im umgekehrten Fall kann sie einen Ertrag bringen.
- Flexibilität bedeutet, dass Sie auf veränderte Marktbedingungen reagieren können. Manche Instrumente binden Sie langfristig, andere erlauben Anpassungen.
Je höher die Absicherungswirkung, desto stärker wirken diese Kosten. Wie stark die Absicherung bindet, hängt dagegen nicht von ihrer Höhe ab, sondern vom Instrument.
Drei Absicherungsstrategien stehen zur Wahl:
- Die ungesicherte Strategie verzichtet auf Absicherung. Es fallen keine Absicherungskosten an, dafür schlagen Wechselkursbewegungen ungedämpft auf den Portfoliowert durch, in beide Richtungen.
- Die Teilabsicherung deckt beispielsweise 50 Prozent der Fremdwährungspositionen. Absicherungskosten und Wechselkursrisiko fallen damit je zur Hälfte an.
- Die Vollabsicherung deckt das Währungsrisiko weitgehend ab. Sie kostet bei höher verzinster Fremdwährung von den drei Varianten am meisten und schliesst Währungsgewinne aus.
Absicherungsinstrumente für Privatanleger umfassen währungsgesicherte ETFs. Diese übernehmen die komplexe Absicherungsarbeit für Sie. Institutionelle Anleger nutzen Devisentermingeschäfte oder Währungsoptionen, Instrumente, die für Privatanleger meist zu komplex und kostenintensiv sind.
Ist die Fremdwährung höher verzinst, fallen die Absicherungskosten über die gesamte Haltedauer an und summieren sich über lange Zeiträume stärker als über kurze. Über kurze Zeiträume wiegt dagegen die Wechselkursbewegung schwerer.
Lesetipp: Private Equity: Eine Anlageklasse auch für Privatanleger?

Steuerfolgen für Schweizer Anleger
Grenzüberschreitende Anlagen bringen steuerliche Pflichten mit sich.
Deklarationspflicht: Wertschriften und Guthaben gehören ins Wertschriften- und Guthabenverzeichnis der Steuererklärung, inländische wie ausländische. Über den automatischen Informationsaustausch (AIA) erhalten die Schweizer Steuerbehörden in vielen Fällen ohnehin Kenntnis von Konten im Ausland; der AIA gilt gegenüber Partnerstaaten und für Finanzkonten bei meldenden Finanzinstituten.
Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden unterliegen der Einkommenssteuer. Viele Länder erheben darauf eine ausländische Quellensteuer. Die Schweiz hat mit den meisten Staaten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen. Sie regeln, welcher Teil einer ausländischen Quellensteuer beim Quellenstaat zurückgefordert und welcher Teil an die Schweizer Steuer angerechnet werden kann.
Jedes Abkommen legt fest, welcher Satz im Quellenstaat verbleiben darf. Was darüber hinaus einbehalten wurde, ist dort zurückzufordern. Der verbleibende Teil ist in der Schweiz anrechenbar, und die Beträge aus allen Quellenstaaten werden dabei zu einer einzigen Anrechnung zusammengefasst. Sie ist auf die Schweizer Steuer auf denselben Erträgen begrenzt, setzt Wohnsitz in der Schweiz und einen fristgebundenen Antrag voraus und verlangt, dass die Erträge brutto deklariert und hier steuerbar sind. Erreichen die nicht rückforderbaren Steuern eines Jahres zusammen nicht mehr als 100 Franken, entfällt sie. Bei Fonds mit ausländischem Domizil fällt die Quellensteuer zudem auf Fondsebene an und ist für den Anleger nicht anrechenbar.
Währungsgewinne im Privatvermögen sind steuerfrei, solange kein gewerbsmässiger Wertschriftenhandel vorliegt. Wird eine amerikanische Aktie mit Gewinn verkauft und wirkt dabei ein günstiger Wechselkurs, bleibt dieser Währungsgewinn unversteuert. Umgekehrt können Sie Währungsverluste nicht steuerlich absetzen.
Verrechnungssteuer von 35 Prozent fällt auf Schweizer Kapitalerträge an, nicht auf ausländische. Bei Wohnsitz in der Schweiz ist sie rückforderbar, wenn die Erträge deklariert sind und der Antrag innert drei Jahren nach Ablauf des Fälligkeitsjahres gestellt wird. Danach verwirkt der Anspruch.
Die Umsatzabgabe, eine der Stempelabgaben, fällt an, wenn ein inländischer Effektenhändler am Geschäft beteiligt ist, und zwar bei Käufen wie bei Verkäufen. Sie beträgt 1,5 Promille auf inländische und 3,0 Promille auf ausländische Urkunden, wobei je eine halbe Abgabe auf jede Vertragspartei entfällt. Für den Anleger sind das bei ausländischen Titeln 0,15 Prozent, bei 100’000 CHF also 150 CHF. Ohne Beteiligung eines inländischen Effektenhändlers entsteht die Abgabe nicht.
Die Deklaration ausländischer Erträge ist aufwendiger als die inländischer. Ein Vermögensverwaltungsmandat umfasst in der Regel ein Steuerreporting, das die für die Steuererklärung nötigen Angaben zusammenstellt.
Praktische Umsetzung der internationalen Diversifikation
Internationale Diversifikation wirkt über vier Ebenen: Regionen, Branchen, Anlageklassen und Unternehmensgrössen. Umgesetzt wird sie häufig über breite Indexfonds.
- Regionen werden in global gestreuten Indizes nach Marktkapitalisierung gewichtet. Im MSCI ACWI IMI entfallen auf die USA 62,5 Prozent, auf Japan 5,7 Prozent, auf Taiwan 3,3 Prozent, auf Grossbritannien 3,2 Prozent und auf Kanada 3,1 Prozent (Stand August 2026). Marktkapitalisierung ist eine von mehreren möglichen Gewichtungslogiken, keine Zielvorgabe.
- Branchen reagieren nicht gleichzeitig auf dieselben Marktbewegungen. Technologie, Gesundheitswesen, Finanzen, Industrie und Konsumgüter entwickeln sich unterschiedlich. Im MSCI ACWI IMI entfallen allein auf die Informationstechnologie 29,6 Prozent.
- Anlageklassen verhalten sich unterschiedlich zueinander. Aktien, Obligationen, Immobilien und Rohstoffe schwanken nicht im Gleichschritt. In Krisenphasen steigen die Korrelationen zwischen Anlageklassen allerdings an, gerade dann also, wenn die Streuung wirken soll.
- Unternehmensgrösse beeinflusst Handelbarkeit und Schwankungsbreite. Large Caps werden in grösseren Volumen gehandelt, Small und Mid Caps schwanken stärker.
Innerhalb der Regionen unterscheiden sich entwickelte Märkte und Schwellenländer. Entwickelte Märkte weisen höhere Handelsvolumen und engere Geld-Brief-Spannen auf, Schwellenländer-Aktien historisch höhere Wertschwankungen. Das Factsheet des MSCI ACWI IMI weist neben den USA, Japan, Taiwan, Grossbritannien und Kanada keine weiteren Länder einzeln aus; auf alle übrigen zusammen entfallen 22,2 Prozent, Industrie- und Schwellenländer gemeinsam. Der US-Anteil von 62,5 Prozent bedeutet, dass ein marktkapitalisierungsgewichtetes Weltportfolio stark von einem einzigen Markt und einer einzigen Währung abhängt.
ETFs als Umsetzungsinstrument bilden einen Index mit einem einzigen Wertpapier ab, samt seiner Gewichtung. Was die Fondsführung jährlich kostet, steht als Gesamtkostenquote im Factsheet des Fonds.
Ohne Rebalancing verschiebt sich die Gewichtung eines Portfolios mit der Marktentwicklung. Hat sich eine Region besser entwickelt als die anderen, wächst ihr Anteil über die ursprüngliche Zielgewichtung hinaus. Ein Rebalancing stellt die Ausgangsgewichtung wieder her, indem es in den stärker gewichteten Positionen reduziert und in den schwächer gewichteten aufstockt.
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Everon als Partner für internationale Vermögensverwaltung
Global investieren verlangt laufende Titelauswahl, eine Absicherungsentscheidung und ein regelmässiges Rebalancing. Everon übernimmt diese Arbeiten im Rahmen eines Vermögensverwaltungsmandats.
Als FINMA-bewilligter Vermögensverwalter unterstehen wir dem FINIG und der laufenden Aufsicht durch eine Aufsichtsorganisation, die uns periodisch prüft. Unsere Anlagestrategien werden nach den regulatorischen Anforderungen entwickelt und überwacht.
Systematisch statt situativ: Unser quantitativer Ansatz legt die Auswahlregeln vorab fest und wendet sie unabhängig von der Marktstimmung an. Die hauseigene Everon Portfolio Engine analysiert Wertpapiere weltweit und bewertet sie nach festgelegten Faktoren. Das Anlageuniversum ist global und nicht auf den Heimatmarkt beschränkt.
Drei internationale Strategien stehen zur Wahl:
- Die Smart Global Markets Strategie bildet die globale Marktentwicklung ab. Wir nutzen ETFs und Indexfonds mit Fokus auf Qualität und Momentum. Von defensiv (20 Prozent Aktien) bis dynamisch (100 Prozent Aktien) passen wir die Strategie an Ihr Risikoprofil an.
- Die Multifactor Strategie investiert systematisch in internationale Aktien, Obligationen, Immobilien und Rohstoffe. Unser Multifactor-Modell bewertet jeden Titel nach mehreren Kriterien und aggregiert diese zu einem Gesamt-Score. Die Strategie streut über Anlageklassen und Regionen.
- Private Markets eröffnen Zugang zu internationalen Private Equity, Private Debt und Private Real Estate Investments. Diese alternativen Anlagen waren früher institutionellen Investoren vorbehalten. Wir nutzen ausschliesslich semi-liquide Produkte.
Währungsmanagement ist Teil des Mandats. Je nach Marktlage und Risikoprofil passen wir die Absicherungsquoten an und wickeln die Devisengeschäfte ab.
Die Verwaltungsgebühr ist im Mandatsvertrag festgehalten. Depot- und Transaktionskosten stellt die Depotbank gesondert in Rechnung.
Die Everon App zeigt das international diversifizierte Portfolio jederzeit an. Onboarding, Risikoprofilierung und Portfolioübersicht laufen über dieselbe Anwendung.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.