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Börsencrash: Wie reagieren? Strategien und Fehler

Blog
von Jonas Bächinger
Schachbrett mit umgefallenem König zwischen aufgestellten Figuren

Was ein Börsencrash ist, wie sich Märkte historisch nach Einbrüchen verhalten haben und welche Prinzipien Anlegern helfen, in turbulenten Phasen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Kursrückgänge an den Börsen lösen bei vielen Anlegern dieselbe Frage aus: verkaufen oder investiert bleiben? Wer die Mechanik von Marktphasen versteht und die häufigsten Verhaltensfehler kennt, trifft in turbulenten Zeiten ruhigere Entscheidungen. Dieser Beitrag ordnet ein, was bei einem Börsencrash passiert und welche Prinzipien sich historisch bewährt haben.

Ein Börsencrash ist ein abrupter, starker Kurseinbruch an den Aktienmärkten innerhalb kurzer Zeit, oft ausgelöst durch ökonomische Schocks, geopolitische Ereignisse oder kollektive Verkaufspanik. Fällt ein Index über einen längeren Zeitraum um 20 Prozent oder mehr vom letzten Höchststand, spricht man von einem Bärenmarkt. Beides gehört zum normalen Verlauf der Märkte.

Im Folgenden erläutern wir, wie Bärenmärkte entstehen, wie sich Kurse nach Einbrüchen historisch entwickelt haben und welche Verhaltensprinzipien Anlegern helfen, typische Fehler zu vermeiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition Bärenmarkt: Kursrückgang eines Index um 20 Prozent oder mehr vom letzten Höchststand (gängige Marktkonvention, z.B. Handelszeitung).
  • Historische Häufigkeit: Seit 1928 sind Bärenmärkte wiederholt aufgetreten; sie dauerten historisch im Durchschnitt rund 9 Quartale (Quelle: Handelszeitung, Übersicht der Bärenmärkte seit 1928).
  • Kürzester Einbruch: Der Corona-Crash 2020 dauerte nur rund 5 Wochen und zählt zu den kürzesten, aber heftigsten Einbrüchen der Geschichte.
  • Langfristige SMI-Entwicklung: Anleger im Swiss Market Index erzielten seit 1969 in 40 von 53 Jahren eine positive Jahresrendite (Quelle: SIX/SMI-Datenreihe).
  • Grundprinzip: Niemand kann Beginn, Dauer oder Tiefpunkt eines Bärenmarktes verlässlich vorhersagen; das lässt sich meist erst im Rückblick erkennen.

Geld verlieren

Was ist ein Bärenmarkt und wie entsteht er?

Ein Bärenmarkt ist eine Marktphase, in der die Kurse um 20 Prozent oder mehr vom letzten Höchststand fallen. Das Gegenstück ist der Bullenmarkt, in dem die Kurse über längere Zeit überwiegend steigen. Bärenmärkte entstehen häufig aus einer Kombination von wirtschaftlichen Schocks, steigender Unsicherheit und kollektiver Verkaufsdynamik.

An der Börse wird grundsätzlich zwischen Bullen- und Bärenmärkten unterschieden:

  • Ein Bullenmarkt ist eine Phase, in der die Kurse über einen längeren Zeitraum überwiegend steigen. Kleinere Rücksetzer sind normal und werden in der Regel durch neue Hochs ausgeglichen. In solchen Phasen herrscht oft ausgeprägte Zuversicht.
  • Ein Bärenmarkt ist das Gegenteil. Fallen die Kurse um 20 Prozent oder mehr, sprechen Marktteilnehmer von einem Bärenmarkt. Auch eine längere Serie aufeinanderfolgender Verlustmonate kann eine solche Phase kennzeichnen.

Die Ursachen für einen Bärenmarkt sind vielfältig. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen, etwa abrupte handelspolitische Massnahmen, geopolitische Eskalationen, Energie- und Rohstoffpreis-Schocks oder Unsicherheit über die Geldpolitik der Notenbanken. Dazu kommt die Psychologie: Wenn Unsicherheit und Angst steigen, neigen viele Anleger dazu, gleichzeitig zu verkaufen. Diese Dynamik kann Kurse über Wochen oder Monate zusätzlich unter Druck setzen.

Für die Einordnung helfen zwei nüchterne Beobachtungen aus der Marktgeschichte:

  1. Bärenmärkte sind kein Ausnahmezustand, sondern ein wiederkehrendes Merkmal der Aktienmärkte.
  2. Auf jeden bisherigen Bärenmarkt folgte historisch wieder eine Erholungsphase, wobei der Zeitpunkt nicht vorhersehbar war.

Wie haben sich die Märkte nach Börsencrashs historisch entwickelt?

Historisch haben sich breite Aktienindizes nach Einbrüchen über längere Zeiträume in der Regel wieder erholt. Wann eine Erholung einsetzte und wie lange ein Bärenmarkt dauerte, war im Voraus nicht bestimmbar. Der Blick in die Vergangenheit zeigt vor allem, dass solche Phasen regelmässig vorkommen und kein historischer Ausnahmefall sind.

Zu den prägendsten Bärenmärkten zählen die Finanzkrise 2007 bis 2009, die Dotcom-Korrektur der Jahre 2000 bis 2003 und der Corona-Einbruch 2020. Bemerkenswert ist die Bandbreite der Dauer: Der Corona-Crash war mit rund fünf Wochen einer der kürzesten, aber heftigsten Einbrüche der Geschichte, während sich andere Bärenmärkte über mehrere Quartale hinzogen.

Die Handelszeitung hat in einer Übersicht die Bärenmärkte seit 1928 chronologisch aufgelistet. Diese Aufstellung verdeutlicht, dass es von Zeit zu Zeit zu einem Bärenmarkt kommt und er nicht ungewöhnlich ist. Die Bärenmärkte dauerten historisch im Schnitt rund 9 Quartale. Ein langer Anlagehorizont kann daher relevant sein.

Wichtig bleibt: Niemand kann verlässlich vorhersagen, wann ein Bullen- oder Bärenmarkt beginnt. In der Regel lässt sich das erst in der Rückschau erkennen und analysieren. Sinnvoll ist deshalb, sich auf verschiedene Marktphasen vorzubereiten, statt einzelne Wendepunkte vorhersagen zu wollen.

Langfristig

Was zeigt die langfristige Entwicklung der Aktienmärkte?

Die langfristige Entwicklung breiter Aktienindizes verlief historisch trotz zwischenzeitlicher Einbrüche aufwärts. Für den Swiss Market Index gilt: Seit 1969 hätten Anleger in 40 von 53 Jahren eine positive Jahresrendite erzielt. Diese Beobachtung beschreibt die Vergangenheit und ist kein Indikator für künftige Entwicklungen.

Verschiedene Auswertungen der Kursentwicklung an den Aktienmärkten über Jahrzehnte kommen zu einem ähnlichen Bild: Die Gesamtentwicklung des SMI zeigte trotz zwischenzeitlicher Korrekturen im Rahmen von Bärenmärkten nach oben. Auch wer in Phasen hoher Bewertungen einstieg, lag über lange Zeiträume betrachtet historisch häufig im Plus. Daraus wird oft der Grundsatz abgeleitet: Zeit am Markt war historisch relevanter als der Versuch, den Markt zu timen.

Ein wesentlicher Treiber dieser langfristigen Entwicklung ist, dass Volkswirtschaften ihre Produktivität steigern, Unternehmen Innovationen hervorbringen und die wirtschaftliche Verflechtung zunimmt. Andere Anlageklassen wie Gold oder Immobilien verliefen dagegen historisch auch über längere Zeiträume seitwärts.

Diese Aussagen beschreiben historische Beobachtungen. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Erträge. Welche Anlageklassen und welche Gewichtung für Sie geeignet sind, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.

Wie soll ich bei einem Börsencrash reagieren?

Historisch hat es sich für langfristig orientierte Anleger als sinnvoll erwiesen, dem ursprünglichen Anlageplan zu folgen, statt aus Angst zu handeln. Wer in fallende Kurse verkauft, realisiert Buchverluste und riskiert, die spätere Erholung zu verpassen. Welches Vorgehen passt, hängt von Anlagehorizont, Risikofähigkeit und persönlicher Situation ab. Die folgenden Prinzipien dienen der Orientierung, nicht als Empfehlung.

Ruhe bewahren und den Anlagehorizont im Blick behalten

In einem Bärenmarkt fallen Kurse oft über Wochen oder Monate. Für langfristig orientierte Anleger kann es sinnvoll sein, den ursprünglichen Plan beizubehalten und sich nicht von negativen Schlagzeilen leiten zu lassen. Eine durchdachte private Finanzplanung hilft, in solchen Phasen Entscheidungen anhand des eigenen Horizonts statt anhand der Tagesstimmung zu treffen.

Impulsverkäufe vermeiden

Viele Anleger neigen aus Angst zu Impulsverkäufen. Historisch hat dieses Verhalten häufig zu schlechteren Ergebnissen geführt, weil Buchverluste realisiert und der Wiedereinstieg oft verpasst wurde. Ein häufiger Fehler besteht darin, im Bärenmarkt zu verkaufen und dadurch den Beginn der nächsten Aufwärtsphase zu versäumen. Psychologisch ist es anspruchsvoll, über längere Zeit fallende Kurse zu beobachten und am Plan festzuhalten. Die Verhaltenspsychologie spielt beim Anlegen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Diversifikation prüfen

Eine breite Streuung über Regionen, Branchen und Anlageklassen kann die Schwankungen eines Portfolios dämpfen. Statt einzelne Titel oder Sektoren zu prognostizieren, zielt Diversifikation darauf ab, das Portfolio gegenüber einzelnen Schockereignissen widerstandsfähiger aufzustellen. Wie eine sinnvolle Streuung für Sie aussieht, hängt von Ihren Zielen und Ihrer Risikofähigkeit ab.

Liquidität sicherstellen

Wer in einem Einbruch nicht auf das investierte Kapital angewiesen ist, muss nicht zu ungünstigen Kursen verkaufen. Ausreichende Cash-Reserven ausserhalb des Depots verringern den Druck, in einer Stressphase überstürzt zu handeln, und ermöglichen es, zwischenzeitliche Buchverluste auszusitzen. Als Orientierung dienen die Schweizer Vorsorgeinstrumente, zu denen Sie hier mehr lesen:

Chance

Welche Fehler machen Anleger in einem Bärenmarkt am häufigsten?

Die häufigsten Fehler in einem Bärenmarkt sind emotional getriebene Panikverkäufe, der Versuch, den Tiefpunkt exakt zu timen, und das Aufgeben einer breiten Diversifikation zugunsten vermeintlich sicherer Einzelwetten. Alle drei Muster erhöhen historisch das Risiko, schlechter abzuschneiden als ein ruhiger, langfristig orientierter Ansatz.

Hinzu kommt der Wunsch, den perfekten Wiedereinstiegszeitpunkt zu finden. Da sich Erholungen historisch oft sprunghaft und ohne Vorwarnung vollzogen, verpassten Anleger, die auf den vermeintlich idealen Moment warteten, häufig einen erheblichen Teil des Wiederanstiegs. Statt auf Timing zu setzen, fokussiert ein strukturierter Ansatz auf den eigenen Anlagehorizont, eine angemessene Streuung und ausreichende Liquidität.

Für Einsteiger, die sich mit den Grundlagen vertraut machen möchten, bieten breit gestreute Indexprodukte wie ETFs einen Zugang, der einzelne Titelentscheidungen umgeht. Welche Lösung für Sie geeignet ist, hängt von Ihrer Situation ab und sollte individuell beurteilt werden.

Wann erholen sich die Aktienmärkte nach einem Crash wieder?

Eine verlässliche Vorhersage, wann sich Märkte nach einem Crash erholen, ist nicht möglich. Historisch reagierten Indizes sensibel auf Entscheidungen von Notenbanken und Regierungen sowie auf eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wann genau eine Erholung einsetzt, lässt sich jedoch meist erst im Nachhinein bestimmen.

Die Marktgeschichte zeigt, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: die Geldpolitik der Notenbanken, die Entwicklung der Inflation, die konjunkturelle Lage und geopolitische Ereignisse. Veränderungen in diesen Bereichen können die Stimmung an den Märkten drehen. Welche Kombination eine Erholung auslöst und wann, bleibt im Voraus offen.

Deshalb gilt: Statt einzelne Wendepunkte vorhersagen zu wollen, ist es für viele Anleger zielführender, ein Portfolio so aufzustellen, dass es verschiedene Marktphasen überstehen kann. Mehr zum Umgang mit Schwankungen lesen Sie in unserem Beitrag zu volatilen Märkten.

Häufige Fragen zum Börsencrash

Wie soll ich bei einem Börsencrash reagieren?

Historisch hat es sich für langfristig orientierte Anleger als sinnvoll erwiesen, dem ursprünglichen Anlageplan zu folgen und Entscheidungen nicht aus Angst zu treffen. Panikverkäufe in fallende Kurse realisieren Buchverluste und bergen das Risiko, die anschliessende Erholung zu verpassen. Welches Vorgehen für Sie passt, hängt von Anlagehorizont, Risikofähigkeit und persönlicher Situation ab.

Soll ich bei einem Crash verkaufen?

Ob ein Verkauf sinnvoll ist, lässt sich nicht allgemein beantworten und hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Historisch betrachtet haben sich breite Aktienindizes nach Einbrüchen über längere Zeiträume meist wieder erholt. Wer in fallende Kurse verkauft, riskiert, den oft sprunghaften Wiederanstieg zu verpassen. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

Was ist ein Bärenmarkt?

Ein Bärenmarkt bezeichnet eine Marktphase, in der ein Index um 20 Prozent oder mehr vom letzten Höchststand fällt. Das Gegenstück ist der Bullenmarkt mit über längere Zeit steigenden Kursen. Bärenmärkte gehören zum normalen Verlauf der Aktienmärkte und sind historisch regelmässig aufgetreten.

Wie lange dauert ein Börsencrash?

Die Dauer variiert stark. Der Corona-Einbruch 2020 dauerte nur rund fünf Wochen, der Bärenmarkt der Finanzkrise 2007 bis 2009 mehrere Quartale. Eine verlässliche Vorhersage über Dauer oder Tiefpunkt eines Einbruchs ist nicht möglich; beides lässt sich meist erst im Rückblick erkennen.

Warum sind Cash-Reserven bei einem Börsencrash wichtig?

Wer in einem Einbruch nicht auf das investierte Kapital angewiesen ist, muss nicht zu ungünstigen Kursen verkaufen und kann zwischenzeitliche Buchverluste aussitzen. Ausreichende Liquidität ausserhalb des Depots verringert den psychologischen Druck, in einer Stressphase überstürzt zu handeln.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Erträge. Ob und wie Sie Ihr Portfolio anpassen, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.

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Jonas Bächinger
Über den Autor

Jonas Bächinger

CIO & Co-Founder bei Everon
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.

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