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Die Income-Strategie: Aufbau, Vorteile und ein Praxistest am 29. Oktober

Blog
von Jonas Bächinger
Luftaufnahme einer Pappelpflanzung im Winter: Reihen gleich hoher, kahler Bäume mit hellen Stämmen, deren lange Schatten über den Boden laufen.

Die Income-Strategie setzt auf breit gestreute, ausschüttungsstarke Unternehmen statt auf die grössten Titel im Index. Hier zeigen wir, wie der Baustein aufgebaut ist, welche Vorteile diese Struktur bringt und wo ihre Grenzen liegen. Ein aktuelles Beispiel liefert der 29. Oktober, an dem die Struktur vor allem in Nordamerika gut funktioniert hat.

So funktioniert der Block

Der Income-Baustein Nordamerika hält derzeit 34 Titel aus den USA und Kanada. Ein Scoring-Modell bewertet jeden Titel monatlich. Stark gewichtet sind Dividendenrendite und Dividendenwachstum, ergänzt durch Momentum. Sektorbandbreiten verhindern, dass ein einzelner Sektor das Portfolio dominiert.

Das Gewicht eines Titels hängt nicht von seiner Marktkapitalisierung ab. Damit fehlt der Mechanismus, der kapitalgewichtete Indizes immer stärker auf wenige Grosskonzerne konzentriert. Im S&P 500 machen die zehn grössten Titel über ein Drittel des Index aus (ETF Central), im Income-Block hat keine Position mehr als 4.5%.

Das Ergebnis ist ein Portfolio mit Schwerpunkt bei Gesundheit, Basiskonsum, Finanzen und Energie, also bei Geschäftsmodellen mit planbaren Cashflows. Technologie ist vertreten, aber über etablierte Dividendenzahler wie IBM und Qualcomm, nicht über die grossen Wachstumswerte.

Weniger Schwankung, kleinere Rückschläge

Dividendenstrategien schwanken typischerweise weniger als der Gesamtmarkt und verlieren in Korrekturen weniger. Dafür gibt es drei strukturelle Gründe.

  • Stabile Geschäftsmodelle. Wer über Jahre Dividenden zahlt und erhöht, braucht planbare Cashflows. Die Gewinne von Pharma, Basiskonsum oder Versorgern hängen weniger an Konjunktur und Technologiezyklen.
  • Kleinere Fallhöhe. Dividendentitel sind meist tiefer bewertet als Wachstumswerte. Ein Teil der Rendite kommt als laufende Ausschüttung, nicht aus Erwartungen an die ferne Zukunft. Werden Erwartungen enttäuscht, fällt der Kurs weniger tief.
  • Cash statt Investitionsversprechen. Alphabet wurde am 29. Oktober vor allem für einen negativen Free Cashflow bei steigenden Investitionsplänen abgestraft (Current Logic). Dividendenzahler stehen auf der anderen Seite dieser Debatte: Sie geben Cash an die Aktionäre zurück.

Die Langfristdaten zum S&P 500 Dividend Aristocrats Index stützen das. Von 2005 bis März 2023 lag die Upside-Capture bei 91% und die Downside-Capture bei 80%. 2022 schlug der Index den S&P 500 um rund 12 Prozentpunkte, und in acht der zehn schwächsten Quartale seit 2005 schnitt er besser ab (ProShares via ETF.com). Auch in Phasen mit einem VIX über 20 lag er im Schnitt klar vorne (S&P DJI Indexology).

Der Everon-Block ist nicht identisch mit diesem Index, folgt aber derselben Logik: Qualität der Ausschüttung vor Grösse des Unternehmens.

Die Struktur am Beispiel des 29. Oktober

Am 29. Oktober fiel Alphabet nach seinen Quartalszahlen um fast 13%. Der S&P 500 gab 0.3% nach, der Nasdaq 1.4%. Der Income-Baustein Nordamerika schloss den Tag mit +1.5%. 33 der 34 Titel lagen im Plus, vorne Konsum- und Pharmawerte wie Altria, Philip Morris und Merck. Gesundheitswerte stiegen kräftig und erreichten zeitweise ein Rekordhoch (StockTitan).

Das Ergebnis kam nicht aus einem einzelnen Treffer, sondern aus der Breite. Im S&P 500 reichte dagegen ein Titel, um den Index ins Minus zu drehen, obwohl die meisten Aktien stiegen: Die gleichgewichtete Variante des Index legte am selben Tag 1.2% zu (Saxo). Für genau solche Marktphasen ist die Struktur gedacht.

Punktdiagramm der Tagesrenditen vom 29. Oktober 2026: je ein Kreis pro Aktie, die Kreisfläche entspricht dem Portfoliogewicht, fast alle Kreise liegen rechts der NulllinieGrafik (englisch beschriftet): Tagesrenditen der Einzeltitel im Income-Baustein Nordamerika am 29. Oktober 2026. Jeder Kreis steht für einen Titel, die Fläche für sein Gewicht. Preisrenditen in USD, Schlusskurse 28. und 29. Oktober 2026, auf Basis der Modellgewichte per Oktober 2026. Quellen: Everon, LSEG.

Jeder Sektor im Block schloss den Tag im Plus. Die beiden grössten Defensivsektoren trugen mehr als die Hälfte des Ertrags.

Der Preis dafür

Ein einzelner Handelstag belegt keine Outperformance. Und derselbe Mechanismus wirkt auch in die andere Richtung: Ziehen wenige grosse Technologiewerte den Markt nach oben, liegt eine Income-Strategie hinter dem S&P 500 und deutlich hinter dem Nasdaq.

Die Langfristzahlen zeigen das ebenfalls. Über zehn Jahre bis Ende 2024 erzielte der Dividend Aristocrats Index 9.81% pro Jahr, der S&P 500 13.09% (ProShares). Wer tiefere Schwankungen will, verzichtet in starken Tech-Phasen auf einen Teil des Aufwärtspotenzials.

Deshalb sehen wir die Income-Strategie nicht als Ersatz für ein Marktportfolio, sondern als Baustein daneben. Sie verteilt das Risiko anders und federt Phasen ab, in denen der Index von wenigen Namen abhängt.

Fazit

Die Income-Strategie Nordamerika ist auf Breite, Dividendenqualität und Unabhängigkeit von einzelnen Grosskonzernen ausgelegt. Das dämpft Schwankungen und Rückschläge, kostet aber in Tech-getriebenen Rallys Rendite. Der 29. Oktober war ein Tag, an dem die Vorteile dieser Struktur gut sichtbar wurden.

Angaben: Preisrenditen 28.10. bis 29.10.2026 in USD, ohne Dividenden und Kosten, auf Basis der Modellgewichte per Oktober 2026. Index- und Marktdaten von Drittanbietern.

Quellen

Jonas Bächinger
Über den Autor

Jonas Bächinger

CIO & Co-Founder bei Everon
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