Market Update August 2025: Ihre Börsen News
Die Finanzmärkte bleiben trotz anhaltender geopolitischer Spannungen erstaunlich robust.
Die Finanzmärkte bleiben trotz anhaltender geopolitischer Spannungen erstaunlich robust. Während sich der Ukraine-Konflikt weiter hinzieht und neue Eskalationen im Nahen Osten die Schlagzeilen bestimmen, setzen die internationalen Börsen ihren Aufwärtstrend fort. Besonders bemerkenswert: Die Schweizer Märkte zeigen sich widerstandsfähig gegenüber den drastischen US-Zöllen von 39 Prozent. Gleichzeitig nähren sinkende Inflationsdaten und schwächelnde Arbeitsmärkte die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen – ein Cocktail, der Investoren weiterhin optimistisch stimmt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Geopolitische Lage : Trump-Putin-Gipfel blieb ohne Durchbruch; Israel eskaliert Offensive in Gaza-Stadt mit 60’000 Reservisten
- US-Märkte : S&P 500 und Nasdaq erreichten neue Rekordstände; Inflation bei 2.7 Prozent bestärkt Fed-Zinssenkungserwartungen
- Arbeitsmarkt : US-Payrolls nur noch 73’000 neue Stellen im Juli; Arbeitslosenquote steigt auf 4.2 Prozent
- Schweiz unter Druck : 39 Prozent US-Zölle seit 7. August auf fast alle Warenexporte; SMI zeigt sich dennoch stabil um 11’800-12’000 Punkte
- Rohstoffe : Gold klettert auf Rekordhoch; Ölpreise sinken in den mittleren 60-Dollar-Bereich
- SNB-Politik : Schweizer Inflation nur 0.2 Prozent; Leitzins bereits auf null Prozent gesenkt
- Marktausblick : Global anhaltend “Risk-on”-Stimmung; selektive Allokationen in der Schweiz wegen Exportrisiken empfohlen
Geopolitische Entwicklungen
Mitte August trafen sich US-Präsident Trump und der russische Präsident Putin in Alaska zu einem Gipfel, auf dem Trump auf eine Deeskalation im Ukraine-Konflikt abzielte. Das Treffen endete jedoch ohne greifbaren Durchbruch. Putin stellte weitreichende Bedingungen, darunter einen vollständigen Rückzug der Ukraine aus dem Donbass – insbesondere aus Donezk und Luhansk, teils auch aus Gebieten, die noch nicht unter russischer Kontrolle stehen – sowie die formelle Anerkennung der Krim als russisch. Trump erklärte anschliessend, die Verantwortung liege nun bei Präsident Selenski, doch dieser wies territoriale Zugeständnisse kategorisch zurück.
Nur wenige Tage später empfing Trump Selenski im Weissen Haus, gemeinsam mit mehreren europäischen Staats- und Regierungschefs. Diskutiert wurden Sicherheitsgarantien und mögliche eingefrorene Frontlinien, nicht jedoch weitere Gebietszugeständnisse. Zwar äusserte sich Trump positiv zu einer amerikanischen Beteiligung an Sicherheitsgarantien, doch konkrete Fortschritte blieben bislang aus. In den darauffolgenden Tagen zog sich Trump dann aus seiner aktiven Vermittlerrolle teilweise zurück. Statt eines trilateralen Gipfels ist nun zunächst ein direktes Treffen zwischen Putin und Selenski im Gespräch – allerdings ohne seine eigene Beteiligung. Während Kiew seit Langem auf ein solches Direktgespräch drängt, hält sich Moskau weiterhin bedeckt. Ein schneller Fortschritt, sei es in Form eines Waffenstillstands oder gar eines Friedensabkommens, scheint trotz der ernsthafteren Bemühungen, Russland an den Verhandlungstisch zu bringen, vorerst nicht in Sicht. Für die Märkte bleiben die Signale damit unklar. Eine Entlastung bei Energieexporteuren durch sinkende geopolitische Risiken wäre denkbar, bislang sind die Impulse jedoch gering. Auch bei den Gaspreisen erwarten Experten nach wie vor nur begrenzte Auswirkungen.
Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas spitzt sich weiter zu: Premierminister Netanyahu hat die Einnahme von Gaza-Stadt im Rahmen der Offensive „Gideon’s Chariots II“ angeordnet. Dafür mobilisierte die Armee bis zu 60’000 Reservisten und begann mit massiven Angriffen auf Stadtviertel sowie der Umzingelung der Stadt. Verteidigungsminister Katz drohte mit einer „Zerstörung wie in Rafah und Beit Hanoun“, sollte die Hamas nicht entwaffnen und Geiseln freilassen. Ein von Katar und Ägypten vermitteltes 60-Tage-Waffenstillstandsangebot, das die Hamas akzeptiert hat, lehnt Israel bislang ab.
Die UN warnt vor einer Hungersnot im Grossraum Gaza-Stadt, die Hunderttausende betrifft. Zugleich wächst der Protest – sowohl in Gaza als auch in Israel, wo Angehörige von Geiseln und Zivilgesellschaft massive Kritik am Vorgehen üben.
Eine weitere Eskalation zwischen den USA bzw. Israel mit dem Iran hingegen ist ausgeblieben und die strategische Route durch die Meerenge von Hormuz blieb offen – Iran drohte im Juni, sie als Reaktion auf israelische Angriffe zu blockieren, was Ölpreise auf bis zu 100-150 USD pro Barrel hätte treiben können – letztlich blieb die Route offen, was eine unmittelbare Preisexplosion verhinderte.
Marktbewegung Global
Seit Anfang Juli haben die globalen Finanzmärkte grundsätzlich ein bemerkenswert robustes Bild abgegeben. An den internationalen Aktienbörsen setzte sich die Aufwärtsbewegung fort, gestützt von soliden Unternehmensgewinnen, einer weiterhin hohen Liquidität und der Aussicht auf baldige Zinssenkungen.
In den USA kletterten S &P 500 und Nasdaq in der zweiten Augustwoche auf neue Rekordstände.
Die Juli-Inflationsdaten von 2.7% (Kernrate 3.1%) lagen im Rahmen der Erwartungen und bestärkten die Marktteilnehmer in der Annahme, dass die US-Notenbank im September erstmals seit fast zwei Jahren die Zinsen senken könnte. Ein leichtes Aufflackern der Grundpreisdynamik, aber kein Game-Changer für die Markterwartung auf eine erste Senkung im September.
Gleichzeitig kühlte der Arbeitsmarkt spürbar ab: Die Payrolls legten im Juli lediglich um 73’000 zu, frühere Monate wurden deutlich nach unten revidiert, die Arbeitslosenquote stieg auf 4.2%. Summa summarum: ein Mix, der die Fed in Richtung Lockerung schiebt – zumal Teile der Administration offen für eine Senkung von 50 Basispunkten argumentieren.
Rückenwind kam von „goldilocks“-artigen US-Inflationsdaten und der breiten Erwartung einer Fed-Zinssenkung im September. Auch in Asien zogen Indizes an, während der US-Dollar defensiver tendierte. Auch in Europa blieb die geldpolitische Rhetorik unterstützend: Die EZB liess Ende Juli den Leitzins unverändert, betonte aber Fortschritte beim Inflationsrückgang. Die EZB beliess am 24. Juli die Zinsen unverändert und betonte nachlassende Lohn- und Binnenpreisdrucke – das Narrativ: Ziel erreicht, aber vorsichtig bleiben.
An den Rohstoffmärkten sorgten die US-Zölle auf Goldbarren kurzzeitig für Turbulenzen. Gold kletterte auf ein neues Rekordhoch, bevor sich der Preis leicht einpendelte. Öl hingegen gab nach – Brent-Notierungen liegen im mittleren 60-Dollar-Bereich, und die EIA erwartet im vierten Quartal Preise unter 60 USD je Barrel.
Marktentwicklungen – Schweiz
In der Schweiz bewegte sich der SMI seit Mitte Juli in einer engen Spanne um 11’800 bis 12’000 Punkte. Erstaunlich widerstandsfähig zeigte sich der Leitindex trotz einer wirtschaftspolitischen Hiobsbotschaft aus Washington: Ausgerechnet am 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, verhängten die USA Strafzölle von 39% auf fast alle Schweizer Warenexporte – deutlich höher als bei vergleichbaren Handelspartnern.
Besonders betroffen sind die Uhren-, Maschinen- und Lebensmittelindustrie , während die Pharmabranche (vorerst) und Goldexporte ausgenommen bleiben. Die Reaktion der betroffenen Unternehmen fiel unterschiedlich aus: Luxusuhrenhersteller setzten auf Preisanpassungen, kleinere Anbieter warnen vor Marktanteilsverlusten.
Am 1. August verhängten die USA 39% Zölle auf Schweizer Exporte (pharmazeutische Produkte vorerst ausgenommen). Betroffen sind u. a. Uhren, Maschinen und Nahrungsmittel. Der Schritt traf Industrie und Politik kalt; dennoch hielten die Schweizer Leitindizes Kurs. US-Präsident Trump begründete die 39% Zölle mit dem Handelsbilanzdefizit von rund 39 Milliarden US-Dollar. Somit ist die Schweiz eines der weltweit gesehen Länder mit dem höchsten Zollsatz und insbesondere liegt dieser massiv höher als derjenige der EU (15%).
Zunächst kündigten die USA an, die Zölle per 7. August in Kraft zu setzen. Ein Last-Minute-Besuch der Schweizer Bundespräsident Karin Keller-Sutter und des Wirtschaftsministers Guy Parmelin mit US-Aussenminister Rubio vermochte das Ungemach nicht mehr abzuwenden. Die Zölle traten am 7. August effektiv in Kraft. Die Schweizer Wirtschaft reagierte zunächst besorgt – jedoch ist das letzte Wort in dieser Sache definitiv noch nicht gesprochen, die Schweiz hat den USA ein besseres Angebot unterbreitet und es ist davon auszugehen, dass ein Deal gemacht wird. Regierungs- und Branchenkontakte laufen, inklusive Sondierungen über „symbolische“ US-Importe (z. B. Flugzeuge), um die bilaterale Handelsbilanz zu beeinflussen.
Parallel evaluiert Bern gemeinsam mit der Pharmabranche die Risikolage , da auch Section-232-Prüfungen denkbar sind. Zoll-Nebenwirkungen traten rasch zutage: Gold sprang am 8. August auf Rekord, nachdem Meldungen auf Zölle für 1-kg-Barren hindeuteten; kurz darauf sorgten klärende Signale aus Washington für Entspannung. In der Schweizer Industrie passten einzelne Unternehmen kurzfristig Ausblicke an; der mittelbare Kostendruck bleibt im Blick. Ökonomische Schätzungen beziffern den möglichen BIP-Dämpfer auf 0.3 bis 1 Prozentpunkte. Gleichzeitig wird der Zollstreit zum politischen Lackmustest. In Umfragen lehnt eine klare Mehrheit der Bevölkerung Zugeständnisse an die USA ab und befürwortet eine engere Anbindung an die EU. Die Regierung prüft derzeit verschiedene Optionen – von sektoralen Ausnahmen über symbolische Importerhöhungen (etwa bei Flugzeugen) bis hin zu einer Neuverhandlung der Handelsbeziehungen. Auch ein Freihandelsabkommen wird wieder ins Gespräch gebracht, bleibt aber politisch umstritten.
Makroökonomisch bleibt die Schweiz stabil : Die Inflation lag im Juli bei nur 0.2%, deutlich unter dem internationalen Schnitt. Die SNB hatte bereits im Juni den Leitzins auf 0.00% gesenkt und signalisiert unverändert Bereitschaft zu Deviseninterventionen, um übermässige Frankenstärke zu verhindern. Der EUR/CHF notiert dennoch stabil um 0.94. Trotz Zoll-Unsicherheit bleibt das Markt-Regime zunächst „Risk-on“ – getrieben von US-Lockerungsfantasie und robusten Tech-Gewinnen.
Fazit: Zuversicht mit Risikobewusstsein
Aus Investorensicht bleibt das Bild zweigeteilt: Global stützt das Sentiment weiter steigende Kurse, insbesondere in Technologiewerten. In der Schweiz hingegen sind selektive Allokationen gefragt, um exportabhängige Branchenrisiken abzufedern. Politische Entscheidungen in den kommenden Wochen – vor allem im Zollstreit mit den USA – könnten hier den Takt für den Rest des Jahres vorgeben.
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