Zum Inhalt springen

Prognose Kryptowährungen: Ist das Risiko kalkulierbar?

Blog
von Jonas Bächinger
Physische Münze mit Bitcoin-Symbol auf dunklem Untergrund

Kryptowährungen werden seit Jahren als Anlageklasse diskutiert. Dieser Beitrag erklärt, wie sie funktionieren, warum Kursprognosen unzuverlässig sind und welche Risiken Sie kennen sollten.

Kryptowährungen werden seit Jahren als Anlageklasse diskutiert, oft mit sehr grossen Zahlen und sehr wenig Einordnung. Dieser Beitrag erklärt, wie sie technisch funktionieren, worin sie sich von Währungen und Aktien unterscheiden, und warum sich ihre Kursentwicklung nicht seriös vorhersagen lässt. Er enthält bewusst keine Empfehlung, ob eine Investition sinnvoll ist. Diese Frage hängt von der persönlichen Situation ab und lässt sich in einem Beitrag für ein allgemeines Publikum nicht beantworten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Kryptowährung ist vollständig digitales Guthaben, dessen Übertragung kryptografisch gesichert und in einer Blockchain festgehalten wird.

  • Für das Halten und Übertragen brauchen Sie eine Wallet. Wer deren Schlüssel verliert, verliert den Zugriff endgültig, ohne Wiederherstellungsmöglichkeit.

  • Kryptowährungen sind nicht gedeckt und verbriefen keinen Anspruch. Anders als bei einer Aktie steht kein Unternehmen und kein Vermögenswert dahinter.

  • Die Kursausschläge sind gross, Tagesbewegungen im zweistelligen Prozentbereich kommen vor, und ein Totalverlust ist möglich.

  • Kursprognosen gehen weit auseinander und haben sich wiederholt als unzuverlässig erwiesen. Das ist kein Zufall, sondern eine Eigenschaft des Marktes.

Wie funktionieren Bitcoin und andere Kryptowährungen?

Als Kryptowährung wird jede Währung bezeichnet, die ausschliesslich digital existiert und ihre Transaktionen mit kryptografischen Verfahren absichert. Die älteste und bekannteste ist Bitcoin, dessen Konzept 2008 unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlicht wurde.

Im herkömmlichen Geldsystem führt eine Bank die Konten beider Seiten und wickelt die Überweisung ab. Bei einer Kryptowährung entfällt diese zentrale Instanz. Die Übertragung läuft direkt zwischen den Beteiligten, und die Transaktion wird in einem öffentlichen Register festgehalten, das viele Rechner unabhängig voneinander prüfen.

Was ist die Blockchain?

Die Blockchain lässt sich als öffentliches Kassenbuch verstehen. Jede Transaktion wird darin gespeichert und bleibt dauerhaft nachvollziehbar. Die Einträge werden zu Blöcken gebündelt; ist ein Block voll, wird der nächste angehängt, sodass eine fortlaufende Kette entsteht. Diese Struktur macht nachträgliche Änderungen praktisch unmöglich, was zugleich bedeutet: eine fehlerhaft ausgeführte Übertragung lässt sich nicht rückgängig machen.

Was ist eine Wallet?

Eine Wallet ist die digitale Geldbörse. Statt einer Kontonummer erhalten Sie eine Walletadresse. Entscheidend ist der zugehörige private Schlüssel: Wer ihn besitzt, verfügt über das Guthaben. Wer ihn verliert, verliert den Zugriff endgültig. Es gibt keine Stelle, die ihn zurücksetzen kann, und keinen Kundendienst, der eine Fehlüberweisung storniert.

Was unterscheidet Kryptowährungen von Währungen und Aktien?

Der wesentliche Unterschied liegt in der Deckung. Kaufen Sie eine Aktie, werden Sie Miteigentümerin oder Miteigentümer eines Unternehmens und haben Anspruch auf einen Anteil an dessen Ergebnis. Hinter einer Kryptowährung steht kein Unternehmen, kein Sachwert und kein Zahlungsversprechen. Ihr Preis ergibt sich ausschliesslich daraus, was andere Marktteilnehmer dafür zu zahlen bereit sind.

Gegenüber staatlichen Währungen, dem sogenannten Fiat-Geld, besteht ein weiterer Unterschied: Die Menge vieler Kryptowährungen ist protokollarisch begrenzt. Bei Bitcoin liegt die Obergrenze bei 21 Millionen Einheiten. Ob diese Knappheit einen Wert begründet, ist unter Fachleuten umstritten.

Geld erfüllt klassischerweise drei Funktionen: Tauschmittel, Recheneinheit und Wertspeicher. Ob Kryptowährungen alle drei erfüllen, wird bezweifelt, vor allem wegen der hohen Volatilität, die einem Wertspeicher entgegensteht.

Welche Risiken Sie kennen sollten

Kursrisiko. Tagesbewegungen im zweistelligen Prozentbereich sind keine Ausnahme. Anders als bei breit gestreuten Anlagen gibt es kaum Mechanismen, mit denen sich dieses Risiko wirksam begrenzen lässt.

Totalverlust. Eine Kryptowährung kann wertlos werden, ohne dass ein Insolvenzverfahren oder eine Restwertquote existiert. Bei kleineren Projekten ist das wiederholt eingetreten.

Verwahrungsrisiko. Wer Guthaben auf einer Handelsplattform liegen lässt, ist deren Solvenz und Sicherheit ausgeliefert. Der Zusammenbruch der Börse FTX im November 2022 traf private wie institutionelle Anleger.

Bedienungsrisiko. Ein Tippfehler in der Empfängeradresse oder ein verlorener Schlüssel führt zum endgültigen Verlust. Es gibt keine Rückbuchung.

Kein Einlegerschutz. Kryptoguthaben fallen nicht unter die Schweizer Einlagensicherung, die für Bankguthaben gilt. Das ist ein struktureller Unterschied zum Bankkonto, kein Detail.

Regulatorische Einordnung. Entgegen einer verbreiteten Annahme ist der Bereich in der Schweiz nicht unreguliert. Mit dem DLT-Gesetz hat der Gesetzgeber seit 2021 Regeln für Registerwertrechte und für Handelssysteme geschaffen, und wer gewerbsmässig Kryptodienstleistungen erbringt, untersteht der Aufsicht. Reguliert sind damit aber die Dienstleister, nicht der Kurs des Vermögenswerts. Aus der Regulierung folgt kein Schutz vor Verlusten.

Steuerliche Behandlung. Kryptoguthaben zählen in der Schweiz zum steuerbaren Vermögen. Wie Gewinne behandelt werden, hängt davon ab, ob die Tätigkeit als private Vermögensverwaltung oder als gewerbsmässiger Wertschriftenhandel eingestuft wird. Bei häufigem Handel ist das eine reale Frage und gehört mit der Steuerberatung geklärt.

Warum sich der Kurs nicht seriös prognostizieren lässt

Die Prognosen namhafter Marktteilnehmer liegen regelmässig um ein Vielfaches auseinander, von vollständiger Erholung bis zu dauerhafter Bedeutungslosigkeit. Warren Buffett äussert sich seit Jahren ablehnend, andere sehen langfristig steigende Kurse.

Diese Spannweite ist kein Zeichen mangelnder Sorgfalt, sondern folgt aus der Sache. Bei einer Aktie lässt sich ein Wert wenigstens im Ansatz aus Ergebnis, Substanz und Ausschüttung herleiten. Für einen Vermögenswert ohne Zahlungsstrom fehlt dieser Anker vollständig. Was bleibt, ist eine Aussage über künftige Angebots- und Nachfrageverhältnisse, und die ist Spekulation, auch wenn sie mit einer Zahl versehen wird.

Hinzu kommt, dass staatliche Digitalwährungen mehrerer Notenbanken in Vorbereitung sind. Wie sich das auf private Kryptowährungen auswirkt, ist offen.

Die ehrliche Antwort auf die Titelfrage lautet deshalb: nur eingeschränkt. Das Risiko lässt sich beschreiben und in seiner Struktur verstehen. Kalkulierbar im Sinne einer belastbaren Erwartung ist es nicht, weil die Grundlage für eine solche Erwartung fehlt.

Wie wir bei Everon damit umgehen

Everon ist ein FINMA-bewilligtes Multi-Family Office mit eigenem Portfolio-Management-Team. Unser Ansatz ist systematisch und regelbasiert, und die Strategie entsteht aus Anlagehorizont, Risikofähigkeit und Zielen, nicht aus der Frage, welche Anlageklasse gerade Aufmerksamkeit bekommt.

Wenn Sie einordnen möchten, welche Rolle eine bestimmte Anlageklasse in Ihrer Situation überhaupt spielen kann, vereinbaren Sie ein Gespräch. Grundlagen zum Aufbau eines Portfolios finden Sie ausserdem in unserem Beitrag zum Geld anlegen in der Schweiz.

Stand: August 2026. Quellen: FINMA, ESTV, Schweizerische Nationalbank.

Jonas Bächinger
Über den Autor

Jonas Bächinger

CIO & Co-Founder bei Everon
LinkedIn-Profil

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Everon AG ist von der FINMA bewilligter Vermögensverwalter gemäss FINIG. Vergangene Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge.

Sprechen wir über Ihr Vermögen.

Gespräch vereinbaren