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Altersarmut in der Schweiz: Situation, Ursachen & Vorbeugung

Lesedauer: ca. 10 min
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Alterarmut

In vielen Industriestaaten ist es eine traurige Wahrheit, dass die Menschen im Alter arm sind. Zwischen den Ländern der OECD, also hoch entwickelten Ländern, ist die Spanne an Altersarmut jedoch enorm. In einem Land fallen nur drei Prozent der Bevölkerung über 66 Jahren unter die Armutsgrenze, während in einem anderen Land fast die Hälfte der Menschen unter diese Grenze fällt. Gemäss OECD ist fast jeder fünfte Bürger oder Bürgerin der Schweiz ab 66 Jahren arm. Die Schweiz belegt mit ausgewiesenen 19,5 Prozent damit den zehnten Platz auf der Rangliste der 38 Mitgliedsstaaten.

Dabei ist bereits in den Ländern, die an den Bodensee grenzen, ein differenziertes Bild zu beobachten. Die Statistiken für Deutschland und Österreich zeigen, dass ältere Menschen dort ebenso häufig von Armut betroffen sind wie die Bevölkerung insgesamt. Knapp neun Prozent der Schweizer gelten als arm, während bei älteren Menschen diese Zahl etwa das Doppelte ausmacht.

Wer in der Schweiz die Armut im Alter vermeiden will, sollte sich über die Ursachen informieren, um der Gefährdung aus dem Weg zu gehen. So lassen sich rechtzeitig Lösungen finden, um Armut nach der Pensionierung zu vermeiden und nicht am Rande des Existenzminimums leben zu müssen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Im Durchschnitt mussten Einzelpersonen in der Schweiz im Jahr 2020 monatlich 2’279 Franken aufbringen, um nicht als arm betrachtet zu werden.
  • Ebenfalls als arm gilt ein Haushalt, der aus zwei Erwachsenen sowie zwei Kindern unter 14 Jahren besteht, wenn er monatlich 3’963 Franken oder weniger zur Verfügung hat.
  • In der Schweiz ist fast jeder Fünfte ab 66 Jahren von Altersarmut betroffen.
  • Wer rechtzeitig damit beginnt, die Möglichkeiten der dritten Säule der Schweizer Altersvorsorge zu nutzen, kann sich vor Armut im Alter schützen.

Definition von Armut: Wann ist ein Mensch arm?

Es gibt keine einheitliche Definition von Armut, aber man kann sagen, dass Armut vorwiegend eine finanzielle Angelegenheit ist. Menschen, die arm sind, haben oft kein oder nur sehr wenig Einkommen und Vermögen. Dadurch haben sie oft auch schlechtere Lebensbedingungen und Lebenschancen als Menschen, die nicht arm sind.

Armut bedeutet demnach auch, dass man den minimalen Lebensstandard nicht erreicht, der in einem Land annehmbar ist. Dieser Standard ist aber natürlich unterschiedlich in verschiedenen Ländern und auch von der jeweiligen Gesellschaft abhängig.

Nicht immer muss es also materielle Dinge betreffen. Manchmal sind auch Bedürfnisse wie Bildung, Gesundheit oder Sicherheit relevant. Armut führt oft auch dazu, dass man vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird und sozial isoliert ist. Zunächst muss daher zwischen den Begriffen absolute und relative Armut unterschieden werden.

Absolute Armut

Das sogenannte absolute Armutskonzept beschreibt Armut als einen Zustand, in dem man weniger verdient, als für ein gesellschaftlich akzeptiertes Leben im jeweiligen Land notwendig ist. Die Schweiz richtet sich bei der Altersarmut nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS), welche die monatlichen Kosten für Lebensunterhalt, Wohnung sowie weitere 100 Franken je Person und Monat ab einem Alter von 16 Jahren umfassen.

Eine Person gilt demnach in der Schweiz als arm, wenn ihr maximal 2’279 Franken monatlich zur Verfügung steht. Eine Familie, bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern, hat danach höchstens 3’963 Franken zur Verfügung.

Relative Armut

Die Armut wird relativ gemessen, indem man sich an der Wohlstandsverteilung in der Gesamtbevölkerung orientiert. Die üblichen Armutsgrenzen liegen bei 50 oder 60 Prozent des mittleren Einkommens, das den Menschen zur Verfügung steht. Eine Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der gesamten Bevölkerung an, die von Armut bedroht ist.

In der Schweiz wird die Armutsgrenze vom Bundesamt für Statistik bei 60 Prozent des Einkommens der Schweizer Haushalte eingestuft. Die im Jahr 2020 geltende Armutsgefährdungsgrenze für einen Einpersonenhaushalt liegt bei 30’072 Franken pro Jahr. Dieser Grenze entsprechen 15,4 Prozent der Bevölkerung der Schweiz.

Materielle Entbehrungen

Eine sogenannte materielle Entbehrung definiert sich nach einem finanziellen Mangel bei drei von europaweit neun koordinierten Kategorien:

  • in einem Monat unerwartete Ausgaben von 2.500 Franken tätigen zu können
  • eine Woche Ferien jährlich (entfernt von zu Hause)
  • keine Zahlungsrückstände
  • alle zwei Tage eine Mahlzeit mit Fisch oder Fleisch (alternativ vegetarische Mahlzeit)
  • ausreichend geheizte Wohnung
  • Möglichkeit, eine Waschmaschine zu nutzen
  • Farbfernseher
  • Telefon
  • Auto

Laut dem Bundesamt für Statistik trifft dieser Umstand auf 4,3 Prozent der Schweizer zu. (Stand 2020).

Ergänzungsleistungen (EL)

Die Ergänzungsleistungen (EL) zur AHV und IV (EL) sind dafür da, minimalen Lebenskosten gerecht zu werden, wenn die Rente und das Einkommen diese nicht decken können. In diesem Fall hat man einen rechtlichen Anspruch auf die EL. Diese sind Bestandteil des sozialen Fundaments der Schweiz.

Es gibt zwei Kategorien von Ergänzungsleistungen, die von den Kantonen ausgerichtet werden:

  • jährliche Leistungen mit monatlicher Auszahlung
  • Zahlung von Krankheits- sowie Behinderungskosten

Auskünfte werden von den zuständigen kantonalen EL-Stellen erteilt. Dies sind meistens die kantonalen Ausgleichskassen oder deren Gemeinde-Zweigstellen.

Armut in der Schweiz: wer ist betroffen?

  • 8,5 Prozent der Schweizer waren im Jahr 2020 von Einkommensarmut betroffen, was 722.000 Personen entspricht.
  • Die aktuelle Armutsquote hat sich im Vergleich zum Vorjahr (8,7 Prozent) somit nicht signifikant verändert. Sie lag in der Schweiz im Jahr 2007 bei 9,3 Prozent und sank bis 2013 auf 5,9 Prozent, doch bereits 2014 ist sie wieder auf 6,7 Prozent gestiegen.

Die aktuellste Erhebung des BFS zeigt, dass der allgemeine Lebensstandard in der Schweiz fortan sehr hoch ist. Allerdings sind diese Daten noch vor den Auswirkungen der Covid 19-Pandemie entstanden.

Armutsgefährdungsquote im europaweiten Vergleich

Mit der international verwendeten Armutsgefährdungsquote kann die Armut in der Schweiz mit anderen Ländern verglichen werden. Diese beträgt mit Stand 2020:

  • 20,0 Prozent in Italien
  • 16,6 Prozent in der EU (Durchschnitt)
  • 16,1 Prozent in Deutschland
  • 15,5 Prozent in der Schweiz
  • 13,8 Prozent in Frankreich
  • 13,9 Prozent in Österreich

Wer ist in der Schweiz überdurchschnittlich von Armut betroffen?

Die Armutsgefährdung ist insbesondere von der familiären Situation sowie der Ausbildung abhängig. Dies zeigen die Armutsquoten des Bundesamts für Statistik für 2020:

Familiensituation:

  • Einelternhaushalte (26,8 Prozent)
  • Paare mit drei oder mehr Kindern (24,4 Prozent)
  • alleinlebende Personen unter 65 Jahren ohne Kinder (16,3 Prozent)
  • Paare mit zwei Kindern (11,8 Prozent)
  • Paare unter 65 Jahren ohne Kinder (6,6 Prozent)

Ausbildung:

  • Personen mit einer obligatorischen Schulausbildung (27,6 Prozent)
  • Personen mit einer tertiären Ausbildung (8,2 Prozent)

Der besondere Fall der Altersarmut

Rentner sind eine besondere Gruppe, die sehr stark der Armutsgefährdung ausgesetzt ist (21,5 Prozent), insbesondere als Alleinlebende (28,4 Prozent). Nach Beendigung der aktiven Erwerbstätigkeit sind Menschen in der Schweiz besonders stark auf ihr Vermögen angewiesen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.

Wesentliche Ursachen für Altersarmut

Die Statistiken über die aktuelle Altersarmut in der Schweiz zeigen einige markante Ursachen für die Entstehung von Armut im Alter.

Bildung

Hauptursachen für die steigende Altersarmut sind unter anderem die fehlende Bildung und die Tatsache, dass immer mehr Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen leben. Haben Menschen keine ausreichende Ausbildung, können sie nur Jobs mit geringem Lohn finden. Dies führt dazu, dass sie auch im Alter nicht genug Geld haben, um ihren Lebensstil zu finanzieren.

Alleinerziehend

Frauen sind in der Schweiz stärker von Altersarmut bedroht als Männer. Dies ist vor allem auf die Lebensumstände von Frauen zurückzuführen, die häufiger alleinerziehend sind und einer geringeren Erwerbsbeteiligung unterliegen.

Singlehaushalte

Der Einpersonenhaushalt ist mit einem Anteil an den privaten Haushalten von 36,4 Prozent (Stand 2020) die häufigste Wohnform in der Schweiz. Ein Trend, der sich gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) künftig weiter verstärken wird. Als Hauptgründe für den Anstieg der kleineren Haushalte nennt das BFS die rückläufigen Geburtenzahlen sowie die gestiegene Lebenserwartung.

Dies hat zur Folge, dass immer mehr Menschen allein für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen. Dadurch steigt auch in der Schweiz die Gefahr der Altersarmut.

Mangelnde Altersvorsorge

Die Armutsstatistik des BFS macht die Relevanz der Nutzung von Vorsorgemöglichkeiten der zweiten und dritten Säule sehr deutlich. Während die Armutsquote der Rentner, die ihr Haupteinkommen aus der Säule eins beziehen, über 20 Prozent liegt, sinkt die Quote bereits um mehr als die Hälfte, wenn das Haupteinkommen aus der Säule zwei kommt. Einen ähnlichen Effekt können Sie beim vorrangigen Einkommen aus Vermögen erreichen.

Lesen Sie dazu auch unsere Insidertipps zur Säule 3a.

Unternehmenspleiten

Eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade besagt, dass weltweit und auch in der Schweiz in Zukunft eine steigende Zahl an Insolvenzen zu erwarten ist. Auch die Wirtschaftsauskunftei Creditreform erwartet nach dem Ende der Corona-Massnahmen eine ähnliche Entwicklung. In einigen Ländern, darunter auch die Schweiz, ist bereits ein Anstieg der Insolvenzzahlen zu verzeichnen.

Schicksalsschläge wie Arbeitsverlust oder Krankheit

Schicksalsschläge wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schwere Krankheit können dazu führen, dass Menschen im Alter arm sind. Positiv stimmt in dem Zusammenhang die aktuell niedrige Arbeitslosenquote von rund zwei Prozent. Ebenso im internationalen Vergleich sieht die Schweiz seit Jahrzehnten hervorragend aus.

Auch schwere Krankheiten können dazu führen, dass Menschen im Alter arm sind. Viele ältere Menschen haben chronische Gesundheitsprobleme. Diese Gesundheitsprobleme können dazu führen, dass sie ihren Job verlieren und in die Altersarmut abrutschen.

Altersvorsorge

Geld im Alter – Armut vorbeugen

Innerhalb der Sozialversicherungen der Schweiz dient die erste Säule mit der Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) der Existenzsicherung. Die Praxis zeigt: Die AHV reicht nicht aus, um sich in der Schweiz vor Altersarmut zu schützen.

Mit der beruflichen Vorsorge aus der Säule zwei sichern Sie zusammen mit der AHV-Rente etwa 60 Prozent Ihres Einkommens im Alter ab. Die Hälfte aller Pensionäre lässt sich übrigens die Pensionskassengelder auszahlen. Damit umgehen sie besonders flexibel “materielle Entbehrungen” im Alter.

Die Zahlen belegen eindeutig: Wollen Sie einer drohenden Altersarmut wirksam vorbeugen, ist Eigenverantwortung gefragt. Das bedeutet, mit staatlicher Förderung die Möglichkeiten der Säule drei zu nutzen.

Hilfe und Sozialberatungen – wenn die Armut bereits akut ist

Betroffene von Altersarmut finden in der Schweiz eine Reihe von Angeboten, wo sie Hilfe erhalten.

Wesentliche Anlaufstellen sind:

Fazit: Rechtzeitiger und planvoller Aufbau der Altersvorsorge ist alternativlos

Je früher Sie mit dem gezielten Ansparen Ihrer individuellen Vorsorge beginnen, umso leichter wird es Ihnen fallen. Schliesslich haben Sie dann den Faktor Zeit auf Ihrer Seite.

Durch die Renditen des Kapitalmarktes können die zweite und dritte Säule höhere Rentenzahlungen bei geringeren Beiträgen als die erste Säule finanzieren. Die beiden kapitalgedeckten Vorsorgesysteme sind jedoch grösseren Schwankungen unterworfen als die erste Säule. Die erste Säule bildet somit einen wesentlichen Beitrag zu Sicherheit und eine adäquate Rendite erwirtschaften Sie mit den Finanzprodukten der dritten Säule.

Individuelle Vorsorge mit Finanzprodukten der dritten Säule

Die demografische Entwicklung, die steigenden Löhne und die höhere Lebenserwartung führen dazu, dass sich das Verhältnis zwischen umlagefinanzierten und kapitalgedeckten Systemen in der Vorsorge verschiebt. Für das 3-Säulen-Prinzip bedeutet dies, dass die Bedeutung der privaten Vorsorge im Bereich der dritten Säule zunimmt. Dies ist in der Schweiz der wirksamste Schutz vor Altersarmut.

Aufgrund des Niedrigzinsniveaus sind klassische Zinsanlagen allerdings nicht mehr in der Lage, die Inflation auszugleichen. Dies hat dazu geführt, dass Anleger nach renditestarken Anlagen suchen, die ein vertretbares Risiko haben. Besonders Fintechs bieten ein grosses Angebot an solchen Lösungen an.

Die Entwicklung des Marktes hat dafür gesorgt, dass Sie heute professionelle Hilfe bei Ihrer Vorsorgeplanung in Anspruch nehmen können. Durch die Digitalisierung ist eine kompetente Vermögensplanung breiten Kreisen der Bevölkerung zugänglich geworden.


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