Factor Investing mit Everon
Faktorprämien wie Value, Momentum und Qualität sind seit Jahrzehnten wissenschaftlich dokumentiert. Wir erklären, was hinter den Faktoren steckt, warum sie historisch Prämien lieferten und wie Everon sie in einer systematischen Multifaktorstrategie kombiniert.
Faktorprämien gehören zu den am besten dokumentierten Phänomenen der modernen Finanzwissenschaft. Dieser Beitrag beleuchtet den wissenschaftlichen Hintergrund der Everon-Anlagestrategie: zuerst die Entdeckung einzelner Faktoren, dann ihre konkrete Anwendung im Portfolio. Der Fokus liegt auf Aktien, einzelne Faktoren lassen sich aber auch auf andere Anlageklassen übertragen.
Faktorprämien, auch Faktor-Investing genannt, bezeichnen zusätzliche Renditen, die bestimmte messbare Aktienmerkmale historisch über die breite Marktrendite hinaus geliefert haben. Zu den bekanntesten Faktoren zählen Value, Size, Momentum und Qualität. Sie beruhen auf ökonomischen Erklärungen und langen empirischen Datenreihen, sind aber zeitvariabel und keine Garantie für künftige Renditen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ursprung: Das Capital Asset Pricing Model (Sharpe 1964) erklärte Renditen nur über das Marktrisiko; empirisch erwies es sich als zu einfach (Fama und French, 2004).
- Drei-Faktoren-Modell: Fama und French (1992, 1993) ergänzten Market um Size und Value; Carhart (1997) fügte Momentum hinzu.
- Fundamentale Faktoren heute: Value, Size, Momentum, Volatilität, Dividendenrendite und Qualität stützen sich auf eine solide Forschungsbasis (Bender et al., 2013).
- Zeitvariabel: Faktorprämien treten unregelmässig auf; ein Faktor kann über Jahre unter dem Markt liegen. Historische Prämien sind keine Zusage für die Zukunft.
- Kombination schlägt Einzelfaktor: Die Kombination mehrerer Faktoren in einem Portfolio kann vorteilhafter sein als die Einzelanlage in jeden Faktor (S&P Dow Jones Indices, 2018).
Was sind Faktorprämien?
Faktorprämien sind der Teil der Aktienrendite, der sich nicht allein durch das allgemeine Marktrisiko erklären lässt, sondern durch systematische Merkmale einzelner Titel. Ein günstiger Bewertungsstil (Value), eine kleine Marktkapitalisierung (Size) oder relative Kursstärke (Momentum) haben historisch zusätzliche Renditen geliefert, für die es ökonomische Erklärungen gibt.
Der Weg dorthin führt über die Finanzwissenschaft des letzten Jahrhunderts. Das Capital Asset Pricing Model (Sharpe 1964, Lintner 1965, Mossin 1966) führte die erwartete Überschussrendite allein auf das systematische Marktrisiko zurück. Ross (1976) verallgemeinerte dies im Arbitrage Pricing Model zu mehreren Faktoren, ohne sie ökonomisch zu benennen. Fama und French (1992, 1993) lieferten mit dem Drei-Faktoren-Modell (Market, Size, Value) die empirische Grundlage, die Carhart (1997) um Momentum erweiterte.
Welche Faktoren gelten als am besten erforscht?
Am besten untersucht sind heute die fundamentalen Faktoren: Value (günstige Bewertung), Size (kleinere Unternehmen), Momentum (jüngste relative Kursstärke), Qualität (stabile, profitable Unternehmen), Volatilität (schwankungsärmere Titel) und Dividendenrendite. Für jeden gibt es eine ökonomische Begründung, warum er in der Vergangenheit eine Risikoprämie lieferte (Bender et al., 2013).
Multifaktormodelle lassen sich in drei Gruppen einteilen: makroökonomische Faktoren (etwa Inflations- oder Zinsüberraschungen), statistische Faktoren (etwa Hauptkomponentenanalyse) und fundamentale Faktoren, die sich auf die Kennzahlen eines Unternehmens stützen. Die Everon-Strategie setzt den Schwerpunkt auf die fundamentalen Faktoren.
Funktionieren Value, Momentum und Quality heute noch?
Die ökonomische Grundlage der Faktoren gilt weiterhin, aber Faktorprämien sind zeitvariabel: Ein Faktor kann über Jahre hinter dem breiten Markt zurückbleiben, bevor er wieder eine Prämie liefert. Value durchlief in den 2010er-Jahren eine ausgeprägte Schwächephase, bevor er sich erholte. Eine historische Prämie ist deshalb nie eine Zusage für die Zukunft.
Genau daraus folgt die Konsequenz für die Portfoliokonstruktion. Weil einzelne Faktoren zu unterschiedlichen Zeiten liefern, senkt die Kombination mehrerer Faktoren die Abhängigkeit von der Schwächephase eines einzelnen. Das ist der Grund, warum eine Multifaktorstrategie einem konzentrierten Einzelfaktor-Ansatz in der Regel vorgezogen wird.
Wie kombiniert Everon die Faktoren?
Klassische Faktormodelle konstruieren jeden Faktor einzeln und sortieren Aktien getrennt nach jedem Merkmal. Das kann zu widersprüchlichen Signalen führen: Ein Titel wäre nach Momentum zu kaufen, nach Qualität aber nicht. Everon begegnet dem, indem jede Aktie gleichzeitig nach allen betrachteten Faktoren bewertet wird. Ins Portfolio kommen nur Titel, die über alle Faktoren hinweg positiv einzustufen sind.
Die Umsetzung einer sauberen Multifaktorstrategie auf Einzeltitelbasis ist aufwendig und für Privatinvestoren einzeln oft kostspielig. Über automatisierte, systematische Anlageprozesse lässt sich dieser Investmentstil effizient umsetzen. Auch hier gilt: Faktor-Investing steuert Risiken systematisch, es schliesst Verluste nicht aus.
Häufige Fragen zu Faktorprämien
Was sind Faktorprämien?
Faktorprämien sind zusätzliche Renditen, die bestimmte, wissenschaftlich beschriebene Aktienmerkmale historisch über den breiten Markt hinaus geliefert haben, etwa ein günstiger Bewertungsstil (Value) oder relative Kursstärke (Momentum). Sie beruhen auf ökonomischen Erklärungen und langen Datenreihen. Eine historische Prämie ist jedoch keine Garantie für die Zukunft. Dies stellt keine Anlageberatung dar.
Funktionieren Value, Momentum und Quality heute noch?
Die ökonomische Grundlage dieser Faktoren gilt weiterhin, doch Faktorprämien sind zeitvariabel: Ein Faktor kann über Jahre hinter dem Markt zurückbleiben, bevor er wieder Prämien liefert. Value etwa durchlief in den 2010er-Jahren eine lange Schwächephase. Deshalb kombiniert man Faktoren, statt auf einen einzelnen zu setzen. Dies stellt keine Anlageberatung dar.
Was ist der Vorteil einer Multifaktorstrategie?
Einzelne Faktoren liefern ihre Prämien zu unterschiedlichen Zeiten und können sich gegenseitig ausgleichen. Eine Kombination mehrerer Faktoren in einem Portfolio kann das Risiko langer Schwächephasen einzelner Faktoren dämpfen. Studien deuten darauf hin, dass die Kombination gegenüber der Einzelanlage in jeden Faktor vorteilhaft sein kann (S&P Dow Jones Indices, 2018). Dies stellt keine Anlageberatung dar.
Wie setzt Everon Faktoren um?
Everon bewertet jede Aktie gleichzeitig nach allen betrachteten Faktoren und nimmt nur Titel auf, die über die Faktoren hinweg positiv einzustufen sind. Diese simultane Bewertung vermeidet widersprüchliche Signale und wird über automatisierte, systematische Anlageprozesse umgesetzt. Dies stellt keine Anlageberatung dar.
Referenzen
- W. F. Sharpe. Capital asset prices: A theory of market equilibrium under conditions of risk. The Journal of Finance, 19(3):425–442, 1964.
- J. Lintner. Security prices, risk, and maximal gains from diversification. The Journal of Finance, 20(4):587–615, 1965.
- J. Mossin. Equilibrium in a capital asset market. Econometrica, 34(4):768–783, 1966.
- S. Ross. The arbitrage theory of capital asset pricing. Journal of Economic Theory, 13(3):341–360, 1976.
- E. F. Fama and K. R. French. The cross-section of expected stock returns. The Journal of Finance, 47(2):427–465, 1992.
- E. F. Fama and K. R. French. Common risk factors in the returns on stocks and bonds. Journal of Financial Economics, 33(1):3–56, 1993.
- M. M. Carhart. On persistence in mutual fund performance. The Journal of Finance, 52(1):57–82, 1997.
- E. F. Fama and K. R. French. The capital asset pricing model: Theory and evidence. Journal of Economic Perspectives, 18(3):25–46, 2004.
- E. F. Fama and K. R. French. A five-factor asset pricing model. Journal of Financial Economics, 116(1):1–22, 2015.
- J. Bender et al. Foundations of Factor Investing. MSCI Research Insight, 2013.
- S&P Dow Jones Indices. The Merits and Methods of Multi-Factor Investing. 2018.
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